Der Tagesspiegel : Laufen lassen

In Hoppegarten startet bald die Pferderennsaison

Hartmut Moheit

Hoppegarten - Es ist zwar nur ein kleines Schild, das etwas versteckt neben der Eingangstür zum Bürogebäude hängt, aber damit lässt sich dennoch viel Symbolik verbinden. „Rennverein Hoppegarten e.V.“ steht in schwarzer Schrift auf der goldfarbenen Platte. Sie hängt genau an der Stelle, wo bis vor kurzen noch der Union Klub von 1867 sein Hausrecht in protzigen Lettern dargestellt hatte. Jetzt wird dem Besucher eher Bescheidenheit, aber auch der Glaube an eine goldige Zukunft signalisiert.

„Die Tradition von über 130 Jahren wird fortgeführt“, sagt Gunther Barth mit leuchtenden Augen. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des neuen Rennvereins, den es seit zwei Monaten gibt. „Unsere Aufgabe ist es, Rennen zu veranstalten. Wir wollen ein Zeichen setzen, dass es bei uns mit dem Galoppsport weitergeht.“ In einer Woche geht es mit neun Rennen los, sieben weitere Renntage werden bis zum 22. Oktober folgen, und der Saisonhöhepunkt für den 3. Oktober mit dem Europa-Gruppe-III-Rennen um den Preis der deutschen Einheit geplant.

Wie aber sollen Renntage organisiert werden, wenn kaum Geld in der Kasse des Rennvereins ist? Ohne Sponsoren geht es nicht, aber Enthusiasmus hilft. Vor einer Woche trafen sich 30 Fans, Besitzer und Angestellte, um gemeinsam die Folgen des Winters wegzuharken. So kann sich die „Rennbahn im Grünen“ schon am 1. Renntag sauber präsentieren.

Dass der Hoppegartener Rennverein zunächst nur eine Übergangslösung ist, mindert den Tatendrang seiner acht Mitglieder nicht. Sie hoffen, dass sich bis zum Jahresende ein großer Investor findet. Nachdem der Union Klub mit Hoppegarten im Herbst 2005 insolvent gegangen war, wurde auch aus einem zunächst angestrebten Stiftungsmodell nichts. Damit war der Weg frei für die Privatisierung der Pferdesportanlage.

Seit 1. April ist die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH für das Areal verantwortlich. Die Ausschreibung zum Verkauf der Galopprennbahn Hoppegarten ist erfolgt. Die Flächen und Gebäude wurden zum Kauf angeboten. Interessenten können ihr Angebot bis zum 20. Juli abgeben, eine Entscheidung wird bis zum Jahresende erwartet. Noch hat sich kein Kaufinteressent gemeldet.

Was den Mitgliedern des Rennvereins Mut macht, ist die Entwicklung anderer Rennbahnen in den neuen Bundesländern. In Leipzig hatte man ebenfalls mit einem territorial behafteten Rennverein eine neue Ära eingeleitet, und nun zählte man zuletzt 15 000 Besucher. In früheren Jahren konnte Hoppegarten mit solchen Zahlen werben.

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