Der Tagesspiegel : Lausitzer Windlicht

Berliner macht einen Generatormast zum Kunstwerk

H. P. Daniels

Klettwitz - Fünf Jahre hat der Berliner Künstler Christoph Ernst an der Entwicklung seines neuesten Projekts gearbeitet. Seit über 20 Jahren befasst er sich mit den Themen Licht und Energie, entwirft auch Möbel und Stehlampen, und hat sich nun für „Windmove – Screens Of Sustainability“ einen etwas größeren Leuchtkörper vorgenommen: 150 Meter hoch sind die Masten der Windenergieanlage, auf deren 44 Meter langen Rotoren er von einem Kletterteam speziell angefertigte Leuchtfolien anbringen ließ. Illuminiert und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 220 Kilometer pro Stunde sollten schließlich „poetische Lichtinszenierungen durch den Himmel fliegen“, so hieß es in der Ankündigung.

Am Montagabend nun war die Weltpremiere von „Windmove“ im Rahmen der IBA Fürst-Pückler-Land bei Klettwitz in der Lausitz, etwa eineinhalb Autostunden von Berlin entfernt. Um einen gespenstisch riesigen Windradmast huschen im Dunkeln ein paar Schattengestalten mit Taschenlampen. Es werde eine große Inszenierung, sagt jemand. Es ist eisig kalt. Die Rotorblätter fangen an sich zu drehen, langsam erst, dann immer schneller. Lichtstreifen beginnen zu leuchten, rot und blau. Noch schneller werden die Flügel. Ein Zischen. Ein Rauschen. Getöse wie bei einem Orkan. Schweres Knattern. Es entstehen eine ganz eigene schräge Melodie und Rhythmus. Beeindruckend, was so eine Anlage für Geräusche macht. Und das Leuchten da oben setzt ein und wieder aus. Es blinkt. Blau und rot. Von außen nach innen, von innen nach außen und ein bisschen durcheinander. Das Knattern, der Sturm lässt nach, zarteres Pling-Plong setzt ein. Nein, das ist nicht das Windrad, das ist ein Glockenspiel. Die ganzen Geräusche kommen aus Lautsprechern. Andrew Unruh von den „Einstürzenden Neubauten“ hat sie komponiert, erfährt man.

Und doch … Poetische Lichtinszenierungen sollten durch den Himmel fliegen? Es fliegt nichts. Es leuchtet nur. Und dreht sich, blau und rot. Dann man fährt wieder nach Hause. Eine Weile sieht man es noch blinken. Blau und rot. Bis Ende Dezember soll dies auch von der Autobahn A 13 aus zu sehen sein. H. P. Daniels

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