Der Tagesspiegel : Lausitzring: Bei Regen bleiben die Reifen kalt

Thorsten Metzner

Nach seinem missglückten Anfangsjahr will der Lausitzring mit der so genannten Champ-Car-Serie durchstarten. Doch die mit Spannung erwartete Europapremiere für die "amerikanische Formel 1" am 15. September 2001 wird nach Tagesspiegel-Informationen zu einer neuen Zitterpartie für die Rennstrecke: Wenn es Mitte September regnet wie bei der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft im vorigen Herbst, müssen die fast 370 Stundenkilometer schnellen Champcars in den Boxen bleiben.

Das Risiko trägt allein die Betreibergesellschaft des Eurospeedway Lausitz. Der Förderverein des Lausitzringes hat inzwischen beim Land neue Fördermittel beantragt. Im Landtag wächst die Sorge, dass die angeschlagene Bankgesellschaft ihre Anteile an dem teuren Zuschuss-Projekt veräußern könnte, in das 241 Millionen Mark an Steuergeldern geflossen sind. Die Fördermittel sind indessen an eine 15-jährige Betreibergarantie gebunden.

"Die Risiken des Lausitzringes sind weitaus größer als befürchtet", klagt Ralf Christoffers. Der PDS-Landeschef und wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion verfolgt die jüngsten Nachrichten zur wirtschaftlichen Lage der Rennstrecke und "ihre Abhängigkeit von nicht beeinflussbaren Faktoren" wie dem Wetter mit Argwohn. Ehe neue Fördergelder bewilligt würden, müsse ein überarbeitetes Wirtschaftskonzept vorliegen. "Man kann nicht nur auf die Champ-Cars bauen." Auch eine enge Abstimmung mit Sachsen sei überfällig. Da die Politik "so oder so für das Projekt gerade stehe", müsse das Land "wenigstens für eine Übergangszeit" im Aufsichtsrat des Lausitzrings vertreten sein, fordert Christoffers. Bislang ist dies trotz der enormen Fördersumme nicht der Fall.

Für die Champ-Car-Premiere, die für den Lausitzring den Durchbruch bringen soll, sind inzwischen 40 000 Tickets zu Preisen zwischen 50 und 450 Mark verkauft worden, sagte Lausitzring-Manager Jörg Fischer gegenüber dem Tagesspiegel. Er rechne mit 60 000 Besuchern, die das Rennen um den in Deutschland bislang einmaligen Oval-Kurs in der Lausitzring-Arena verfolgen wollen. Im nächsten Jahr peile man die 100 000-Besucher-Marke an. Fischer betonte, dass die Champ-Car-Serie "kein Selbstläufer" sei, da "das europäische Publikum bislang Ovalrennen nicht kenne. "Wir müssen noch viel tun." Unklar ist bislang, welche Fernsehstationen das Rennen übertragen werden und ob die Verkehrsanbindung - beim jüngsten AC/DC-Konzert kam es zu stundenlangen Staus - rechtzeitig verbessert werden kann.

Gegenüber dieser Zeitung bestätigte Fischer das hohe Witterungsrisiko. "Das tragen wir. Das ist so üblich", so der Lausitzring-Manager. Es sei klar, dass die schnellen Champ-Cars nur bei trockener Fahrbahn starten könnten. Zwar verwies Fischer darauf, dass das Risiko über Versicherungen minimiert werde. Auch sei in den Verträgen mit dem US-Champ-Car-Management verankert, dass notfalls auf den Sonntag (16. September) als "Puffertag" ausgewichen werden kann. "Wenn es dann auch regnet, bekommen die Zuschauer ihr Geld zurück." Er machte jedoch keinen Hehl daraus, dass es die junge Rennstrecke hart treffen würde, wenn just der Champ-Car-Auftakt - der Vertrag läuft über fünf Jahre - ins Wasser fallen sollte. "Das wäre natürlich ein Schlag." So können die Lausitzring-Manager beten, dass sich der im Vorfeld immer wieder besonders angepriesene Standortvorteil der in einen früheren Braunkohletagebau geklotzten Rennstrecke einmal auszahlt, wenn es nötig ist: Die Lausitz gilt als das regenärmste Gebiet Brandenburgs.

Dabei ist die wirtschaftliche Situation des Lausitzrings bereits jetzt alles andere als rosig. Die selbst angeschlagene Bankgesellschaft Berlin, die 70 Millionen Mark in die vom Land Brandenburg mit 241 Millionen Mark geförderte Rennstrecke investiert hatte, musste bereits mindestens 50 Millionen Mark nachschießen. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" soll die Summe weit höher liegen. Im Wirtschaftsministerium liegt ein Förderantrag auf weitere 20 Millionen Mark, die mit Kostensteigerungen beim Bau des Lausitzrings begründet werden. So wächst bei allen Landtagsparteien die Sorge, dass die Rennstrecke zum Fass ohne Boden wird. So erinnert Heiko Müller, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, daran, dass bereits die Bewilligung der 241 Millionen Mark umstritten war. "Es war klar, dass das das Ende der Fahnenstange ist", so Müller. Eine Nachförderung sei weder "nachvollziehbar", noch anderen Investoren vermittelbar.

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