Der Tagesspiegel : Lausitzring: Immer langsam voran - damit jeder mitkommen kann

Claus-Dieter Steyer

Wer mit dem Anspruch von Europas modernster Renn- und Teststrecke an den Start geht, muss neben vielen technischen Details auch im Service für den Zuschauer Spitze sein. In dieser Hinsicht fährt der Eurospeedway Lausitz leider noch nicht in der Spitzenklasse. Denn die schleppende An- und Abreise verdarb doch Tausenden Zuschauern die Freude an der sicher einmaligen Anlage. Viele schwitzten in ihren Autos, obwohl sich die nahe Autobahn schon in Sichtweite befand. Anderthalb bis zwei Stunden für 500 Meter sind nicht zu erklären. Nicht besser sah es auf den Wegen zu den weiter nördlich und südlich gelegenen Autobahnauffahrten aus. Bei allem Verständnis für das Team vom Lausitzring, die das erste Mal so einen Ansturm von 80 000 Zuschauern zu bewältigen hatten, gibt es doch offensichtliche Fehler in der Oganisation.

Eine einspurige Fahrbahn zur Autobahn, die noch dazu rechts und links von Bussen und anderen Fahrzeugen zugeparkt war, führt von vornherein zum Chaos. Selbst als dann die Gegenspur freigemacht wurde, fehlte es am entscheidenden Hinweis. Niemand sagte den Autofahrern, dass sie nun auch nebeneinander in Richtung Heimat fahren konnten. Die Polizei schien mit diesem Verkehr ziemlich überfordert zu sein. Auch die fleißigen Helfer in ihren orangen Westen standen auf den Parkplätzen ziemlich hilflos herum.

Die Verkehrsanbindung muss schnellstens verbessert werden. Der Hinweis, dass es sich beim Lausitzring nur um eine Freizeitstätte handelt und dieser schon genügend öffentliche Mittel gekostet habe, hilft wenig weiter. Gerade weil 241 Millionen Mark aus der Landeskasse und dem Budget der EU in den Bau gesteckt worden waren, muss die Rennstrecke ein Erfolg werden.

Dringend notwendig sind zweispurige Auffahrten auf die Autobahn. Dabei ist der dreispurige Abschnitt rechts und links der Auffahrt "Klettwitz/Lausitzring" erst vor einigen Monaten komplett für viel Geld erneuert worden. Da fragten sich viele Zuschauer zu Recht, warum nicht von vornherein die Anschlussstelle auch im entscheidenden Punkt nicht vergrößert wurde. Auf die unmittelbar an der Rennstrecke vorbeiführende Eisenbahnstrecke nach Senftenberg und Großräschen ist schon in den vergangenen Tagen hingewiesen worden. Sie rostet vor sich hin, nachdem der letzte Kohlezug hier im Dezember 1999 fuhr.Eine Wiederinbetriebnahme würde sich bei dem vollen Rennkalender sicher lohnen.

Bei betagten Pisten wie Hockenheim- oder Nürburging müssen sich die Zuschauer ebenfalls bei der An- und Abfahrt in Geduld üben. Doch der richtige Maßstab für die Lausitz müsste der Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal sein. Hier wurden die Zufahrtsstraßen großzügig ausgebaut. Klagen über lange Stauzeiten sind nicht bekannt. Immerhin ist der Sachsenring auch ein Konkurrent der Lausitzers, beispielsweise bei der Vergabe der Motorrad-WM. Schon am nächsten Wochenende folgt auf dem Lausitzring mit der Deutschen Motorradmeisterschaft der "scharfe Start" und die nächste Bewährungsprobe.

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