Lebensmittelkennzeichnung : Seehofers Pläne sind "lebensfeindlich"

Die Grünen-Politikerin Renate Künast sieht die Pläne von Verbraucherschutzminister Seehofer zur Kennzeichnung von Lebensmitteln mit großer Skepsis. Die angedachten Informationen auf Packungen würden Verbrauchern keine sinnvolle Informationen bieten.

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Schießt gegen Nachfolger Seehofer: Renate Künast. -Foto: ddp

BerlinGrünen-Fraktionschefin Renate Künast hält die Pläne von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) zur Lebensmittelkennzeichnung für untauglich. "Das ist eine Methode, die ständiges Rechnen und Notieren voraussetzt", sagte Künast. "Das wird nicht funktionieren." Seehofer will erreichen, dass sich Verbraucher auf Lebensmittelverpackungen künftig über Kalorien, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz informieren können. Der Nährwert soll pro Portion und in Bezug zum durchschnittlichen Kalorienbedarf einer erwachsenen Frau pro Tag angegeben werden.

"Das ist geradezu lebensfeindlich", sagte Künast. Der Tagesbedarf an Nährwerten sei bei Kindern anders als bei Erwachsenen, bei Männern anders als bei Frauen. Die frühere Verbraucherschutzministerin wirbt für eine "Ampel"-Kennzeichnung. "Es geht darum, eine insgesamt ausgewogene Ernährung zu haben", sagte sie. "Das kann man meines Erachtens nur mit einer Ampel darstellen." Die "Ampel"-Kennzeichnung wird bereits freiwillig in Großbritannien verwendet. Dabei zeigen die Farben rot, gelb, grün, ob ein Produkt hohe, mittlere oder geringe Gehalte an Fett, Zucker, gesättigten Fettsäuren oder Salz enthält.

Seehofer und die Lebensmittelwirtschaft lehnen die "Ampel" ab. "Vereinfachung kann auch Verdummung sein", hatte Seehofer dazu gesagt. "Das ist eine absolute Frechheit", entgegnete Künast. Die Grünen-Politikerin hofft auf die EU-Kommission und das EU-Parlament. "Unsere Chance liegt in Brüssel und in Straßburg", sagte sie. "Wir sehen ja, dass Brüssel sich Gedanken macht, gegen Fettleibigkeit zu kämpfen." Die EU-Kommission will bis Ende des Jahres einen Vorschlag für eine bessere Lebensmittelkennzeichnung vorlegen. (mit dpa)