Lebensmittelskandal : Seehofer verleiht Gammelfleisch-Enthüller Orden

Der jüngste Gammelfleischskandal kam ans Licht, weil ein Lkw-Fahrer die eklige Fracht erkannte und den Behörden meldete. Der Mann aus Bayern soll nun vom Landwirtschaftsministerium mit einer "Goldenen Plakette" geehrt werden.

BerlinBundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) will den Tippgeber des jüngsten Gammelfleisch-Skandals auszeichnen. Wegen des beherzten Eingreifens des Lkw-Fahrers hätten in Wertingen 11,5 Tonnen Gammelfleisch sichergestellt werden können, teilte das Agrarministerium mit. Mit seiner Zivilcourage habe der Fahrer verhindert, dass ungenießbare Lebensmittel in den Handel gelangten. Dies sei ein nachahmenswertes Beispiel. Seehofer will ihn an diesem Freitag mit einem Ehrenpreis des Ministeriums auszeichnen, der "Goldenen Plakette".

Der Fahrer hatte die Behörden auf den Skandal aufmerksam gemacht. Ihm war nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgefallen, dass das von ihm gelieferte genussuntaugliche Fleisch an einem möglichst unauffälligen Ort abgeladen werden sollte. Dort habe der Ehemann der Geschäftsführerin einer Fleischfirma in Wertingen damit begonnen, die Kennzeichnung der Waren zu entfernen. Der Fleischhändler soll allerdings bis zu 180 Tonnen Schlachtabfälle umetikettiert und an Döner-Händler nach Berlin verkauft haben. Insofern konnte der Lastwagenfahrer nur Schlimmeres verhindern.

Für besondere Verdienste oder Leistungen verleiht der Bundesagrarminister mehrfach im Jahr Plaketten in Gold, Silber oder Bronze. Dies kann nach Ministeriumsangaben für überragende Erfolge bei Wettbewerben sein, aber auch für einen Verdienst wie in diesem Fall. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann warf Seehofer unterdessen Untätigkeit vor. Mit einer Pflicht zum Einfärben von Schlachtabfällen sei der Skandal in Wertingen zu verhindern gewesen. (mit dpa)