Der Tagesspiegel : Lehrer sollen länger an Schulen bleiben

Ministerium plant Anwesenheitspflicht auch außerhalb des Unterrichts

Thorsten Metzner

Potsdam - Brandenburgs Bildungsministerium will die 24 000 Lehrer des Landes verpflichten, sich außerhalb des Unterrichts länger an den Schulen aufzuhalten. Das geht aus dem Entwurf einer Mitteilung des Ministeriums an die Staatlichen Schulämter zur „Einführung von Präsenzzeiten“ bei Lehrkräften hervor, die in den nächsten Wochen verschickt werden soll. Die Pläne werden zurzeit noch mit Personalräten und Gewerkschaften verhandelt – und dürften Ärger auslösen.

Das Bildungsministerium verspricht sich vom längeren Aufenthalt von Lehrern an den Schulen eine „Verbesserung des Schulalltags“ und will damit auch auf das schlechte Abschneiden des Landes bei der Pisa-Studie reagieren. Die längere Anwesenheit der Lehrer biete die Möglichkeit, so das Papier, „Schüler besser zu fördern“ und schaffe Raum für eine „intensivere Kommunikation“ zwischen Lehrern, Schülern und Eltern, aber auch innerhalb der Kollegien.

Vor einer pauschalen, landesweit gültigen „Einheitsanwesenheitszeit“ für Lehrer schreckt das Ministerium allerdings zurück. Zwar wäre es laut Entwurf sogar „rechtlich zulässig“, dass die Lehrer auch ihre Vor- und Nachbereitungen und Korrekturen nicht mehr zu Hause, sondern komplett in den Schulen leisten. Doch sei dies „nicht sachgerecht“, so das Ministerium.

Stattdessen sollen die einzelnen Schulleiter mit ihrem Direktionsrecht“ anordnen, welche Lehrer wie lange in den Schulen bleiben – im Rahmen ihrer Jahresarbeitszeit. Das Ministerium betont, dass die Präsenzpflicht keine Erhöhung der Lehrer-Gesamtarbeitszeit bedeutet – diese müsste wohl zusätzlich vergütet werden. Und selbst im Maximalfall – wenn die Lehrer ihre komplette Jahresarbeitszeit an der Schule verbringen müssten – handelte es sich nur um eine tägliche Anwesenheit von beispielsweise 7.30 Uhr bis 14.15 Uhr.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kündigte bereits Widerstand gegen die Pläne an, die auf eine Vorgabe des Koalitionsvertrages der SPD/CDU-Regierung zurückgehen. „Das ist der Versuch, auf dem Rücken der Lehrer Billigmodelle zur Ganztagsbetreuung zu organisieren“, so GEW-Landeschef Günther Fuchs. Schon jetzt sei die Arbeitsbelastung der Brandenburger Lehrer bundesweit die höchste, etwa bei der regulären Pflichtstunden-Zahl von 26 bis 28 Stunden. In Brandenburg gebe es zudem im Unterschied zu anderen Bundesländern bislang kaum Möglichkeiten, zusätzliche außerunterrichtliche Tätigkeiten – etwa in Arbeitsgemeinschaften – auf die Unterrichtszeit anzurechnen. Nicht ohne Grund seien Präsenzzeiten in vielen Ländern gescheitert, unter anderem in Berlin, warnt der GEW-Chef. „Das ist ein Reizthema.“ Es sei bezeichnend, dass kaum pädagogisch, sondern fast nur dienstrechtlich argumentiert werde. „So erhöht man mit Sicherheit nicht die Motivation der Lehrer.“ Präsenzpflichten dann auch noch über das Direktionsrecht der Schulleiter zu exekutieren, so Fuchs, sei „das Dümmste, was man machen kann“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben