Leichensuche in Schildow : Die Polizei schüttet die Löcher wieder zu

Seit 1997 soll im Garten einer Villa in Schildow eine Leiche vergraben sein. Exakt einen Monat lang wurde das Grundstück verwüstet – erfolglos.

Claus-Dieter Steyer
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Frühlingsarbeiten. Einen Monat lang wurde gegraben. Jetzt kommen die Gärtner und reparieren alles - auf Staatskosten. -Foto: ddp

Schildow - Kurz nach 15 Uhr machte sich der letzte Berliner Polizist von der Großbaustelle im kleinen Schildow aus dem Staub. Telefonierend stieg der Kriminalist in sein Auto und zuckte mit den Schultern. Feierabend. Und tschüss.

Seit 3. Februar hatte der Mann die Sucharbeiten nach einer Leiche im Garten eines Villenhauses im Berliner Vorort geleitet. Erfolglos wurde die Aktion am Dienstag abgebrochen. Offensichtlich hatte der Tippgeber die Polizei belogen. Denn dreimal war der Mann seit Anfang Februar mit Berliner Polizisten auf dem Grundstück, um immer wieder eine neue Stelle zu zeigen: Mal wollte er den Anfang 1997 in einer Berliner Diskothek erschossenen Türken Ahmet K. – wegen seiner stattlichen Figur „Ahmet, der Bär“ genannt – rechts vom Haus, ein anderes Mal links davon begraben haben. Dabei muss er so überzeugend geklungen haben, dass die Polizei das halbe Grundstück durchwühlen ließ.

„Der wollte vielleicht einfach mal raus aus dem Knast“, sagte nun am Dienstag ein vor der Villa als Wachposten Dienst schiebender Angehöriger der Brandenburger Polizei. „Irgendwas stimmte doch da nicht.“ So wie er zeigten sich am Dienstag auch seine Kollegen vom Ausmaß der Sucharbeiten erschrocken. Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen habe, könne es gar nicht glauben, hieß es immer wieder. Tatsächlich klafft nun auf beiden Seiten des Hauses eine große Grube. Auf der rechten Hälfte ist die gesamte Hauswand freigelegt worden. Nichts erinnert mehr an den gemütlichen Grillpavillon mit Sitzecke oder an die Wiese hinterm Haus oder die Hecke zum Nachbarn. Selbst der Gartenteich droht überzulaufen, weil Abflüsse verstopft sind.

Die Nachbarin glaubt an die Zusage der Polizei, „alle Schäden unbürokratisch und schnell auszugleichen“. Sie wolle eine Gartenbaufirma beauftragen und die Rechnung der Berliner Polizei schicken. Das muss auch der Eigentümer des Hauses machen müssen. Die Beseitigung der großen Löcher und die Wiederherstellung aller Wege dürften mehrere tausend Euro kosten, für die letztendlich der Steuerzahler aufkommen muss.

Im „Alten Backhaus“ gegenüber der Villa zog wieder Ruhe ein. „Wir haben den Umsatz unseres Lebens gemacht“, sagte Inhaberin Oksana Schwerdtfeger. Immerhin hielten sich an manchen Tagen bis zu 60 Personen an der Grube auf. Die Polizisten und Journalisten nahmen die Erweiterung des Speisenangebots dankend an. Im Hinterzimmer erinnerten sich Anwohner und Reporter noch einmal an die Höhepunkte der Leichensuche, zu denen der mehrfache Einsatz von Suchhunden und hochmoderner Bodenradargeräte gehörten. Sowohl die Hunde als auch die Technik hatten „Auffälligkeiten“ im Boden signalisiert und die Polizei immer wieder im Glauben an den Erfolg bestärkt. Am Ende bleibt zur Ehrenrettung des Tippgebers das Gerücht, wonach er die Leiche tatsächlich in der Baugrube versteckt haben könnte, diese aber nachträglich ohne sein Wissen entfernt wurde. Claus-Dieter Steyer

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