Leichtathletik : 10 000 Meter: Äthiopierin Dibaba läuft allen davon

Äthiopiens Langstrecken-Star Tirunesh Dibaba hat beim ersten Teil ihres Laufs in die Leichtathletik-Geschichtsbücher alle hinter sich gelassen. Mit dem Olympiasieg über 10 000 Meter holte sich die 22-Jährige am Freitag in Peking den letzten ihrer noch fehlenden Titel.

Mit der Weltjahresbestzeit von 29:54,68 Minuten lag Dibaba vor der für die Türkei laufenden gebürtigen Äthiopierin Elvan Abeylegesse, die in 29:56,34 Minuten einen Europarekord aufstellte. Die Vize-Weltmeisterin ist die erste türkische Leichtathleten überhaupt, die bei Olympia eine Medaille gewinnen konnte. Shalane Flanagan (USA) holte mit Nordamerika-Rekord von 30:22,22 Minuten Bronze. Bei dem superschnellen Rennen lief die Kölnerin Sabrina Mockenhaupt in persönlicher Bestzeit von 31:14,21 auf Platz 13.

„Ich bin total glücklich. Das ist ja hier kein Kindergarten“, sagte Mockenhaupt, die vor vier Jahren bei den Spielen in Athen Platz 15 belegt hatte und diesmal dank ihres Kampfeswillens sechstbeste Europäerin war. „Ich habe eine Frau nach der anderen eingesammelt. Das war nach meinem Geschmack.“

Sollte die viermalige Weltmeisterin Dibaba auch am Freitag über die 5000 Meter triumphieren, so wäre sie die erste Doppel-Olympiasiegerin über die langen Strecken. Bei erträglichen Temperaturen am späten Abend machte von Beginn an eine 14-köpfige Spitzengruppe das Tempo, dem Mockenhaupt nicht mehr folgen konnte. Nach der Hälfte der Distanz hatte die 27-Jährige bereits eine halbe Runde Abstand. Trotz einer Tempoverschärfung schaffte es die Niederländerin Tatiana Kiplagat auch nach gut 6000 Metern, einen Schluck aus der Trinkflasche zu nehmen. Vier Runden vor Schluss zogen Dibaba und Abeylegesse davon und machten das Rennen unter sich aus. Mit einem langen Schlussspurt konnte sich Dibaba dann etwas absetzen.

Vor vier Jahren hatte Dibaba, die noch kein einziges Bahnrennen über 10 000 Meter verloren hat, in Athen Olympia-Bronze über die halbe Distanz gewonnen. Anfang Juni verbesserte die Athletin aus der Region Arsi im äthiopischen Hochland beim Golden-League-Meeting in Oslo den Weltrekord um sage und schreibe 5,48 Sekunden auf 14:11,15 Minuten. Die viermalige Weltmeisterin hatte nach ihrer Titelverteidigung von Osaka im vergangenen Jahr lange pausiert. Andauernde Bauchschmerzen, die vermutlich von Rückenbeschwerden herrühren, setzten sie außer Gefecht.

Konkurrenz bekommt sie besonders aus dem eigenen Lager durch ihre Schwester Ejegayehou Dibaba, die als Olympia-14. aber diesmal nicht in die Entscheidung eingreifen konnte. Die beiden besten von sechs Dibaba-Schwestern hatten 2005 bei der WM in Helsinki als erstes Geschwisterpaar gemeinsam Medaillen im selben Wettbewerb gewonnen. Tirunesh holte den WM-Titel, Ejegayehou wurde Dritte. Im Crosslauf ist die jüngere Schwester Genzebe Junioren-Weltmeisterin bei den Junioren. (dpa)