Leichtathletik-Finale : Marathon-Gold an Kenia

In der letzten Leichtathletik-Entscheidung von Peking sicherte sich der Kenianer Samuel Kamau Wanjiru Gold im Marathon.

Als Samuel Wanjiru der Läufernation Kenia endlich das erste Olympia-Gold im Marathon der Männern beschert hatte, bekreuzigte er sich und fiel auf die Knie. Ausgerechnet der mit 21 Jahren Jüngste aus dem Trio des ostafrikanischen Landes, der zuletzt sechs Jahre in Japan lebte, setzte sich am Sonntag bei seinem erst dritten Rennen auf der klassischen 42,195-Kilometer-Strecke durch. Der Halbmarathon-Weltrekordler legte ein mörderisches Tempo vor: In der Siegeszeit von 2:06:32 Stunden lief er zum Abschluss der Leichtathletik-Wettkämpfe in Peking olympischen Rekord. „Das ist Geschichte für Kenia“, sagte Wanjiru stolz.

Silber bei dem Hitzerennen gewann mit bereits 38 Jahren der zweimalige Weltmeister Jaouad Gharib aus Marokko (2:07:16) vor Tsegay Kebede aus Äthiopien (2:10:00), der seinen Landsmann Deriba Merga auf der Runde im Nationalstadion noch überholte. Weltrekordler Haile Gebreselassie aus Äthiopien hatte wegen der schwierigen klimatischen Bedingungen auf einen Start verzichtet.

„Der sechste Platz als bester Weißer - das ist etwas, worauf ich stolz sein kann“, meinte der Schweizer Viktor Röthlin als schnellster Europäer. Der letztjährige WM-Dritte glaubte, die Taktik der Kenianer durchschaut zu haben: „Die haben Luke Kibet für die zwei anderen Kenianer geopfert. Er war der Hase.“ Nach 29 Kilometern musste der Weltmeister und frühere Gefängniswärter jedoch aufgeben: „Ich hatte große Probleme mit meinem Magen.“

Der Dritte im Bunde der Kenianer, Routinier Martin Lel (29), fühlte angesichts des nationalen Auftrags, endlich einen Olympiasieg herauszulaufen, „viel mehr Druck als sonst“ und wurde Fünfter. „Es war der Plan, von Anfang an das Tempo zu forcieren und die anderen kaputt zu laufen“, sagte der dreimalige London- und zweimalige New-York-Sieger.

Der Marktwert von Wanjiru ist mit seinem Triumph weiter in die Höhe geschnellt. Der Olympiasieger war mit 15 nach Fukuoka gezogen, weil er von Toyota eine Schulausbildung bezahlt bekam. Da er in Japan keine Trainingsgruppe mehr hat, ist er in diesem Jahr in seine Heimat zurückgekehrt. Seinen bisher größten Zahltag hatte er als Sieger beim Abu-Dhabi-Halbmarathon mit 300 000 US-Dollar. Nun sind die Straßenläufe für den Olympiasieger mit Geld gepflastert. Beim Berlin-Marathon im nächsten Jahr will er Gebreselassies Weltrekord (2:04:26) knacken. „Eine Zeit unter 2:04 ist mein nächstes Ziel“, sagte Wanjiru. Das würde ihm über 100 000 Euro einbringen. (dpa)