Leichtathletik : Gericht: DLV muss Doping durch Trainer Goldmann nachweisen

Der Gütetermin am Montag war erfolglos, der juristische Streit zwischen dem ehemaligen DDR-Trainer Werner Goldmann und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geht in die zweite Runde. Ein ehemaliger Athlet hatte Goldmann schwer belastet: Er soll ihm Anabolika verabreicht haben.

Ulrike John[dpa]

DarmstadtBeim Gütetermin am Arbeitsgericht in Darmstadt haben sich DLV und Goldmann nicht einigen können. Deshalb setzte der Vorsitzende Richter Sebastian Langendorf einen Kammertermin für den 9. April an. Dort wird der DLV unter anderem nachweisen müssen, dass der frühere Bundestrainer aus Berlin, für dessen Weiterbeschäftigung sich die komplette deutsche Werferelite stark gemacht hatte, seine Athleten gedopt hat. "Mein Mandant ist mit Leib und Seele Trainer. Deshalb möchte er als Trainer weiterarbeiten und keine Geldlösung", sagte Goldmanns Anwalt Reinhardt Kuznik.

Der DLV hatte zum 31. Dezember 2008 den Zwei-Jahres-Vertrag von Goldmann auf Anraten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht verlängert und vorsichtshalber auch gekündigt. Der 59-Jährige war erneut in die Kritik geraten, weil der ehemalige Kugelstoßer Gerd Jacobs behauptet hatte, Goldmann habe ihm in den 80er Jahren Anabolika verabreicht. Der Trainer, der 1988 Kugelstoßer Ulf Timmermann zu Olympia-Gold geführt hatte, bestreitet dies und hat vor den Olympischen Spielen in Peking die vom DOSB geforderte Ehrenerklärung unterschrieben, dass er nie etwas mit Doping zu tun hatte. Jacobs lebt heute mit einem Spenderherz und ist ein staatlich anerkanntes DDR-Dopingopfer.

Bislang hat Goldmann vor Gericht geschwiegen

"Wir haben ja ein gewisses Forum hier, Herr Goldmann: Haben Sie Herrn Jacobs nun Dopingmittel gegeben?", fragte DLV-Anwalt Georg Engelbrecht den Kläger ganz direkt. Goldmann antwortete jedoch nicht, er gab auch nach der Verhandlung keinen Kommentar ab. Richter Langendorf betonte, "dass wir hier eines nicht lösen werden: Die Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit der DDR. Es ist die Frage, wie der DLV damit umgeht. Oder man kann es sogar höher hängen und als gesellschaftliches Problem sehen."

Gegen den Coach von Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting war die Staatsanwaltschaft Berlin bereits Ende der 90er Jahre tätig, hatte die Ermittlungen jedoch gegen eine Geldauflage eingestellt. Goldmann hatte beim DLV seit 1991 insgesamt acht Verträge - zwischen einem Jahr und vier Jahren Laufzeit. Die Steiner-Kommission des DOSB unter dem Vorsitz des früheren Bundesverfassungsrichters Udo Steiner hatte dem DLV empfohlen, die Zusammenarbeit mit Goldmann zu beenden.

Diskuswerferin Dietzsch stützt den Beschuldigten

Goldmanns Schützling Harting hatte den Verband für sein Vorgehen massiv kritisiert und "einen klaren Deal" gefordert, um seine Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im August in Berlin nicht zu gefährden. In einem offenen Brief hatten sich insgesamt 20 Werfer - darunter Harting, Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch und Speerwerferin Christina Obergföll - für Goldmann eingesetzt.

DLV-Generalsekretär Frank Hensel schloss in Darmstadt nicht aus, dass es vor dem 9. April noch zu einer außergerichtlichen Einigung mit dem umstrittenen Erfolgstrainer kommt. "Wir werden uns zusammensetzen", kündigte er an. Insgesamt sieben frühere DDR-Trainer, so Hensel, seien beim DLV noch beschäftigt.