Leichtathletik : Wahnsinns-Sprung von Bayer: Mit 8,71 Meter zu Gold und Europarekord

Weitspringer Sebastian Bayer mit dem Europarekord von 8,71 Meter und Hochsprung-Ass Ariane Friedrich mit ihrem Goldflug haben den deutschen Leichtathleten bei der Hallen-EM in Turin Mut für die Freiluft-WM in Berlin gemacht.

Ulrike John[dpa]
Sebastian Bayer
Sebastian Bayer. -Foto: dpa

Turin Mit zehnmal Edelmetall verdreifachte das 38-köpfige junge Team die Bilanz von 2007 in Birmingham (4) fast und war so erfolgreich wie zuletzt 1998 in Valencia (12). "Wir haben heute verdammt viele Medaillen geholt. Das ist ein absoluter Aufwärtstrend", meinte Hochsprung-Ass Ariane Friedrich mit geballter Faust.

"Das hat sich einfach perfekt angefühlt. Ich bin sprachlos und wie von den Socken", jubelte Bayer nach seinem Coup im Oval Lingotto. "Ich habe gedacht, das sind so 8,40 - mit viel, viel Glück." Im letzten Durchgang segelte der 22 Jahre alte Bremer noch auf schier unglaubliche 8,71 Meter. Bayer übertraf damit den zehn Jahre alten Europarekord des Spaniers Yago Lamela um 15 Zentimeter und avancierte zum zweitbesten "Hallenspringer" hinter Weltrekordler Carl Lewis (USA/8,79 Meter). Auf die Frage nach dem Weltrekord fiel Bayer dann nicht mehr viel ein: "Keine Ahnung." Weit wie flog auch der Leverkusener Routinier Nils Winter mit 8,22 Meter als Zweiter.

"Das Wichtigste ist, dass wir von der bedrückten Stimmung nach Peking weggekommen sind. Die Vorbereitung auf Berlin ist erstmal gut beschritten worden", sagte der neue Bundestrainer Herbert Czingon. Der Mainzer war mit seiner optimistischen Prognose von Medaillen im zweistelligen Bereich zuvor belächelt worden. Bei der WM 2008 unterm Dach in Valencia war der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ganz leer ausgegangen, im Sommer in China hatte es nur einmal Olympia- Bronze durch Speerwerferin Christina Obergföll gegeben. Mit dreimal Gold, dreimal Silber und viermal Bronze sind die DLV-Athleten zumindest in Europa wieder konkurrenzfähig.

Internationale Numemr eins im Hochsprung: Ariane Friedrich

Die internationale Nummer eins im Hochsprung ist die in diesem Winter ungeschlagene Ariane Friedrich. Viel schneller als erwartet war sie am Sonntag ihre größte Rivalin los: Weltmeisterin Blanka Vlasic, die gemeinsam mit der Frankfurterin mit 2,05 die Weltbestenliste anführt, schied überraschend bereits bei 1,96 Meter aus. Die Kroatin haderte mit sich selbst: "Ich habe zwei schreckliche Jahre hinter mir, das ist das Resultat davon." Friedrich hatte nach ihrem Sieg mit 2,01 Meter Tränen in den Augen, als sie ihren Günter Eisinger umarmte. Den Titel widmete sie der in dieser Woche verstorbenen Mutter ihres Trainers. "Das ist Wahnsinn, das ist echt Wahnsinn", sagte sie zu ihrem ersten internationalen Titel.

Die Neubrandenburgerin Petra Lammert und die Wattenscheiderin Denise Hinrichs hatte mit Gold und Silber im Kugelstoßen den Medaillenregen eröffnet. Nachdem Titelverteidiger Danny Ecker in der Stabhochsprung-Qualifikation ausschied, machte dies am Samstag seine Leverkusener Vereinskollegin Silke Spiegelburg wett. Die 22-Jährige musste sich in Abwesenheit der Multi-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa nur der Russin Julia Golubtschikowa geschlagen geben. Zwei Wochen nach ihrem 4,71-Meter-Satz in Leipzig schraubte sie den deutschen Rekord noch auf 4,75. "Ich hab' eine Gänsehaut am ganzen Körper und bin einfach nur glücklich und platt."

Anna Battke aus Mainz holte zudem Bronze wie am Sonntag ihr Disziplinkollege Alexander Straub: Der Debütant von der LG Filstal überwand 5,76 Meter. Der Titel ging an den Franzosen Renaud Lavillenie, der als einziger 5,81 schaffte. Über Platz drei freute sich auch der Neubrandenburger Kugelstoßer Ralf Bartels. Der Freiluft-Europameister von 2006 musste nach seiner deutschen Jahresbestweite von 20,39 Meter allerdings im letzten Versuch den Franzosen Yves Niaré vorbeiziehen lassen. Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen ließ die Muskeln spielen und holte mit 21,02 Meter den Titel.