Leichtathletik-WM : ''Bild des Grauens'' beim Hitze-Marathon

Rangeleien um Wasserflaschen, ein Kreislaufkollaps nach dem anderen: Der Marathon bei der Leichtathletik-WM in Osaka geriet wie befürchtet zur mörderischen Hitzeschlacht. Die Goldmedaille ging nach Kenia.

Ulrike John
070825marathon Foto: AFP
Der Marathon in Osaka fand unter extremen Bedingungen statt. -Foto: AFP

OsakaEin Gefängniswärter aus Kenia behielt zum Auftakt der 11. Leichtathletik-Weltmeisterschaften kühlen Kopf: Luke Kibet gewann das erste Gold in 2:15:59 Stunden. Zu den 28 von 85 Teilnehmern, die aufgaben, gehörte auch Martin Beckmann von der LG Leinfelden-Echterdingen. Ulrich Steidl kam zwar als 37. in 2:30:03 ins Ziel, erlitt aber kurz danach einen Kreislaufkollaps. "Ich habe alles gegeben, die letzten 15 Kilometer waren brutal hart", sagte der Läufer vom SCC Hanau/Rodenbach.

"Die Läufer haben sich fast umgebracht"

Erst beim Interview-Marathon stieg Steidl aus, nachdem er sich übergeben musste. "Es waren brutale Bedingungen. Das sieht man auch an der Siegerzeit. Extremer als hier kann ein Marathon nicht sein", sagte Detlef Uhlemann, der Langstrecken-Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Bereits am Start um 7 Uhr hatte es 28 Grad im Schatten, danach stieg die Temperatur auf über 30 Grad bei 60 Prozent Luftfeuchtigkeit. "Die Läufer haben sich fast umgebracht, um an die Trinkflaschen zu kommen", sagte der Spanier José Manuel Martinez.

Beckmann sprach angesichts der vielen Ausfälle von einem "Bild des Grauens" an der 42,195 Kilometer langen Strecke. Auch der spanische Mitfavorit Julio Rey kapitulierte vor der Hitze. Als Zweiter lief der für Katar startende gebürtige Kenianer Mubarak Hassan Shami im Nagai-Stadion ein. Er hatte 1:19 Minuten Rückstand auf Kibet. Bronze holte der Schweizer Viktor Röthlin, der in den Katakomben bald wieder Luft für einen ausführlichen Kommentar bekam. "Als ich gesehen habe, wie die Schwarzen bleich wurden, habe ich gemerkt, dass eine Medaille möglich ist", sagte der EM-Zweite. "Sie werden es nicht glauben, aber: Diese Nacht habe ich von Bronze geträumt so wie ich letztes Jahr in Göteborg von Silber geträumt habe."

Beckmann: Schon nach einem Kilometer schweißgebadet

Geplatzt sind hingegen die Träume von Beckmann, der nur bis Kilometer 30 kam. "Ich hatte muskuläre Probleme, weil ich mit dem Trinken nicht mehr nachkam", sagte er. "Ich habe noch nie erlebt, dass man schon nach einem Kilometer schweißgebadet ist. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit schwitzt man nicht so und der Körper kühlt kaum ab", sagte er.

Steidl kämpfte sich bei seinem internationalen Debüt dennoch durch, ehe er ins medizinische Zentrum des Stadions gebracht werden musste. "Uli Steidl hat unwahrscheinlich viel Flüssigkeit verloren und im Ziel dann relativ schnell relativ viel getrunken. Danach musste er sich mehrfach übergeben und sein Kreislauf ist zusammengebrochen", erklärte später der deutsche Mannschaftsarzt Uwe Wegner. "Wir haben ihm Infusionen gegeben, und jetzt geht es ihm wieder wesentlich besser."

Weltmeister Kibet: "Wir waren auf diese Bedingungen vorbereitet"

Hingegen verkraftete der neue Weltmeister Kibet die Hitze anscheinend gut. "Das war nicht der härteste Marathon meiner Karriere. Wir waren auf diese Bedingungen vorbereitet", sagte der 24-Jährige vom Stamm der Kalenjin. "Das war mein achter Marathon und ich bin stolz, für mein Land Gold gewonnen zu haben." Das nötige Selbstvertrauen hatte er als Sieger beim diesjährigen Wien-Marathon getankt - nachdem er bei den kenianischen Gefängnis-Meisterschaften im Cross nur Vierter geworden war.