Leichtathletik-WM : Franka Dietzschs tränenreicher Jubel

Franka Dietzsch hat den dritten WM-Titel ihrer Karriere gewonnen. Bei der Siegerehrung konnte sie die Tränen nicht zurückhalten.

Franka Dietzsch Foto: AFP
Franka Dietzsch auf der Ehrenrunde in Osaka. -Foto: AFP

OsakaAls Franka Dietzsch zum dritten Mal bei einer Weltmeisterschaft die deutsche Fahne hochhielt, da kullerten erstmals Tränen über ihr braun gebranntes Gesicht. Und auch bei der Siegerehrung im Nagai-Stadion von Osaka schluchzte die Grande Dame des Diskuswerfens vor lauter Glück. "Dieses Jahr war irgendwie alles anders. Wegen der Schmerzen und weil ich mir nicht sicher war", sagte sie später und fiel ihrem Trainer Dieter Kollark in die Arme. Wegen einer Achillessehnenverletzung hat die 39-Jährige bei ihrer neunten WM-Teilnahme die Zähne zusammenbeißen müssen - ehe sie ihr schönstes Lächeln zeigte.

"Die Verletzung ist wieder aufgebrochen, sie hatte Angst, dass die Sehne reißt", erklärte Kollark. Dietzsch musste von Mannschaftsarzt Uwe Wegner fitgespritzt werden. Danach verpasste die 39 Jahre alte Dietzsch ihren Konkurrentinnen die Nadelstiche. "Das macht schon Spaß, wenn man im ersten Versuch gleich die anderen schockt", frohlockte die Neubrandenburgerin nach ihrem furiosen Auftritt.

Revanche geglückt

Wie vor zwei Jahren in Helsinki war die zehnmalige deutsche Meisterin als erste der Medaillenkandidatinnen dran - und machte nach den 66,61 Metern einen Freudensprung. "Gewonnen hat sie noch nicht", bremste ihr Trainer auf der Tribüne die Euphorie in der deutschen Delegation. Ihre Konkurrentinnen machten da schon lange Gesichter, auch Darja Pischalnikowa: Die damals 21-Jährige hatte Dietzsch im vergangenen Jahr bei der EM in Göteborg Gold weggeschnappt. Das nagte den ganzen Winter an der Bankkauffrau. Doch dieses Mal reichte der Russin sogar die persönliche Bestleistung von 65,78 Metern nur zu Silber. "Zwischendurch kamen schon welche und haben mir gratuliert", erzählte Dietzsch später. "Da hab' ich gesagt: Ne, ne, lasst mal."

Dabei hatte die Favoritin noch im Trainingslager in Kienbaum bei Berlin überlegt, ihre neunte WM-Teilnahme "einfach abzusagen". Sie konnte nur aus dem Stand werfen und Fahrrad fahren. "1997 war sie auch schon Favoritin, und wir haben ihr den Fuß angespritzt. Da hat sie nur 40 Meter geworfen. Deshalb war das heute ein Zitterspiel", sagte Kollark. Seit mehr als sieben Jahren plagt sie sich mit der Verletzung herum - und schleudert die ein Kilo schwere und 18 Zentimeter große Scheibe immer noch wie eine junges Talent aus dem Käfig. "Seit 23 Jahren wirft sie jetzt über 60 Meter", betonte ihr Erfolgscoach stolz.

Olympia 2008 im Blick

Mit ihren drei WM-Titeln hat Dietzsch nun mit ihrer früheren Trainingspartnerin Astrid Kumbernuss gleichgezogen. Die frühere Lebensgefährten Kollarks und Kugelstoßerin hat ihr allerdings einen Olympiasieg voraus. "Oh, je. Das schaffe ich nicht mehr. Für mich ist Olympia immer ein bisschen schwer. Aber für mich ist der WM-Titel genauso viel wert", meinte Dietzsch, die 1996 in Atlanta Vierte, 2000 in Sydney Sechste war und 2004 in Athen in der Qualifikation hängen blieb.

In Peking 2008 will sie dennoch wieder ihr Glück versuchen - und auf die Wirkung ihrer Maskottchen hoffen. Dieses Mal halfen ein kleiner Igel und Biber aus Plüsch sowie ein Mini-Bär aus Plastik. Die packte sie nach ihrem letzten Interview wieder in ihren Rucksack und verschwand fröhlich winkend. "In meinem Kühlschrank im Hotel steht ein kühler Wein." (mit dpa)