Leichtathletik-WM : Obergföll nach Zitterpartie im Finale

Der fünfte Wettkampftag bei der Leichtathletik-WM im japanischen Osaka bescherte dem DLV durch Diskuswerferin Franka Dietzsch die erste Goldmedaille. Titelhoffnung Christina Obergföll musste um den Finaleinzug im Speerwurf bangen.

Speer
Speerwurf-Qualifikation: Die Leiden von Goldhoffnung Christina Obergföll. -Foto: dpa

OsakaDie Scheibe der Franka Dietzsch wurde zum dritten Mal in der Geschichte der Leichtathletik-Weltmeisterschaften zum goldenen Hit. Die wegen Problemen an der Achillessehne mit schmerzstillender Spritze gestartete Neubrandenburgerin setzte am fünften WM-Tag von Osaka mit dem ersten Wurf von 66,61 m die Konkurrenz matt und machte den Medaillensatz für Deutschlands Leichtathleten komplett. Silber hatte am Vortag ebenfalls im Diskusring überraschend Robert Harting (SCC Berlin) geholt, Bronze im Kugelstoßen Nadine Kleinert (Magdeburg).

Die heimlichen Hoffnungen auf eine Gold-Doublette, wie sie 2001 in Edmonton Kanada im Diskuswurf (Lars Riedel) und Hochsprung (Martin Buß) an einem Abend gelungen war, zerplatzten früh für den in diesem Jahr auf 2,34 m verbesserten Europacupsieger Eike Onnen. Der Hannoveraner streckte bei 2,26 m die Waffen und landete auf Rang sieben in einem hochkarätigen Wettkampf, in dem neben Sieger Donald Thomas (Bahamas) auch Jaroslaw Rybakow (Russland) und sensationell der Zypriote Kyriakos Joannou 2,35 m meisterten. Onnen: "Alle haben mehr erhofft, auch ich. Für meinen ersten WM-Auftritt war das okay."

Britischer Doppeltriumph über 400 m

Sensationell gab es nach dem Scheitern von Sanya Richards (USA) bei den US-Trials einen britischen Doppeltriumph über 400 m. Die bis 5. August wegen Versäumens von drei Doping-Kontrollen im Jahr 2006 gesperrte Christine Ohuruogu, Kind nigerianischer Eltern, siegte in 49,61 Sekunden vor Hallen-Europameisterin Nicola Sanders (49,65). Über 1500 m feierte der in Kenia geborene Bernard Lagat in 3:34,77 Minuten den ersten US-Triumph der Disziplin bei einer WM und verhinderte den erneuten Erfolg von Helsinki-Doppelsieger Rashid Ramzi (Bahrain). Über 100 m Hürden wiederholte Michelle Perry mit dem fünften US-Gold in 12,46 Sekunden ihren Triumph von 2005.

"Ich habe bis zum letzten Wurf gezittert. Jetzt bin ich einfach nur glücklich. Ich ziehe das durch bis Olympia", erklärte Franka Dietzsch, die zuletzt den Ansturm der russischen Europameisterin Darja Pischtschalnikowa (65,79m) Stand halten musste. Als der Wurf der 2006 bei der EM von Helsinki über Dietzsch siegreichen Rivalin zu kurz geraten war, sprang die 39-Jährige vor Freude wie eine Gummipuppe auf dem Rasen umher, nahm die Deutschland-Fahne in die Hand und ließ den Tränen wie später bei der Siegerehrung freien Lauf.

Zugleich verschönte sie die Bilanz von Dieter Kollark, der nun mit elf Goldmedaillen bei Olympia (1), Freiluft-WM (6), Hallen-WM (2) und Europameisterschaften (2) erfolgreichster deutscher Leichtathletik-Trainer nach der Wende ist.

Obergföll nach Zitterpartie im Finale

Goldhoffnung Christina Obergföll erreichte erst nach über einstündigem Bangen das Speerwurf-Finale, zu dem am Freitag (20:40/13:40 Uhr MESZ) auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Nagai-Stadion kommen wird. Mit im zweiten Versuch erzielten 60,77 m verfehlte die Europarekordlerin (70,20 m) im mit Abstand schlechtesten Saisonwettkampf als Neunte die nur von sieben Athletinnen übertroffene Qualifikationsweite von 61,00 m und kam als eine von fünf Nachrückern ins Finale der zwölf Besten.

"Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass mir sowas passiert. Aber Freitag werden die Karten neu gemischt. Ich bin so heiß, das kann sich kein Mensch vorstellen", meinte die WM-Zweite von Helsinki 2005. Problemlos ins Finale kamen Europameisterin Steffi Nerius mit 61,89 m als Sechste und sogar als Vierte ihre Leverkusener Klubkameradin Linda Stahl mit Steigerung ihres deutschen U23-Rekordes um 63 Zentimeter auf 62,80 m. "Es war kein guter Wettkampf. Ich war mit dem Kopf schon beim Finale", meinte Nerius. Ganz groß trumpfte Christian Reif (Ludwigshafen) auf, der als viertbester Weitspringer seine Bestmarke um elf Zentimeter auf 8,19 m steigerte und im Finale am Donnerstag in die Nähe der Medaillen springen will.

Auf dem Weg zum zweiten Gold sprintete 100-m-Weltmeister Tyson Gay (USA) in 20,00 Sekunden trotz angezogener Handbremse als Schnellster ins Finale. (mit sid)