Der Tagesspiegel : Leistungsgerechtes Unentschieden

Wie kann ein Bauherr prüfen, ob die Honorarangebote von Architekten zu hoch oder zu niedrig sind?

WAS STEHT INS HAUS?

Wir sind eine Bauherrengemeinschaft und planen ein Mehrfamilienhaus, in dem die sechs Wohnungen der beteiligten Familien Platz finden sollen. Für die Planung benötigen wir einen Architekten. Wir haben eine kleine Ausschreibung für die Architektenleistungen gemacht und uns liegen nun drei Honorarangebote von den Architekten vor. Wir sind darüber erstaunt, dass die Honorare sich nahezu um das Doppelte unterscheiden und sind nun unschlüssig, wie wir entscheiden sollen. Nach welchen Kriterien prüft man ein Honorarangebot und welches Risiko verbirgt sich dahinter?

WAS STEHT IM GESETZ?

Die Grundlage der Honorarberechnung für die Planung von Gebäuden durch einen Architekten ist die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI genannt. Das Honorar ermittelt sich vorrangig nach dem Schwierigkeitsgrad des zu errichtenden Gebäudes und nach der Höhe der zu erwartenden Baukosten. Die Planung unterteilt sich in neun Leistungsphasen, beginnend von der Grundlagenermittlung über Genehmigungs- und Ausführungsplanung bis hin zu Bauüberwachung sowie der Objektbetreuung. Die Leistungsphasen haben je nach Schwierigkeit und Haftungsrisiko des Architekten einen unterschiedlichen Anteil am Gesamthonorar. Für ein angemessenes Angebot muss der Architekt die zu erwartenden Baukosten abschätzen. Unterschiedliche Baukostenansätze können zu erheblichen Honorarunterschieden führen. Prüfen Sie auch die Honorarsätze, da Angebote von Mindest- bis Höchstsatz möglich sind. Eine Unterschreitung des Mindesthonorars darf der Architekt Ihnen nicht anbieten, da er sonst gegen die Honorarordnung verstößt. Sollte er es dennoch tun und Sie einen finanziellen Vorteil wittern, seien Sie hier vorsichtig, weil der Architekt nach der HOAI (Stand 2009) und der geltenden Rechtsprechung auch nach Vertragsabschluss ein Mindesthonorar nach den Tabellensätzen und auch bei zu geringer Vorgabe ihrer Baukostengröße bei tatsächlich notwendiger Überschreitung eine Honoraranpassung verlangen kann, die ihm auch gesetzlich zusteht.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Um verschiedene Honorarangebote von Architekten vergleichen zu können, sollte man ein Grundwissen über die Honorarbildung nach der HOAI besitzen. Hilfreich ist es, bei Vorlage des Honorarangebots sich sowohl die Honorarbildung als auch die darin enthaltenen Leistungen erläutern zu lassen. Sind Honoraranteile reduziert oder gar weggelassen, bedeutet dies auch eine reduzierte Erfüllung von Planungsleistungen, die unter Umständen im späteren Bauprozess erforderlich sind. Fehlende Planungen können zu Baufehlern führen. Das vielleicht ersparte Honorar muss dann im Zuge einer Mangelbeseitigung häufig später wesentlich höher „nachbezahlt“ werden. Bei Honorarstreitigkeiten empfiehlt es sich, einen Sachverständigen für Honorare zu befragen. Die IHK kann Ihnen Sachverständige für dieses Spezialgebiet benennen.

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