Der Tagesspiegel : Leiter eines Jugendclubs unter Missbrauchsverdacht

Einschlägig verurteilter Mann arbeitete fünf Jahre bei der Einrichtung in Velten Nach Ermittlungen wegen Kinderpornografie wurde er jetzt verhaftet

Tanja Buntrock,Peter Tiede

Velten/Berlin - Er soll einen Jungen sexuell missbraucht haben. Und er war Leiter eines Jugendclubs in Velten. Jetzt sitzt Michael W. in Untersuchungshaft. Am Mittwoch war der 42-jährige Berliner festgenommen worden. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs gegen den einschlägig bekannten Tatverdächtigen. Zudem wird gegen Michael W. wegen Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Dies bestätigte gestern der Berliner Justizsprecher Michael Grunwald.

Nach Tagesspiegel-Informationen soll Michael W. vor etwa sechs Jahren einen damals 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht haben. Bei den jetzigen die Ermittlungen zu den Kinderpornos sind die Ermittler offenbar auf das damalige Opfer gestoßen, das nun sein Schweigen gebrochen hat. Der Haftbefehl, der gegen Michael W. erlassen wurde, habe allerdings nichts mit der Arbeit im Jugendclub zu tun, sagte Justizsprecher Grunwald. Das geschädigte Kind sei kein Besucher der Veltener Einrichtung gewesen. Ob W. auch andere Fälle angelastet werden, sei noch unklar, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die Ermittlungen gegen W. laufen seit Mai. In Velten waren bereits Gerüchte aufgekommen, nachdem W. seine fünfjährige Tätigkeit in dem Jugendclub Ende Juni abrupt beendet hatte. Über die Gründe für die Kündigung schwieg sich die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Betreiberin des Clubs aus. Auch gestern gab es keinen Kommentar. Die Stadt Velten verweigerte gestern ebenfalls die Auskunft über Michael W.

Unklar ist vor allem, wie Michael W. überhaupt vor fünf Jahren an die Stelle des Jugendheim-Leiters gelangen konnte. Bereits 1998 war der Berliner zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen verurteilt worden. Damals gab es nach Tagesspiegel-Informationen auch die Bewährungsauflage, dass er Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu meiden habe. Doch mit dem Ablauf der Bewährungsstrafe galten auch die Auflagen nicht mehr. Und erst im Jahr 2001 begann W. seine Tätigkeit als Leiter des Jugendclubs. Erst seit kurzem müssen sich die Arbeitgeber im Kinder- und Jugendbereich bei Neueinstellungen die Führungszeugnisse von Bewerbern vorlegen lassen. Als W. in Velten eingestellt wurde, galt diese Pflicht zwar noch nicht – aber viele Arbeitgeber taten es trotzdem. Wie die AWO Oberhavelland verfuhr, blieb gestern ebenfalls unbeantwortet.

War W.’s Vorleben bei seiner Einstellung in Velten auch nicht bekannt, so gab es doch im Jahre 2002 erste Hinweise. Damals wurde gegen W. wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Jungen ermittelt. Die Ermittlungen wurden zwar mangels Beweisen eingestellt – aber verborgen blieb der Fakt nicht. „Wir haben davon gehört“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter der AWO. Doch da W. nichts nachgewiesen werden konnte, blieb er Chef des Jugendclubs und konnte weiterhin regelmäßig mit den Jugendlichen in die Saunalandschaft ins nahe Oranienburg fahren. Selbst im Hochsommer, bei 30 Grad Celsius, ging der Betreuer mit den Kindern nach Angaben von Mitarbeitern des Jugendclubs schwitzen.

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