Lenzen-Wechsel : Die FU macht Dampf

Der Akademische Senat der Freien Universität hat es in seiner Sondersitzung am Montag vermieden, ein Scherbengericht über den Präsidenten Dieter Lenzen zu halten.

Uwe Schlicht

Die Anträge, die von der Studentin Sarah Walz und der Vertreterin der sonstigen Mitarbeiter Ingrid Pahlen-Brandt eingebracht wurden, liefen noch auf eine Rücktrittsforderung hinaus.

Man müsse jetzt durch den Wechsel im Amt die Phase einer neuen Demokratisierung der FU einleiten, sagte die Studentin. Pahlen-Brandt kritisierte den Schwebezustand, der dadurch entstanden sei, dass Lenzen zwar zum Präsidenten in Hamburg gewählt worden sei, aber die Annahme der Wahl noch nicht erklärt habe. Für die FU entstehe ein Schaden, wenn Lenzen auch noch seinen ganzen Mitarbeiterstab mit nach Hamburg nehmen wolle. Öffentlich werde bereits diskutiert, dass Lenzen wechseln wolle, weil er für die FU im Exzellenzwettbewerb keine Chancen mehr sehe.

Auf Seite der Professoren hatten solche Schärfen keine Chance. Die Informatikerin Elfriede Fehr und Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting lobten die Verdienste Lenzens. Schäfer-Korting sagte, der Akademische Senat sei für Rücktrittsforderungen nicht zuständig sei. In der Grundordnung der FU sei kein Abwahlrecht gegen den Präsidenten vorgesehen. Sie erwarte, dass Lenzen von sich aus alles tun werde, um die Phase der Unsicherheit möglichst kurz zu halten.

Lenzen habe das Recht, erst die Voraussetzung für die Übernahme des Präsidentenamtes in Hamburg zu klären, sagte auch der Vorsitzende des FU-Kuratoriums, Hans-Uwe Erichsen. Er erwarte, dass Lenzen noch bis Jahresende eine klare Entscheidung treffen werde. Da aber das Wohl der FU die oberste Maxime des Kuratoriumsvorsitzenden sei, werde er dem Kuratorium einen Vorsorgebeschluss empfehlen. Das Kuratorium, das am Mittwoch tagt, könne beschließen, alle Verfahren zur Wahl des Präsidenten und der Vizepräsidenten einzuleiten, sobald eine eindeutige Erklärung von Lenzen vorliege. Dann würden die Ämter ausgeschrieben und eine Findungskommission eingesetzt. Erichsen begründete die Eile mit der Exzellenzinitiative. Die neue Leitung müsse die Anträge für die nächste Runde steuern können.

Der Akademische Senat unterstützte dieses Vorgehen mit 20 gegen zwei Stimmen und sprach die Bitte aus, Lenzen solle sich schnellstmöglich entscheiden.

Auf Anfrage teilte Lenzen dem Tagesspiegel mit: „Der Präsident begrüßt die Entschließung des Akademischen Senats zur Sicherung der Kontinuität. Die Entschließung beweist, dass jede Sorge unberechtigt ist, die Freie Universität könnte handlungsunfähig werden. Seine Entscheidung wird der Präsident selbstverständlich sofort bekanntgeben, wenn sie getroffen ist.“

Vermutlich wird der kommende Präsident oder die kommende Präsidentin wieder aus den Reihen der FU kommen. Unter den bisher diskutierten fünf Namen soll sich kein Auswärtiger finden. Uwe Schlicht

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