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Verlorene Seele am Golf

Immer neue Wolkenkratzer entstehen, Sieben- Sterne-Hotels und künstliche Inseln im Meer. Die Staaten am Persischen Golf haben viel Geld. Aber, haben sie auch Seele? Herausgeber Reinhard Laszig hat für sein Buch jetzt alte und neue Texte zusammengetragen, die eine Annäherung ermöglichen. „Den Orient“ werden Besucher in Dubai, Kuwait-City oder Abu Dhabi kaum finden. Michael Lüders, lange Nahost-Korrespondent der „Zeit“, beschreibt am Golf „Städte ohne Fußgänger und Flaneure, Städte der großen Autos und breiten Straßen“. Und doch gelten arabische Traditionen auch hier, existiert ein anderer Zeitbegriff, werden Höflichkeitsrituale fast poetisch zelebriert. Während frühe Reisende wie Carsten Niebuhr und Gertrude Bell faszinierte, was sie in der Region sahen, problematisieren Europäer heute die Entwicklungen. Auch im Land gab und gibt es kritische Stimmen. Jene von Abdalrachman Munif etwa, der die Konfrontation der westlichen und arabischen Mentalität beschreibt. Mehr Texte von arabischen Autoren hätte man sich gewünscht. Vorherrschend im Buch ist aber der Blick durch die europäische Brille. So bleibt Arabiens Wirklichkeit verschwommen. kai









— Reinhard Laszig (Herausgeber):
Golfstaaten. Ein Reiselesebuch. Ellert & Richter Verlag, 2008, 144 Seiten, 12,95 Euro

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