Leserdebatte : Was halten Sie von der Sperrung am Griebnitzsee?

20 Jahre nach dem Mauerfall ist der ehemalige Kolonnenweg am Griebnitzsee wieder Sperrgebiet. Die Anwohner haben Ernst gemacht und die Strecke geschlossen. Was halten Sie davon? Wie sollte die Stadt reagieren?

Jan Brunzlow
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Lassen sich Spaziergänger, Jogger und Radfahrer die Aussperrung gefallen? -Foto: Andreas Klaer

Potsdam20 Jahre nach dem Mauerfall ist der ehemalige Kolonnenweg am Griebnitzsee wieder Sperrgebiet. Die Eigentümer der Grundstücke haben am Samstagmorgen damit begonnen, den Weg mit Bauzäunen zu sperren oder mit Koniferen einen grünen Zaun zu pflanzen. Damit droht der Weg für die nächsten Monate – oder Jahre – für die Öffentlichkeit geschlossen zu bleiben. Während Christoph Partsch, der Rechtsanwalt der Seeanrainer, gestern Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs für die Eskalation verantwortlich machte, bedauerten Jakobs und auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) die Zuspitzung des Konfliktes. Jakobs rief zur Besonnenheit auf und erklärte: „Wenn der Wille zu Verhandlungen nicht besteht, bleibt nur das gesetzlich vorgesehene hoheitliche Vorgehen: die Einleitung von Enteignungsverfahren.“

Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Kommunalpolitiker reagierten entsetzt auf die Sperren. „So entstehen Revolutionen“, sagte Diethild Grün aus Potsdam. Sie wünsche sich, dass ein Ruck durch die Bürgerschaft gehe und „die sich nicht alles gefallen lässt“. Eine Sammelaktion, damit die Stadt die Grundstücke kaufen kann, würde sie gut finden. Andere Besucher sind hingegen stinksauer auf die Eigentümer. Worte wie „asozial“ fielen. Oder: „Jetzt fehlt nur noch die Schießanlage hier“, wie es Dietmar Kringel sagte. Verständnis? Das hatte hier keiner.

Nur die Stichwege aus der Virchowstraße zum See hinunter sind noch begehbar, die Wege vor den Villen zum Großteil gesperrt. Dennoch, bis zum Abend blieb es ruhig. Weder Polizei noch Ordnungskräfte waren zu sehen.

Bei Familie Gottschald versperren nun Koniferen den Weg. Sie sind eine der Eigentümer, die seit langem für ihre Rechte kämpfen. Und sie gehörten bereits im Oktober 2007 zu jenen, die Flatterbänder und Wachschutz aufstellen ließen und den Uferweg sperrten. Damals rückte die Stadt mit Rechtsanwälten und Ordnungsamt an, 2005 ließ sie die Sperren der Anwohner sogar mit Baggern abreißen. Am Samstagmorgen lief einzig Potsdams oberster Bauplaner Andreas Goetzmann mit einer Kamera und Stift umher, um die Sperrung zu dokumentieren.

Die Position der Stadt im Streit um den Uferweg ist deutlich geschwächt, seit das Oberverwaltungsgericht am 2. April in acht Fällen gegen die Stadt und für die Eigentümer entschieden hat. Die Richter haben erklärt, dass es keine Betretungsrechte für die Öffentlichkeit auf den Privatgrundstücken am See gebe – obwohl dort seit Jahren ein Weg entlangführt. Daraufhin hatte Jakobs die Eigentümer zu einem Gespräch ins Rathaus gebeten. Der Einladung war mit Rechtsanwalt Partsch am Freitag nur ein Grundstückseigentümer gefolgt. „Der Oberbürgermeister war nicht bereit, die höchstrichterliche Rechtsprechung  zu akzeptieren“, resümiert der danach – keine 24 Stunden später ist der Uferweg gesperrt.

SPD und Linke haben gefordert, nun die Bürger zu befragen, ob die Stadt den Konflikt bis hin zur Enteignung treiben soll. Ein Wort, das man am Griebnitzsee nicht gerne hört. Partsch sagt daher, man werde sich mit allen Mitteln wehren. Das Sperrgebiet der DDR an dieser Stelle hatte übrigens 28 Jahre Bestand.

Was denken Sie? Sollte die Stadt mit der Enteignung drohen? Sind die Anwohner im Recht? Nutzen Sie die Kommentarfunktion, sagen Sie uns Ihre Meinung.

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