Der Tagesspiegel : Letzte Chance: Eine Operation in Deutschland

Sandra Dassler

Es war ein Sommer voller Glück. Bis zu dem Augenblick, als Nataliya stolperte und Rückenschmerzen bekam, die immer heftiger wurden. Der Arzt diagnostizierte bei der 31-Jährigen ein Plasmocytom - eine bösartige Wucherung von Plasmazellen im Knochenmark mit einhergehender Wirbelfraktur. Wenig später konnte Nataliya ihre Beine nicht mehr bewegen. Querschnittslähmung. Eine Notoperation verhinderte in letzter Minute, dass die junge Frau für den Rest ihres Lebens im Rollstuhl sitzen muss. Aber ihr Leben hängt am seidenen Faden.

Hans-Jürgen Schulz aus Lieskau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz lernte Nataliya bei einer seiner Reisen als Handelsvertreter kennen. Die junge Ukrainerin beeindruckte den 45-Jährigen, irgendwann wurde aus der Sympathie dann Liebe. Es dauerte eine Weile, bis alle Formalitäten für einen Besuch in Deutschland geklärt waren - ein paar Wochen sollte er dauern. Länger wollte Nataliya ihre Kinder, die in dieser Zeit bei den Großeltern lebten, nicht allein lassen. Doch die heimtückische Krankheit verhinderte eine Rückreise. Auch Weihnachten wird Nataliya ohne ihre Kinder verbringen müssen. "Natürlich hätten wir sie nach Deutschland holen können", sagt Hans-Jürgen Schulz, "aber wir brauchen jeden Pfennig. Vielleicht bekommen wir ja doch noch genug Geld zusammen, um Nataliyas Leben zu retten."

Das Problem: Bis heute ist keine Krankenversicherung bereit, die Kosten für die Behandlung der jungen Frau zu übernehmen. Die Krankheit selbst ist nicht heilbar, bei einer normalen Chemotherapie liegt die mittlere Lebenserwartung vom Zeitpunkt der Diagnose an zwischen zwei und drei Jahren. Für jüngere Patienten aber besteht seit einigen Jahren Hoffnung auf eine Verlängerung der Lebenszeit um Jahrzehnte. Eine Hochdosistherapie - die es in der Ukraine noch nicht gibt - mit anschließender Stammzellentransplantation könnte Nataliyas Leben retten. Die Kosten dafür betragen etwa 150 000 Mark.

Hans-Jürgen Schulz hat Spendenaufrufe gedruckt und verteilt, hat sich an Vereine und an die Medien gewandt. Viele halfen, mehr als 20 000 Mark kamen bislang jedoch nicht zusammen. Aber der Mann aus der Lausitz will nicht aufgeben: "Ich liebe Nataliya, vielleicht finden wir doch noch einen Weg. Es kann doch nicht sein, dass das Geld darüber entscheidet, ob sie leben darf oder nicht."

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