Libyen : Bulgarische Krankenschwestern frei und begnadigt

Nach acht Jahren Haft in Libyen sind die bulgarischen Krankenschwestern und ein Arzt endlich in Freiheit. Am Morgen landeten sie sicher in Sofia. Die EU-Kommission stellte Libyen im Gegenzug eine Normalisierung der Beziehungen in Aussicht.

Tripolis/SofiaUnmittelbar nach ihrer Rückkehr aus Libyen sind die fünf bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt am Flughafen von Sofia begnadigt worden. Staatspräsident Georgi Parwanow unterzeichnete einen entsprechenden Erlass. Dabei sei der bulgarische Staatspräsident von deren Unschuld ausgegangen. In Libyen war den sechs vorgeworfen worden, sie hätten mehr als 400 Kinder absichtlich mit dem Aids-Virus infiziert, was Experten widerlegt hatten.

Die Frauen und der Arzt, der inzwischen auch bulgarischer Staatsbürger ist, waren zuvor von ihren Verwandten und bulgarischen Regierungsvertretern am Flughafen von in Sofia begrüßt worden. Sie wurden von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und der Frau des französischen Präsidenten, Cécilia Sarkozy, von Tripolis nach Sofia begleitet worden.

Ferrero-Waldner betonte, die Rückkehr der Frauen nach Bulgarien sei durch die "gemeinsamen Bemühungen" der Europäischen Union ermöglicht worden. Die EU-Kommission stellte Libyen eine Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen in Aussicht. "Jetzt sind die Bedingungen für verbesserte Beziehungen geschaffen", sagte EU-Kommissionpräsident José Manuel Barroso. Das habe er dem libyschen Staatschef Muammar Al Gaddafi am Montag in einem langen Telefonat mitgeteilt. "Es ist für uns alle in Europa ein Moment der Erleichterung und der Freude", sagte Barroso.

Memorandum unterzeichnet

Die Freilassung wurde nach Barrosos Angaben möglich, nachdem EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner mit den libyschen Behörden in der Nacht zu Dienstag ein Memorandum unterzeichnete. Die Details dieses Abkommens wollte die EU-Kommission im Laufe des Tages offenlegen. Barroso sagte dazu, die EU-Kommission wolle die an Aids erkrankten Kinder und ihre Familien weiter unterstützen. Eine Aufstockung finanzieller Hilfen sei aber nicht vorgesehen.

Dagegen sagte das Emirat Katar nach Barrosos Angaben eine "zusätzliche humanitäre Hilfe" zu. Der Beitrag Katars sei "sehr wichtig" gewesen, sagte der Kommissionspräsident, ohne Details zu nennen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und er selbst hätten Katar an den "extrem schwierigen" Verhandlungen beteiligt, da der Staat Libyen wie der EU nahestehe.

Sarkozys im Einsatz

Einen besonderen Dank sprach Barroso Sarkozy und seiner Frau Cécilia aus, die in den vergangenen Tagen gemeinsam mit Ferrero-Waldner Gespräche in Libyen geführt hatte. "Das persönliche Engagement des französischen Präsidenten und seiner Frau war unverzichtbar", unterstrich Barroso. Sarkozy und er hätten im ständigen Kontakt gestanden. Aber auch der portugiesische EU-Vorsitz und die vorausgehende deutsche Ratspräsidentschaft hätten "bemerkenswerte Anstrengungen" unternommen.

Die Beziehungen der EU zu Libyen sind seit dem Attentat bei Lockerbie stark eingeschränkt. Bei der Explosion einer Pan-Am-Maschine über der schottischen Ortschaft kamen 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben. Libyen übernahm 2003 offiziell die Verantwortung für den Anschlag, an dem ehemalige Geheimdienstmitarbeiter beteiligt waren. (mit dpa/AFP)