Libyen : EU sieht Ausweg für verurteilte Krankenschwestern

Einen Tag nachdem die Todesurteile gegen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen Arzt bestätigt wurden, hat sich die EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner vorsichtig optimistisch gezeigt.

Brüssel/ParisEinen Tag nach der Bestätigung des Todesurteils gegen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen Arzt hat sich EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner vorsichtig optimistisch gezeigt. Sie habe mit den zuständigen Stellen in Libyen über den Fall gesprochen, sagte sie. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy teilte mit, seine Frau Cécilia sei in Tripolis mit den Verurteilten zusammengetroffen. Sie werde auch mit dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi sprechen, sagte Sarkozy nach französischen Medienberichten am Donnerstag in Epinal.

Den Krankenschwestern und dem Arzt wird vorgeworfen, 400 libysche Kinder vorsätzlich mit dem Aids-Virus infiziert zu haben. Experten führen die Infektionen in dem Kinderkrankenhaus in Bengasi auf die schlechte Hygiene zurück. Am Mittwoch hatte der Oberste Gerichtshof Libyens die Todesurteile gegen die sechs Angeklagten bestätigt. Damit wurde nach sieben Jahren das Verfahren abgeschlossen, das andernfalls möglicherweise erneut hätte aufgerollt werden müssen.

Bratungen am Montag

Für Montag hat der Oberste Richterrat Libyens Beratungen angesetzt. Das Gremium könnte auch über eine Begnadigung der Angeklagten entscheiden. Vertreter der EU sollen sich seit Monaten hinter den Kulissen um eine gesichtswahrende politische Lösung bemühen, die auch den Angehörigen der rund 400 AIDS-Kinder Genüge tut. Nach Angagen der Gaddafi-Stiftung, die schon mehrfach in Konflikten vermittelt hat, soll eine Vereinbarung mit den Betroffenen ausgehandelt worden sein.

Für Cécilia Sarkozy ist es der erste internationale Auftritt als Präsidentengattin seit der Amtsübernahme ihres Mannes, dem sie in seiner bisherigen Karriere eng zur Seite gestanden hat. (mit dpa)