Libyen : Misshandlungen und Folter: Haft war die "Hölle auf Erden"

Sechs bulgarische Krankenschwestern und ein Arzt waren zum Tode verurteilt worden, weil sie angeblich libysche Kinder absichtlich mit dem Aids-Virus infiziert hätten. Im Juli kamen sie auf Drängen des französischen Präsidenten Sarkozy frei.

ParisDie vor gut drei Monaten befreiten bulgarischen Krankenschwestern haben ihre jahrelange Gefangenschaft in Libyen als "die Hölle auf Erden" erlebt. Sie habe mit ansehen müssen, wie auch Libyer gefoltert wurden, sagte Nassja Nenowa vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Frankreich. "Die Polizei hat Menschen mit einem Hund gefoltert, der gebissen hat." Der zusammen mit den fünf Krankenschwestern inhaftierte palästinensische Arzt Aschraf Dschumaa Hadschudsch beschrieb erneut, wie er sexuell misshandelt und mit Elektroschocks gequält worden sei.

Der Parlamentsausschuss soll klären, ob Libyen für die Freilassung der sechs Gefangenen im Juli eine Gegenleistung erhielt. Die französische Opposition will vor allem wissen, weshalb Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy einen Tag nach der Freilassung nach Libyen reiste und mit seinem Kollegen Muammar Gaddhafi ein Atomabkommen schloss. Die Bulgarinnen und der Arzt waren acht Jahre lang in libyscher Haft. Sie waren zum Tode verurteilt, weil sie angeblich hunderte libysche Kinder absichtlich mit dem Aids-Virus angesteckt hatten. Gaddafis Sohn, Seif el Islam Gaddafi, sagte kurz nach der Freilassung, die Krankenschwestern und der Arzt hätten nur als "Sündenböcke" herhalten müssen. (mit AFP)