Libyen : Steinmeier bemüht sich um Freilassung der Bulgarinnen

In Libyen versucht Außenminister Steinmeier einen Durchbruch im Fall der zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern zu erreichen. Eine Einigung hängt unter anderem von der Zahlung einer Entschädigung ab.

Steinmeier Foto: AFP
Steinmeier im Gespräch mit dem Sohn von Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi, Seif el Islam.Foto: AFP

TripolisDie Verhandlungen über eine Freilassung der in Libyen zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern sind während des Besuchs von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in ihre entscheidende Phase getreten. Seif al-Islam, ein Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, sagte in der Nacht zu Montag: "Wir befinden uns jetzt in der letzten und schwierigsten Phase des Marathons." Die Staatsführung könne aber nur vermitteln und nicht direkt in das Verfahren eingreifen. "Das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben die Richter und die Familien der erkrankten Kinder", fügte er hinzu.

Den fünf Krankenschwestern und einem palästinensischen Arzt droht die Hinrichtung. Sie waren in erster Instanz und auch von einem Berufungsgericht zum Tode verurteilt worden, weil sie angeblich in einer Klinik in Benghazi vorsätzlich mehr als 400 Kinder mit dem Aids-Virus HIV infiziert haben sollen. Die Verurteilten beteuern ihre Unschuld und haben erklärt, sie hätten ihre Geständnisse unter Folter abgelegt.

Steinmeier, der am Sonntag zusammen mit EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner nach Libyen gereist war, bemüht sich um eine Einigung. Dabei geht es unter anderem darum, wer den Familien der erkrankten Kinder Geld geben soll. Denn die bulgarische Regierung hat immer wieder betont, sie wolle sich auf nichts einlassen, was als Schuldeingeständnis der Krankenschwestern interpretiert werden könne. Aids-Experten machen die schlechten hygienischen Verhältnisse in der Klinik in Benghazi, in der die Frauen und der Arzt gearbeitet hatten, für die Verbreitung des Virus verantwortlich. (mit dpa)