Der Tagesspiegel : Lichte Zukunft

Brandenburg wird zum Standort für Sonnenenergie: Die in Frankfurt (Oder) geplante Solarzellen-Fabrik ist schon die vierte im Land

Thorsten Metzner

Frankfurt (Oder) - Brandenburg wird immer attraktiver für „Sonnen-Fabriken“. So werden in Frankfurt (Oder) am heutigen Mittwoch im Beisein von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) und Aufbau-Ost-Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) offiziell die Verträge für den Bau einer neuen Fabrik für Solar-Module unterzeichnet. Die einem mittelständischen Investor aus den USA gehörende First Solar Manufacturing GmbH will 118 Millionen Euro investieren und „mehr als 400 Arbeitspätze“ schaffen. „Das Land Brandenburg entwickelt sich zu einem der führenden Standorte der Solarproduktion in Deutschland“, sagte Detlev Stronk, Vorstandschef der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) am Dienstag.

Es ist, wie es in der Landesregierung heißt, die „Top-Ansiedlung in diesem Jahr“ und der bisher größte Ansiedlungserfolg von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU), der angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit, des geringen Wirtschaftswachstums, aber auch als designierter Nachfolger von CDU- Landeschef Jörg Schönbohm unter Erfolgsdruck steht. Dem Vernehmen nach hatte Junghanns bei der Begleitung der US-Investition als Konsequenz aus der Chipfabrik-Pleite in Frankfurt (Oder) allergrößten Wert auf professionelles Management und Diskretion gelegt. Anders als die geplante Chipfabrik, die 2001 ohne gesicherte Gesamtfinanzierung von seinem Vorgänger Wolfgang Fürniß (CDU) vorschnell präsentiert worden war und Ende 2003 an Finanzierungslücken scheiterte, wollte Junghanns erst nach Klärung der wichtigsten Fragen in die Öffentlichkeit gehen. Auch deshalb wurde vor der heutigen Präsentation der Solarfabrik erst die Zustimmung aus Brüssel für die 45 Millionen Euro staatlichen Beihilfen abgewartet, die in das 118-Millionen-Werk fließen sollen – bei der Chipfabrik gab es auch über die möglichen Beihilfe lange Unsicherheit.

Wie der Geschäftsführer der Solarfabrik, Heiner Eichermüller, bestätigt, hat First Solar bereits frühere Communicant- Mitarbeiter eingestellt. Allerdings sei das Reservoir an Fachkräften geringer als erwartet, da viele von ihnen aus Frankfurt abgewandert seien. Zur Zeit würden „30 bis 40 Ingenieure“ für die Solarfabrik gesucht, die einmal die „größte Dünnschicht-Fertigungsstätte der Welt“ sein werde. Bei den Dünnschicht-Solarmodulen werden im Unterschied zur herkömmlichen Silizium-Technologie – Silizium wird immer knapper – bestimmte Halbleiter auf Glas aufgetragen. Die Jahreskapazität der hier produzierten Solar-Module soll bei 100 Megawatt liegen.

Den verwaisten Rohbau der Chipfabrik aber konnte First Solar für sein Werk nicht nutzen. „Diese Halle ist für unsere Zwecke einfach zu klein“, sagt Eichermüller. Auf dem im Frankfurter Gewerbegebiet erworbenen, neun Hektar großen Gelände werde eine Halle mit 45 000 Quadratmeter Produktionsfläche errichtet – das sind etwa acht Fußballfelder.

Das Frankfurter Solarwerk ist bereits die vierte Produktionsstätte für Photovoltaik-Technologien, die in Brandenburg entsteht. In Prenzlau produziert seit 2002 die Firma Aleo Solar AG Silizium-Solarmodule, mit rund 230 Beschäftigten ist sie einer der größten deutschen Solar-Hersteller. Und das Werk brummt: Die Umsätze dort sind nach Firmenangaben von 41 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 106 Millionen Euro im vorigen Jahr gestiegen. Erst Anfang Juni wurde in der Stadt Brandenburg /Havel der Grundstein für eine Solarfabrik (72 Millionen Euro, 180 Jobs) gelegt worden, die ab 2007 Solarmodule ebenfalls auf Dünnschicht-Basis produzieren soll, nach einem in Südafrika entwickelten neuen Verfahren. Und in Frankfurt (Oder) ist mit der Odersun AG bereits ein kleineres Solarwerk (10 Millionen Euro Investition, 40 Mitarbeiter) im Aufbau. Da der Photovoltaik-Markt wächst, rechnen Experten mit weiteren neuen Solar-Fabriken in Brandenburg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar