Der Tagesspiegel : LIEBESFILM

Gigante

Christina TilmannD

Die kleinen Rituale des Wachpersonals: die Übergabe, das Wurstbrot, das Kreuzworträtsel und lange, lange Stunden, in denen man den Monitor beobachtet und das, was darauf passiert. Nämlich nichts. Den langsamen Rhythmus dieser ereignislos verstreichenden Zeit hat Regisseur Adrián Biniez aus Uruguay übernommen, für sein Filmdebüt „Gigante“, das auf der Berlinale gleich doppelt ausgezeichnet wurde, mit dem Alfred-BauerPreis fürs beste Filmdebüt und dem Großen Preis der Jury. Ein Film, der selbst ganz langsam daherkommt, so ereignislos bescheiden wie das Leben seiner Hauptfigur, des Nachtwächters Jana (ein wuchtiger, trauriger Gigant: Horacio Camandulle). Und der sich langsam ins Herz schleicht, mit lakonischem Humor und dem schönsten Liebesbeweis aller Zeiten: einem Kaktus im Supermarktgang. Zärtlich. Christina Tilmann

„Gigante“, Uruguay 2009, 88 Min., R: Adrián Biniez, D: Horacio Camandulle, Leonor Svarcas

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