Lieblingswörter der Parteien : Menschen müssen mehr sollen!

Fordern, müssen, wollen – jede Partei hat zur Bundestagswahl ihre eigene Werbesemantik. In interaktiven Grafiken zeigen wir, mit welchen Begriffen CDU/CSU, SPD und Co. in ihren Wahlprogrammen hantieren. Und wo Wörter wie "Internet", "Arbeit" oder "Freiheit" groß geschrieben werden.

von und Jan Garcia

Gut ist ja: Fast alle Parteien sind "dafür". Und fast alle denken sie an uns, also an die "Menschen" in "Deutschland". Deshalb ist auch den meisten unsere "Zukunft" sehr wichtig. Man könnte es aber auch so sagen: Alle hantieren mit ähnlichen Begriffen.

So sieht es zumindest aus, blickt man auf die Wahlprogramme der großen Parteien. Der Tagesspiegel hat die Texte auf ihre hundert häufigsten Wörter hin analysiert und in sogenannte Wordles gepackt: eine optische Vermengung der jeweiligen Wahlprogramme. Je häufiger ein Begriff im Wahlprogramm auftaucht, desto größer wird er im Wordle dargestellt. Herausgefiltert wurden deutsche Standardbegriffe wie "und", "aber" oder auch das von der SPD so geliebte "Wir".

Doch sind die Parteien wirklich sprachlich so angeglichen? Redet jeder nur vom "Mensch", kaum einer vom "Bürger"? Auf den ersten Blick herrscht durch alle politischen Lager begriffliche Einigkeit. Aber auch unter den Etablierten verlaufen feine semantische Linien. Vor allem die Auswahl der Verben verrät, wie eine Partei denkt.

Die CDU/CSU möchte gerne Dinge "stärken", "unterstützen" und "verbessern". Da wohnt der Geist der Beständigkeit inne. Hier wird bewahrt und ausgebaut. Insgesamt ist die Partei sehr breit aufgestellt: "Unternehmen", "Europa", "Entwicklung", "Sicherheit", "Verantwortung" – das Programm strotzt nur so vor markigen Begriffen. "Deshalb" ist sie auch gerne "dafür", dass die Dinge so weiterlaufen, wie sie sind. Was aber fehlt, ist ein Blick in die Moderne: Es gibt "Kommunen" und "Ländliches", der urbane Raum taucht nicht gleichberechtigt auf. Auch das "Internet" ist vorhanden, aber spielt eher eine #neuländische Rolle in der Gewichtung. Was es gar nicht unter die hundert häufigsten Wörter geschafft hat, war das Verben "müssen". Aber "müssen", das müssen ja auch nur die anderen. Die SPD zum Beispiel...

Wenn Sie wissen möchten, was die Partei zu ihrem Wahlprogramm sagt, fahren Sie mit der Maus über die Grafiken. Zu den dann sichtbaren Begriffen haben wir die Parteisprecher um Stellungnahme gebeten. Ein Klick auf den Begriff macht die Erklärung sichtbar.