Literatur : Lessing: Mehr Achtung vor der Mutterolle

Die Autorin Doris Lessing fordert eine stärkere Beachtung der Mutterrolle in der Gesellschaft. Bei einer Lesung in Hamburg stellte sie ihren neuen Roman "Kluft" vor.

HamburgDie englische Schriftstellerin Doris Lessing (87) hat in Hamburg mehr Respekt vor der Mutterrolle gefordert. "Die Feministinnen der 60er Jahre haben unter anderem ein schlimmes Verbrechen begangen: Sie beschimpften Frauen, die zuhause blieben und Kinder groß zogen", sagte die Autorin bei einer Podiumsdiskussion im Hamburger Thalia-Theater.



"Dabei wurde die ganze Menschheit von Frauen zur Welt gebracht." Die in London lebende Lessing war auf Einladung des Verlages Hoffmann und Campe in die Hansestadt gekommen, um ihren neuen Roman "Die Kluft" vorzustellen. Darin schildert sie eine mythische Welt voller Frauen, in der Männer erst viel später auftauchen. Die Autorin las aus ihrem aktuellen Band sowie aus "Das goldene Notizbuch" (1961) und "Unter der Haut" (1995).

Anschließend stellte sie sich auf der fast ausverkauften Veranstaltung in Kooperation mit der Zeitschrift "Die Zeit" und der Hamburger Buchhandlung Heymann den Fragen der Journalisten Patrik Schwarz und Christine Deggau. Deutsche Passagen las die Schauspielerin Marion Martienzen. Lessing sagte in dem Gespräch: "Kluft" ist ein Versuch, in dem Männer einen schweren Stand haben und das Weite suchen, weil Frauen immer an ihnen herum meckern." "Mein idealer Leser würde den Roman als Spielerei betrachten und sich der Geschlechter einmal mit Humor annehmen", sagte die zweimal geschiedene Mutter dreier Kinder in Hamburg. (mit dpa)