Der Tagesspiegel : Lohnende Landpartien

Claus-Dieter Steyer

Vor der Führung durch den blühenden Park reichte die Zeit noch für einen Abstecher auf das Erdbeerfeld. Die selbst gepflückten Früchte lagen allerdings nur kurze Zeit im Korb – sie schmeckten genauso gut wie der frisch gestochene Spargel. Mit dem im Hofladen gefüllten Picknickkorb ging es zum Konzert im Grünen. Am Abend gab es dann noch einen guten Wein auf der Terrasse eines an einem klaren See gelegenen Ausflugslokals.

Das Resümee eines solchen Ausflugstages im Berliner Umland fällt bei immer mehr Berlinern durchweg positiv aus. Es spiegelt viele erfreuliche Entwicklungen der vergangenen Jahre wieder. So kann Brandenburg mit Fug und Recht wieder als ein Schlösser- und Gartenland bezeichnet werden. Der am Wochenende mit viel Begeisterung eröffnete Barockgarten in Neuzelle steht stellvertretend für viele Brandenburger Gartenanlagen, die einst missachtet, verwildert oder absichtlich unter zweifelhaften politischen Gründen zerstört und erst nach 1990 wieder hergestellt wurden.

Auch die Erdbeer- und Spargelbauern vollzogen eine erstaunliche Wende. Fremde auf dem Hof waren für die Masse der Bauern jahrelang schlicht undenkbar. Man verrammelte das eigene Reich und schützte sich vor Neugierigen. Heute dagegen laden die Landwirte die Ausflügler zur Ernte der Erdbeeren, Kirschen und Äpfel ein. Am kommenden Wochenende können sie landauf und landab bei der Brandenburger Landpartie wieder viele neue Ausflugsziele und Lieferbeziehungen entdecken.

Auch andere Brandenburger Gastgeber werben nachdrücklich um Besucher: Es gibt Open-Air-Kulturfeste, Stadt-, Museums- oder Tierparkfeste. Nicht wenige Orte würden ohne diese Attraktionen wohl nie oder nur sehr selten auf der Liste der Ausflugsziele auftauchen.

Genau darin liegt aber auch eine noch immer nicht behobene Schwäche. Ausflügler verzetteln sich nur allzu leicht in vielen kleinen Veranstaltungen. Die Anbieter versäumen es noch viel zu oft, überregionale Werbung und gemeinsame Auftritte zu organisieren. Und auch Qualität bleibt da schnell auf der Strecke. Die Erdbeerbauern zum Beispiel könnten mit mehr Gemeinschaftssinn viel mehr erreichen. Sie müssten sich nur auf einheitliche Schilder für den Weg zu ihren Feldern einigen, damit die erlebnishungrigen Selbstpflücker den Weg schneller finden und nicht die Lust auf eine Landpartie schon beim langen Umherirren wie in Glindow verlieren.

Nur gut gelaunte Ausflügler lassen bekanntlich Geld in der Region. Die Potenziale dafür sind auf jeden Fall zur Genüge vorhanden.

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