Lokführer-Streik : Die Bahn zieht wieder vor Gericht

Das Spielchen wiederholt sich: Die Lokführer wollen streiken, die Deutsche Bahn will das vor Gericht verhindern. Die Entscheidung fällt vermutlich erst im letzten Moment - zum Ärger der Fahrgäste.

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Stillstand im Führerstand -Foto: dpa

BerlinDas Arbeitsgericht Chemnitz verhandelt morgen Nachmittag über einen Antrag der Bahn auf eine einstweilige Verfügung gegen die Arbeitsniederlegungen. Zugleich kündigte der Konzern an, mit einem eingeschränkten Fahrplan und dem Einsatz von mehr als 1000 zusätzlichen Mitarbeitern die Folgen eines Streiks so gering wie möglich halten zu wollen. Die Lokführergewerkschaft GDL kritisierte die erneute gerichtliche Auseinandersetzung scharf. Sie will am Freitag stundenweise streiken.

Der Antrag in Chemnitz bezieht sich laut Deutscher Bahn auf alle Bahnbereiche, also auf Fern- und Regionalverkehr genauso wie auf den Güterverkehr. Mit einer Entscheidung rechnet der Konzern demnach am Donnerstagabend. Es dürfte sich also kurzfristig entscheiden, ob es am Freitag wie geplant zu Arbeitsniederlegungen kommt. Bereits im Juli und August war es der Deutschen Bahn gelungen, Streiks von Arbeitsgerichten im letzten Moment untersagen zu lassen.

Verhandlungen vor Gericht statt miteinander

Die GDL sieht sich nach den Worten von Gewerkschaftschef Manfred Schell für die juristische Auseinandersetzung "gut gewappnet." Die Gewerkschaft hatte bereits am Montag nach eigenen Angaben sogenannte Schutzschriften an 121 Arbeitsgerichte verschickt, um einstweilige Verfügungen gegen den Arbeitskampf zu verhindern. Schell bezeichnete die Vorgehensweise des Konzerns dennoch als "unerträglich". "Statt mit uns zu verhandeln, werden wir schon wieder vor Gericht gezerrt", erklärte der GDL-Chef in Frankfurt am Main.

Die Deutsche Bahn zeigte sich gegenüber den Forderungen der GDL unnachgiebig. Der Konzern werde im Interesse der anderen Bahn-Mitarbeiter nicht nachgeben können, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Die GDL wolle die Eisenbahnerfamilie verlassen und ohne Rücksicht eigene Interesse durchsetzen. Die Gewerkschaft fordert einen eigenen Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Lohn. Die Bahn bot zuletzt bis zu zehn Prozent mehr Geld, wobei allerdings fünf Prozent auf die Bezahlung von bis zu zwei Überstunden entfallen sollen.

GDL und Bahn wollen Fahrgäste am Donnerstag informieren

Die GDL will am Freitag stundenweise den Nah-, Fern- und Güterverkehr in Deutschland lahmlegen. Es werde nicht 24 Stunden lang gestreikt werden, sagte eine GDL-Sprecherin. Auch am Wochenende seien keine Arbeitsniederlegungen geplant. Die Gewerkschaft will am Donnerstag bekannt geben, wann und wo die Streiks genau stattfinden sollen.

Die Deutsche Bahn will den Bahnverkehr dennoch so weit wie möglich aufrechterhalten, falls es zu einem Streik kommt. So sollen fast alle ICE und alle Auto- und Nachtzüge fahren. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll rund die Hälfte der Züge fahren. Im Güterverkehr strebt die Bahn an, dass alle Züge fahren. Verzögerungen seien aber unvermeidlich. Einen eingeschränkten Fahrplan will der Konzern am Donnerstagnachmittag veröffentlichen. Die Bahn gibt zudem rund um die Uhr auf der Internet-Seite www.bahn.de/aktuell und unter der Gratis-Servicenummer 08000-996633 Auskunft, welche Züge von Arbeitsniederlegungen betroffen sind. Bei Zugausfällen besteht die Möglichkeit, sich die Fahrkarten erstatten zu erlassen oder diese umzutauschen. (mit AFP)