Lokführer-Streik : High Noon bei der Bahn

Die Zeichen stehen auf Streik. Um 12:30 Uhr will die Lokführergewerkschaft das Ergebnis der Urabstimmung bekannt geben. Die Bahn arbeitet fieberhaft an Notfallplänen. Die Lokführer sehen das gelassen.

Markus Mechnich
Bahn
Kommt der Zug oder kommt er nicht? Diese Frage dürfte ab Mittwoch viele Reisende beschäftigen. -Foto: ddp

Die einen zählen, die anderen bereiten sich vor. Der Bahn steht eine turbulente Woche bevor. Heute um 12:30 Uhr soll das ergebnis der Urabstimmung bei der Lokführergewerkschaft GDL vorliegen. Die GDL rechnet mit einer Zustimmung jenseits der neunzig Prozent für den Streik, der am kommenden Mittwoch beginnen würde. Gleichzeitig arbeitet die Bahn an einem Notfallplan. Etwa vierzig Prozent der Lokführer sind Beamte und dürfen nicht in den Ausstand. Bei der GDL ruft dieser nur ein müdes Lächeln hervor.

GDL: Reisende so wenig wie möglich belasten

Die Lokführer wollen im Fall eines Streiks die Auswirkungen für die Reisenden möglichst gering halten. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sagte im Bayerischen Rundfunk (Bayern2), die GDL wolle ihre Strategie wegen der Urlaubszeit "sehr stark daran orientieren, so wenig als möglich die Reisenden zu beeinträchtigen".

Dass die Bahn die Auswirkungen des Streiks mit dem verstärkten Einsatz von Beamten abfedern könne, sei unrealistisch, sagte Weselsky. 40 Prozent der Lokomotivführer seien Beamte. "Dadurch werden wir niemals in der Lage sein, einen vernünftigen Bahnverkehr durchzuführen, denn die 60 Prozent Tarifkräfte sind nicht zu ersetzen." Die GDL hofft immer noch auf ein Angebot der Bahn. Sobald ein "ordentliches Angebot" komme, werde man den Streik aussetzen und verhandeln, sagte Weselsky.

Fahrgastverband mit Verständnis

Verständnis für die Forderungen der Lokführergewerkschaft zeigte der Fahrgastverband Pro Bahn. Dietmar Dalbogk, Berlin-Brandenburger Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes, sagte dem TV-Sender N24. "Für das Geld würde in der Industrie der Arbeiter nicht aufstehen."

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Klaus Lippold (CDU), forderte auf Radio Eins (Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB) von beiden Seiten mehr Kompromissbereitschaft im Tarifstreit. Er gebe die Hoffnung nicht auf. Tarifabschlüsse seien immer Kompromisse, bei denen sich beide Seiten aufeinander zu bewegen müssten. Allerdings baue die Lokführergewerkschaft mit dem voraussichtlichen Ergebnis der Urabstimmung ein Stück weitere Verhandlungsmacht auf. Zu der Forderung, die Bundesregierung möge einen Schlichter bestimmen, sagte er, das sei ein denkbarer Weg. (mit dpa)