Der Tagesspiegel : Lorbeer für die Gärtner

Claus-Dieter Steyer erwartet mehr Besucher in vier Brandenburger Parks

Claus-Dieter Steyer

Den Brandenburger Tourismusstrategen ist wieder einmal ein beachtlicher Schachzug gelungen. In einer bundesweiten Ausschreibung für die Werbung für Parks und Gärten im In- und Ausland haben sie gleich vier brandenburgische Anlagen auf die Liste von drei Dutzend Namen bringen können. Während der Zuschlag für den Park Sanssouci keine Überraschung darstellt, sieht es bei den anderen drei Gärten schon anders aus. Schließlich liegt der Schlosspark Rheinsberg buchstäblich im Schatten des bekannten zweiflügeligen Schloses aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Fast schon als Geheimtipp wird selbst in Brandenburg der Park Branitz am Rande von Cottbus gehandelt. Das gilt erst recht für den Barockgarten des Klosters Neuzelle an der Oder.

Nun aber erscheinen diese drei Schmuckstücke in der Werbekampagne der Deutschen Zentrale für Tourismus. Drei Jahre lang spielen Sanssouci, Rheinsberg, Branitz und Neuzelle eine Hauptrolle zusammen mit dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich, der Blumeninsel Mainau, dem Schlosspark Charlottenburg, dem Englischen Garten in München oder dem Park in Neuschwanstein auf sämtlichen Messen, in Broschüren, auf Internetseiten und im Exkursionsprogramm der Profis für die Deutschland-Werbung. Der Nutzen wird sich bald auch in Heller und Pfennig zeigen: Touristen werden auf die bis auf Sanssouci noch selbst im eigenen Bundesland im Verborgenen blühenden Parks aufmerksam, buchen Reisen, füllen Hotels, lassen ihr Geld in benachbarten Schlössern, Museen oder Thermalbädern.

Der wichtigste Effekt aber hat vordergründig nichts mit Geld zu tun: Brandenburg gewinnt nach so manchen Rückschlägen in den vergangenen Jahren wieder ein neues, besseres Image. Wenn ein Land trotz knapper Mittel mit so viel Mühe und Engagement das Erbe auch in der Gartenkultur pflegt, kann es nur bergaufgehen.

Das kleine Neuzelle, bislang eher bekannt für jenes Schwarzbier, das lange nicht Bier heißen durfte, ist so ein Paradebeispiel. Für rund 15 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und EU-Kassen sind bereits die beiden Kirchen, viele alte Gebäude des Klosters selbst und eben der Barockgarten saniert worden. Mindestens bis 2012 dauern die Arbeiten noch, an deren Ende auch die Eröffnung zweier Museen stehen soll. An den 1760 angelegten Garten des Klosters aber konnten sich selbst ältere Einwohner nicht mehr erinnern. Rabatten oder Sichtachsen waren im Laufe der Jahrzehnte von mehr als 300 große Bäume überwachsen worden. So wäre es wohl geblieben, wenn sich nicht eine Reihe mutiger Menschen rund um die Stiftung Stift Neuzelle für das Aufspüren der alten Fundamente starkgemacht hätte. Nun staunt der Besucher wieder über den originalgetreuen Barockgarten, in dem vieles künstlich und kaum etwas natürlich sein sollte. Das überzeugte auch die Jury der Deutschen Tourismuszentrale. Neuzelle und die anderen Parks können sich auf viele Besucher freuen.

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