Lothar Mathäus : Kein Mann für die zweite Reihe

Lothar Matthäus konnte sich mit der Rolle des "Assistenten" neben Chefcoach Giovanni Trapattoni nur schwer abfinden. Trotz Gewinns der Meisterschaft hatte Red Bull Salzburg den deutschen Rekordnationalspieler vorzeitig entlassen.

Christian Fürst[dpa]
Lothar Matthäus
Lothar Mathäus (r.) und Giovanni Trappatoni nach dem Gewinn der österreichischen Meisterschaft.Foto: dpa

SalzburgDie Zweite Geige wollte Lothar Matthäus in der Mozart-Stadt Salzburg nicht länger spielen. "Wir hatten einfach unterschiedliche sportliche Auffassungen", sagte der 46-Jährige einen Tag nach dem unfreiwilligen Ende seiner Trainerlaufbahn beim österreichischen Fußball-Meister Red Bull Salzburg lapidar. Dass er offen die Entscheidung von Chefcoach Giovanni Trapattoni kritisiert hatte, einen afrikanischen Spieler zu verpflichten, ohne diesen persönlich beobachtet zu haben, wurde dem deutschen Rekord-Nationalspieler bei seiner fünften Station als Trainer zum Verhängnis. Einstimmig beschloss der Clubvorstand die Trennung.

"Zwei Weltstars waren einer zu viel" titelte der Wiener "Kurier". Die Meinungsverschiedenheiten zwischen einem der besten Trainer der Welt und einem der besten Fußballer aller Zeiten seien einfach nicht mehr zu überbrücken gewesen. Am Ende trennte sich der erfolgsorientierte Verein von dem Mann, der in den vergangenen Monaten immer mehr in die Rolle des Assistenztrainers gedrängt wurde. Matthäus soll darauf spekuliert haben, dass "Trap" nach einem Jahr aufhören und er die Alleinherrschaft übernehmen würde.

Damit endete auch Matthäus' zweites Engagement in Österreich trotz des Gewinns der Meisterschaft vorzeitig. Seinen ersten Job bei Rapid Wien war er 2002 schon nach acht Monaten wieder los. Damals schloss Rapid die Saison mit dem achten Platz und damit der schlechtesten Platzierung in der Geschichte des Traditionsvereins ab.

"Es gibt Rollen die mir besser liegen"

Der Konflikt zwischen den beiden Fußball-Persönlichkeiten Trapattoni und Matthäus, in Österreich kurz "Trapatthäus" genannt, war abzusehen. Schließlich hatte Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz den Franken zunächst als Cheftrainer eingekauft, während Trapattoni die Rolle eines Sportdirektors zugedacht war. Doch der italienische Meistermacher übernahm schnell das Kommando auf dem Kunstrasen in Salzburg.

Aus dem Co-Trainer Matthäus wurde der "Assistent", der dies jedoch nicht hinnehmen wollte. "Es gibt Rollen, die mir besser liegen", gab er nach dem Gewinn der Meisterschaft zu Protokoll. Und auch über Trapattoni selbst hatte er nicht viel Gutes zu sagen. "Trapattoni wechselt selbst dann noch einen Verteidiger ein, wenn er schon 0:1 zurückliegt", spottete er über die Defensivtaktik des großen Kollegen.

Mathäus demnächst in Tschechien?

Matthäus soll bereits Ende April Gespräche mit dem tschechischen Verband über eine Nachfolge von Nationaltrainer Karel Brückner geführt haben. Brückner steht nach der bisher eher mäßigen EM-Qualifikation unter Druck.

"Meine Aufgabe wäre es gewesen, beide auf einen Nenner zu bringen", meinte Salzburgs Sportdirektor und Ex-Bayernspieler Oliver Kreuzer nach der Entlassung seines früheren Teamkollegen am Dienstag. Matthäus' Vertrag bei Red Bull läuft noch bis 30. Juni 2008. Er werde sein Gehalt, so Kreuzer, "weiter so bekommen, als würde er noch für uns arbeiten". Dass die Position von Matthäus in der bisherigen Form nicht wieder besetzt wird, scheint inzwischen festzustehen. Dennoch habe man bereits einen "Nachfolger" in der Person von Andreas Brehme im Visier, der schon in Stuttgart Trapattonis Assistent war. Allerdings werde ihn dieses Mal der Cheftrainer selbst aussuchen. Kreuzer: "Das ist so üblich im Weltfußball."