Luckenwalde : Aufschwung durch Mittel aus EU-Programm

Die Fußball-Elf FSV 63 Luckenwalde bescherte der Stadt im Fläming im Frühsommer bundesweite Aufmerksamkeit. Aufgrund der engagierten Jugendförderung war der Verein im Lostopf des Deutschen Fußball-Bundes gelandet.

Luckenwalde - Unter tausenden Mitbewerbern wurde der Verein als Gegner der Nationalmannschaft für ein Freundschaftsspiel im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft ausgelost. Jetzt verbessern sich auch die Trainings- und Wettkampfbedingungen der Kicker.

Das Werner-Seelenbinder-Stadion bekommt ein neues Sozialgebäude, einen vergrößerten Turnierplatz sowie Tribünen für insgesamt 2000 Zuschauer. Am Donnerstag wurde Richtfest für den Neubau gefeiert, den auch Schulsportgruppen und andere Vereine nutzen werden. Die Mittel für das Zwei-Millionen-Euro-Projekt stammen zu 75 Prozent aus dem Urban-II-Projekt der Europäischen Union, das bis 2008 die Infrastruktur und städtebauliche Entwicklung von Städten und Gemeinden fördert.

Als kleinste von zwölf deutschen Städten in dem EU-Förderprogramm kann der 22.000-Einwohner-Ort insgesamt 15 Millionen Euro verbauen. 50 Projekte wurden seit 2001 angeschoben. "Mit dem Jahresende werden etwa 80 Prozent davon abgeschlossen sein", sagt der Leiter der Urban-Stabsstelle, Christian von Faber. An drei Vorzeigeprojekten geht die Arbeit auch 2007 weiter. Neben dem Stadion, das im Sommer nächsten Jahres fertig sein soll, laufen derzeit am Gewerbehof an der Beelitzer Straße sowie am Bahnhofsgebäude die Planungs- und Bauarbeiten auf Hochtouren.

Hohe Arbeitslosenquote und industrielle Brachflächen

Mit der für Ende 2007 geplanten Fertigstellung des Gewerbehofs hofft die Stadt auf die Lösung eines großen Problems. "Luckenwalde ist von industriellen Brachflächen durchzogen, was nicht nur den städtebaulichen Eindruck trübt, sondern vor allem die Ansiedelung von Gewerbe in den vergangenen Jahren extrem erschwert hat", sagt Faber. Es habe zwar zahlreiche Interessenten gegeben, aber die Stadt habe nicht die benötigten Gewerberäume zur Verfügung stellen können. Er verweist darauf, dass nach der Wende etwa 8000 Arbeitsplätze verloren gegangen seien, die Arbeitslosenquote in Luckenwalde und Umgebung liege derzeit bei etwa 20 Prozent.

Doch das soll sich ändern. Auf dem Gelände der ehemaligen Falckenthal-Likörfabrik, wo zu DDR-Zeiten der regional bekannte Kräuterschnaps "Zinnaer Klosterbruder" abgefüllt wurde, entstehen Gewerbeflächen. Das Bauvolumen beträgt 4,5 Millionen Euro. Es gebe bereits Interessenten aus der Sanitär- und Software-Branche aus dem Berliner Raum sowie dem Rheinland, sagt Faber.

Die Innenstadt soll durch die Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes als Urban-Projekt im soziokulturellen Bereich eine Aufwertung erfahren. Geplant ist, dass im Frühjahr 2008 die Stadtbibliothek mit ihren etwa 45.000 Medien dorthin umzieht. Ein Teil der Bausumme von über drei Millionen Euro soll in einen Anbau für eine Jugendbibliothek investiert werden.

Auf dem Weg zur "Bilderbuchstadt"

"Bislang gibt es ein solches Angebot nicht in den beengten Räumen des derzeitigen Bibliotheksstandorts", sagt Faber. Ein Raum für Veranstaltungen fehle ebenso wie behindertengerechte Zugänge. Im umgebauten Bahnhofsgebäude kann das Foyer mit mobilen Tresen dann in einen Veranstaltungsraum für rund 100 Gäste umgestaltet werden.

Auch wenn noch Wünsche offen blieben, habe sich Luckenwalde in den vergangenen Jahren gemausert, so Faber. Kürzlich habe er die ehemalige Kohlenminen-Stadt Easington in Großbritannien besucht, deren triste Kulisse deutschen TV-Zuschauern durch den Film "Billy Elliot - I will dance" bekannt wurde. Auch Easington sei Nutznießer der Urban-II-Förderung, stehe jedoch vor viel größeren Herausforderungen als Luckenwalde. Im Vergleich zu Easington sei Luckenwalde eine "Bilderbuchstadt", lautet Fabers Fazit. (Von Beatrice George, ddp)

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