Luft- und Raumfahrt : DLR-Chef fordert mehr Freiheit

Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, fordert größere Entscheidungsfreiheit. Zu viele Vorgaben seien hinderlich, sagt Wörner in Hinblick auf die Ministerialbürokratie.

Ralf Nestler

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) soll künftig im Alltagsgeschäft eigenständiger entscheiden. Das fordert der DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner. Die Arbeit sollte auf forschungspolitischen Grundsatzentscheidungen des zuständigen Bundeswirtschaftsministers und der Bundesregierung basieren. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte Wörner: „Ich erlebe eine Detailsteuerung durch die Ministerialbürokratie, wie ich sie als Präsident der TU Darmstadt nie kennengelernt habe.“

Das DLR, das in Raumfahrtangelegenheiten für die Bundesrepublik sprechen soll, bekomme bei internationalen Verhandlungen oftmals Vorgaben, welche Meinung im Detail zu vertreten sei. „Unsere Position, etwa in der europäischen Raumfahrtagentur Esa, wird dadurch nicht wirklich unterstützt“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Wörner.

„Wenn die strategische Relevanz des DLR als ernst gemeint ist, ist eine direkte Kopplung an den Wirtschaftsminister und das Parlament, nur folgerichtig“, fügte er hinzu. Vorbild könnte beispielsweise die US-Raumfahrtagentur Nasa sein. Der jeweilige Nasa-Chef ist direkt dem US-Präsidenten unterstellt. Seit der Amtsübernahme von Barack Obama ist die Position aber vakant.

Wörner schlägt vor, dass für das DLR mit der Regierung forschungs- und industriepolitische Ziele vereinbart und diese weitgehend eigenständig verfolgt werden. Über den Erfolg solle regelmäßig berichtet werden. Eine derartige Organisationsform hatte Wörner bereits an der TU Darmstadt eingeführt. „Damals habe ich neben dem Minister auch unmittelbar dem hessischen Landtag berichtet“, sagte Wörner weiter. Dieses „Darmstädter Modell“ sei mittlerweile von einigen anderen Bundesländern übernommen worden. Wörner: „Für das DLR gibt es hier noch erheblichen Nachholbedarf.“

Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium wollte zu den Aussagen des DLR-Chefs keine Stellung beziehen. Ralf Nestler

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