Der Tagesspiegel : Luxusleben auf Kosten der Anleger

Zwei Betrüger prellten ihre Kunden mit Immobilienfonds um mehr als 3,5 Millionen Euro

Peter Tiede

Wiesenburg - Brandenburgische Ermittler haben einen groß angelegten Betrug mit Immobilienfonds aufgedeckt. Eine Firmengruppe aus Wiesenburg bei Belzig (Potsdam-Mittelmark) soll bundesweit mehr als 2000 Anleger um mehr als 3,5 Millionen Euro gebracht haben, die das Geld als Vermögenswirksame Leistungen für die Altersvorsorge in Immobilienfonds eingezahlt hatten. Die Fonds der Firmengruppe hätten jedoch die beworbenen Immobilien nie besessen, bei den Firmen habe es sich überwiegend um Scheinfirmen gehandelt, so die Ermittler.

Die beiden Hauptbeschuldigten Hartfrid G. (63) und Hans-Joachim L. (61) wurden gestern Mittag in der Kölner Innenstadt auf Antrag der Staatsanwaltschaft Potsdam verhaftet. In sieben Bundesländern – darunter Brandenburg und Berlin – hatten die Staatsanwaltschaft Potsdam und das Landeskriminalamt Brandenburg am Mittwoch ab 9 Uhr insgesamt 30 Büros und Privaträume durchsuchen lassen. Am Firmensitz der Fonds-Unternehmen – einer Luxus-Wohnung auf Schloss Wiesenburg – stießen die Ermittler gestern auf eine reine Scheinadresse. Die notdürftig eingerichtete Wohnung habe lediglich als noble Referenzadresse und als Aktenlager gedient, hieß es.

Hartfrid G. und Hans-Joachim L. sowie sieben weiteren Beschuldigten wird vorgeworfen, für die von ihnen aufgelegten Immobiliensparfonds Gelder von Anlegern für private Zwecke verwendet oder in andere Firmen ihres Geflechtes abgezweigt zu haben.

Die beiden Hauptbeschuldigten – Miteigentümer des mittelalterlichen Schlosses Wiesenburg – sollen über die drei Fonds „VL Premium“ den Anlegern über Vermögenswirksame Leistungen den Erwerb von Wohnungsanteilen offeriert haben. Geworben hatte sie mit mehr als 30 Wohnungen in Belzig. Tatsächlich habe der Fonds die sanierten Bauten aus den 1950er Jahren nie von der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft erworben. Es habe zwar Verkaufsverhandlungen gegeben, doch habe VL Premium nie den Kaufpreis bezahlt, obwohl von den Anlegern mehr als drei Millionen Euro eingezahlt worden waren, so der Sprecher des Landeskriminalamtes Brandenburg, Toralf Reinhardt, gestern während der Razzia in Wiesenburg.

Unter den Beschuldigten ist auch der Berliner Immobilienkaufmann und Projektmanager Heinz-Peter U., der mit Hartfrid G. eine Immobilienfirma in Berlin betreibt und ebenfalls zumindest zeitweise Miteigentümer des Schlosses Wiesenburg war.

Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass die Beschuldigten ab 2002 „einem geheimen Tatplan“ folgend gezielt ein hierarchisch aufgebautes Firmengeflecht geschaffen haben, um Anleger zu prellen. Die Kleinanleger sollten über jeweils zwölf Jahre hinweg monatliche Raten von 40 Euro über die Vermögenswirksamen Leistungen einzahlen. Ihnen wurde eine Rendite von mehr als fünf Prozent in Aussicht gestellt.

In gesonderten Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Offenbach sowie in Sachsen wird derzeit ebenfalls im Zusammenhang mit VL Premium ermittelt.

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