Der Tagesspiegel : Macht macht Macht

Wie Horst Köhler Bundespräsident wurde

Stephan-Andreas Casdorff

3. März. Im Konrad-Adenauer-Haus brennt noch Licht. Peter Müller, Saarlands Ministerpräsident, schlägt noch einmal Klaus Töpfer als nächsten Bundespräsidenten vor, Dagmar Schipanski, Thüringens Wissenschaftsministerin, sich selbst. Fraktionsgeschäftsführer Volker Kauder ist für Bernhard Vogel, Dieter Althaus, der Vogel als Ministerpräsident in Erfurt gefolgt ist, für Vogel oder Schipanski. Nach Stunden ist klar: Favorit der CDU ist Töpfer, gefolgt von der Vizevorsitzenden der CDU, Annette Schavan. Horst Köhler, der Chef des Internationalen Währungsfonds, liegt auf dem dritten Platz. Abgeschlagen. Im Foyer der CDU-Zentrale heißt es: Er ist raus.

Dann telefoniert die Vorsitzende, Angela Merkel. Nach der Telefonrunde meldet sie in den Saal eine „klare Präferenz“. Eine für Köhler. Edmund Stoiber, der CSU-Chef, ist für ihn, Guido Westerwelle, der FDP-Vorsitzende, sowieso. Er hält Köhler, CDU-Mitglied seit 1981, früher Finanz-Staatssekretär der Regierung Kohl, nicht nur für neoliberal.

Einer, der beim CDU-Treffen dabei war, gab später zu Protokoll, es habe Szenen „wie aus dem Irrenhaus“ gegeben. Und Roland Koch, Hessens Regierungschef, sagte, die Kandidatenfindung sei „chaotisch“ verlaufen. Aber Angela Merkel war zufrieden, „unter diesen komplizierten Bedingungen“.

Merkel hatte behauptet, seit Herbst 2003 für Wolfgang Schäuble gewesen zu sein, ihren Vorgänger, den strategischen Kopf. Stoiber behauptete das auch, Koch und Friedrich Merz waren es ohnedies. Nur glaubten Koch und Merz und andere Merkel nicht. Argwohn machte die Runde, die Union erschien entzweit. Dafür gab es eine andere, die von Merkel mit Westerwelle. Eine strategische für künftige Zeiten – Regierungszeiten. Von der hieß es später dann auch, sie sei sich lange schon einig gewesen.

23. Mai. Der Tag der Bundesversammlung. Der Kandidat Horst Köhler strahlt. Er ist zum Bundespräsidenten gewählt worden. Mit großer Mehrheit. Im ersten Wahlgang.

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