Machtwechsel in Australien : Neue Regierung will sich bei Aborigines entschuldigen

Bislang hatten sich die Regierungschefs stets geweigert, das an den Ureinwohnern begangene Unrecht einzugestehen. Wahlsieger Kevin Rudd wil sich nun diesem dunklen Kapitel der australischen Geschichte stellen.

SydneyDer zukünftige australische Premierminister Kevin Rudd hat eine zügige förmliche Entschuldigung bei den Ureinwohnern des Landes für die brutale Integrationspolitik der Vergangenheit angekündigt. "Es wird zu Beginn der Legislaturperiode sein", sagte Rudd bei einem Auftritt vor jubelnden Schulkindern heute in Brisbane. Rudd und seine Labor-Partei hatten bei den Parlamentswahlen am Samstag den konservativen Premier John Howard nach elf Jahren Amstzeit geschlagen.

Howard und seine Vorgänger im Amt des Regierungschefs hatte eine Entschuldigung bei den Aborigines stets abgelehnt. Dabei geht es um das Vorgehen der Behörden von den 30er Jahren bis in die 70er Jahre hinein. Diese hatten tausende Kinder von Ureinwohnern aus ihren Familien gerissen und bei Pflegeeltern untergebracht, um sie besser in die australische Gesellschaft zu integrieren. Einige dieser Kinder sahen ihre Familien nie wieder. Vertreter der Aborigines, die heute noch 470.000 von 21 Millionen Australiern ausmachen, verlangen eine förmliche Entschuldigung. Nur die Anerkennung dieser historischen Ungerechtigkeit könne für die gesellschaftlich stark benachteiligten Ureinwohner zur Grundlage für Fortschritt werden. (mit AFP)