Der Tagesspiegel : "Maden-Affäre": Interview: "Wir essen auch Spätzle"

Herr von Schwerin[dass die Polizei],trifft es Sie[dass die Polizei]

Das Biker-Treffen in Luckau, das Mitte Juli mit einem Großeinsatz der Polizei abgesichert wurde, hat seit Wochen ein unappetitliches Nachspiel. Brandenburgs Innenministerium und das Potsdamer Polizeipräsidium haben sich jetzt beim Stuttgarter Landespolizeipräsidenten Erwin Hetger für die "Raupen" in der Soljanka-Verpflegung von Einsatzkräften aus dem Südwesten offiziell entschuldigt. Der Potsdamer Polizeipräsident Detlef Graf von Schwerin (SPD) äußert sich erstmals dazu.

Herr von Schwerin, trifft es Sie, dass die Polizeigewerkschaft wegen der "Maden-Affäre" Ihren Rücktritt fordert?

Das ist völlig überzogen. Uns ist kein direkter Vorwurf zu machen, weil für die Verpflegung der Einsatzkräfte eine Fremdfirma zuständig war. Trotzdem bleibt das Ganze eine unerfreuliche Tatsache, die uns als Gastgeber peinlich ist. Wir entschuldigen uns dafür. Wir möchten schließlich, dass die Kollegen uns bei künftigen Einsätzen wieder helfen. Genau so, wie wir gern nach Baden-Württemberg kommen. Wir sind auch bereit, dort Spätzle zu essen.

Maden sind keine typischen Zutaten.

Natürlich nicht. Es waren keine Maden, sondern Raupen, wie die Untersuchungen eines wissenschaftlichen Instituts eindeutig festgestellt hat - dank der von den Kollegen aus Süddeutschland gesicherten und konservierten Tierchen. Es ist ein Unterschied, auch wenn beides unappetitlich ist: Von Maden müsste man auf verdorbenes Fleisch schließen, was gesundheitsschädlich wäre. Es handelte sich aber um Insektenlarven, um Raupen der Mehlmotte. Auch diese sind ekelerregend, aber vollkommen unschädlich.

Der Fall beschäftigt seit Wochen diverse Gutachter,Beamten, die Innenministerien beider Länder. Haben die Ermittlungen herausgefunden, wie die Mehlwürmer überhaupt in die Suppe geraten konnten?

Wir hatten vermutet, dass es über Mehl zum Andicken geschehen ist. Aber die Firma hat uns glaubhaft versichert, dass sie gar kein Mehl verwendet hat. Insofern wissen wir nicht, wie diese Mehlwürmer in die Suppe gekommen sind. Es ist wohl nicht mehr zu rekonstruieren. Dass sie in der heißen Suppe überlebt haben sollen, wie unsere baden-württembergischen Kollegen vermuteten, ist unwahrscheinlich.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat die Übelkeit und das Erbrechen bei einigen Beamten auf die verdorbene Soljanka zurückgeführt.

Diese Fälle, die uns auch gemeldet wurden, traten bereits Stunden vor der Ausgabe der Soljanka auf. Einen Zusammenhang zur Soljanka gibt es nicht.

Dafür haben Sie in einem Bericht für das Innenministerium einen Zusammenhang zwischen diesen Fällen sowie Krankmeldungen nach dem Einsatz und "größeren Mengen" zurückgelassenen Leerguts alkoholischer Getränke "nicht ausgeschlossen". Eine Retourkutsche?

Diese Passage ist öffentlich, auch von den Gewerkschaften, fehlinterpretiert worden. Möglichweise war sie unglücklich formuliert. Von übermäßigem Alkoholgenuss, womöglich gar während des Dienstes, war jedenfalls nie die Rede. Es gab auch keinerlei Hinweise in diese Richtung. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass sich die Beamten nach Dienst ihr Feierabend-Bier genehmigen. Außerdem war es ein interner Bericht, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

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