Der Tagesspiegel : Märchenhaftes Sanssouci

Vierte Potsdamer Schlössernacht im festlich illuminierten Park / 32 000 Besucher – mehr durften nicht rein

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Von Claus-dieter Steyer

Potsdam. Die Aussicht auf einen romantischen Abend in einem der schönsten Parks der Welt verfehlte gestern erneut ihre Wirkung nicht. 32 000 Besucher strömten zur vierten Potsdamer Schlössernacht. Schon kurz nach ihrer Öffnung um 16 Uhr schlossen deshalb die Abendkassen schon wieder und stellten das Schild „Ausverkauft“ ins Fenster. Die wenigen Restkarten waren im Handumdrehen ausverkauft. Die meisten Interessenten hatten sich ihre Tickets im Vorverkauf gesichert. Wer dennoch zu den beleuchteten Palästen und dem Kulturprogramm wollte, musste sich vor den Eingangstoren in Geduld üben. Nur wenn Besucher das Gelände verließen, erhielten weitere Gäste die Erlaubnis zum Zutritt in den Park. Lange Schlangen waren die Folge. „Es läuft prächtig“, sagt Christian Bartmann, Sprecher der Veranstalter, am Abend.

Im Unterschied zu den vergangenen Festen waren die Denkmalschützer der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten diesmal besonders vorsichtig. Sie erlaubten den drei Berliner Veranstaltungsagenturen nur den Verkauf von 32 000 Eintrittskarten, um die historischen Gebäude zu schonen. Die Begründung klang jedoch zweifelhaft: Furcht vor zu hoher Feuchtigkeit in den kostbaren Räumen: Bei Regenschauern würden die Besucher in die königlichen Häuser flüchten und buchstäblich „Dampf ablassen“. Einige Gebäude sollten bei Niederschlägen vorsorglich ganz geschlossen werden.

Auch für gestern hatten die Meteorologen zwar wieder einzelne Schauer vorausgesagt, aber davon ließen sich die Freunde eines festlich illuminierten Schlossparks nicht abschrecken. Schließlich ist so ein Erlebnis in diesem großen Rahmen einmalig in Deutschland. Deshalb zogen vor allem überregionale Reiseveranstalter auch tausende Interessenten von außerhalb an.

Potsdamer und Berliner hielten sich zahlenmäßig dagegen diesmal etwas zurück. Der inzwischen pleite gegangene Veranstalter aus Hamburg hatte zwischen 1999 und 2001 die Erwartungen ja nicht in jedem Punkt erfüllt. Besonders der öffentliche Nahverkehr hatte viel Anlass für Kritik geboten. Gestern aber kam es jedenfalls bei der Anreise zu keinen großen Problemen. Schließlich konzentrierte sich der Festtrubel auch nur auf den Park Sanssouci. Der Neue Garten mit dem Marmorpalais und dem Schloss Cecilienhof fehlte diesmal ganz bewusst als Veranstaltungsort.

Diese Beschränkung zahlte sich nicht zuletzt im Kulturprogramm aus. Denn praktisch an jeder Ecke im Park wurde gesungen, getanzt, gespielt oder einfach nur in historischen Kostümen flaniert. 420 Akteure präsentierten sich vor den prächtigen Kulissen. Viele Künstler, die in den vergangenen Jahren noch auf den Programmzetteln standen, verzichteten aber auch auf ein Engagement: Sie warten noch immer auf ihre Honorare. Die Außenstände für rund 200 Betroffene werden auf 100 000 bis 125 000 Euro geschätzt.

Keine große Rolle spielte im Programm das Jubiläum von Sanssouci. Denn auf den Tag genau vor 258 Jahren hatte Friedrich II. die „Allerhöchste Kabinettsorder wegen Anlegung eines Weinberges“ auf dem „Wüsten Berg“ vor den Toren Potsdams gegeben. Der Hügel wurde in sechs Terrassen gegliedert, die in der Mitte nach innen schwingen sollten. Ein Jahr später entschied sich der König zum Bau einer Residenz auf dem Weinberg.

Zur Schlössernacht bot gerade der Innenhof des Schlosses beste Aussichten auf zwei besondere Blickfänge: Über dem Ruinenberg zog ein künstlicher Mond auf und am anderen Ende des Parks verzauberte um Mitternacht ein großes Feuerwerk den Himmel.

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