Der Tagesspiegel : Märkische Steppe, märkischer Sand

Thorsten Metzner

Brandenburg, eigentlich das gewässerreichste Bundesland, droht in den nächsten Jahrzehnten die Versteppung. Darauf hat am Dienstag Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) hingewiesen, der von einer „der größten Herausforderungen in Brandenburg“ sprach. Die Experten seines Ressorts sehen wegen der zunehmend knappen Wasserressourcen bereits eine „wasserhaushaltliche Sondersituation“ Brandenburgs in Deutschland. Denn das Szenario des Klimawandels spielt nicht in ferner Zukunft, sondern ist bereits Realität.

Der Grund: Seit Jahrzehnten nehmen die für die Grundwasser-Neubildung entscheidenden Sommer-Niederschläge ab wie in keinem anderen Bundesland. Sie liegen 20 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt – und seien so gering wie in der sibirischen Waldsteppe, in Spanien oder Mexiko, erläuterte Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. So regnet es in der amerikanischen Prärie öfter als in Cottbus. Gleichzeitig sind die Temperaturen in Brandenburg in den letzten vierzig Jahren um mehr als 1,5 Grad gestiegen.

Die Folge: Eine negative Wasserbilanz in mehr als der Hälfte des Landes. Das heißt, es verdunstet mehr Wasser, als Grundwasser neu gebildet wird. Die Grundwasserstände gehen landesweit bereits seit 1960 zurück. Aber auch die Meliorationsprogramme – 80 Prozent der 33 000 Fließgewässer sind künstlichen Gräben – sowie der Braunkohletagebau wirken sich nach Einschätzung von Experten bis heute ungünstig aus, da sie das Wasserdefizit verstärken. In der Braunkohleregion besteht gegenwärtig ein Grundwasserdefizit von 5 bis 7 Milliarden Kubikmeter, wobei das jährlich neu gebildete Grundwasser in ganz Brandenburg bei 3,7 Milliarden Kubikmeter liegt. Gleichwohl wiesen Birthler und Freude darauf hin, dass dem Trend gegengesteuert werden kann: So soll versucht werden, die bislang abfließenden Winterniederschläge zurückzuhalten, um die Grundwasserneubildung zu fördern. Stauanlagen sollen umgebaut, nicht mehr benötigte Entwässerungsgräben geschlossen werden, um den Abfluss von Brandenburger Wasser zu bremsen. In dem Klimawandel sieht Birthler kein Horrorszenario für das Land: „Steppe ist nicht Wüste.“

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