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Hausbau

Ganz neu anfangen

Immer mehr Senioren bauen noch einmal ein Haus – und diesmal ganz nach ihren eigenen Bedürfnissen
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Die Kinder sind aus dem Haus. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Und der ist für viele Hausbesitzer der Generation 50plus mit einem Umzug verbunden: Immer mehr bauen dann ein zweites Mal. Sie profitieren dabei von ihren Erfahrungen. „Die Bauherren nehmen sich viel Zeit für die Planungsphase. Sie sind intensiv vorinformiert und können meist genau sagen, was sie wollen“, beobachtet Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF). Und das, was sie wollen, unterscheidet sich wesentlich von ihren Vorstellungen beim ersten Bau.

„Eine junge Familie, die baut, hat bei der Planung vor allem die Kinder im Blick“, sagt Cornelia Leschke, Psychologin aus Berlin. „Das fängt schon bei der Wahl des Grundstücks an: Auf Kindergarten und Schule sowie Kinder in der Nachbarschaft wird auf jeden Fall Wert gelegt.“ Beim zweiten Bau können solche Faktoren vernachlässigt werden. Jetzt spielt oft die Verkehrsanbindung, die Nähe zu Ärzten oder Geschäften eine größere Rolle. Und: Kinder brauchen Platz zum Toben. Doch ein großes Grundstück hat Nachteile, die mit jedem Lebensjahr deutlicher werden. „Instandhaltung und die Pflege der Außenanlagen kosten Zeit und sind körperlich mühsam“, gibt Leschke zu bedenken. Wer nicht die Hilfe eines Gärtners in Anspruch nehmen kann oder will, sucht deshalb nach einem kleineren Grundstück mit möglichst ebenen Flächen.

Auch bei der Gebäudearchitektur spielt das Thema Pflege eine wichtige Rolle. „Insgesamt beobachten wir bei Zweithäusern einen Trend zu klaren, puristischen Formen. Erker oder Gauben werden eher vernachlässigt“, sagt Veronika Lenze, Architektin aus Menden in Nordrhein-Westfalen. Bei der Architektur standen beim ersten Bau ebenfalls die Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund. Für die Wünsche vieler junger Eltern war angesichts eines meist engen finanziellen Gürtels kein Platz. Diesmal geht es nur um sie, ihre Wünsche und Hobbys. Das heißt häufig dann auch, dass die Wohnfläche und die Raumanzahl des zweiten Hauses nicht kleiner ausfallen als die des ersten. „Zunächst müssen beide Personen festlegen: Was ist mir wichtig? Was kann vernachlässigt werden?“, rät Lenze. Es sei ein Trugschluss zu glauben, man wisse, was der andere sich wünscht, weil man schon so lange zusammenlebt. „Häufig ist der eine ganz überrascht, dass der andere jetzt, wo es die Möglichkeit dazu gibt, gerne ein eigenes Büro oder einen eigenen Schlafraum hätte.“ Einstimmigkeit herrscht oft über einen gemeinsamen Wohnbereich.

„Dieser ist in der Regel sehr offen gestaltet: Ohne Kinder hat das Thema Lärmbelästigung an Bedeutung verloren. Auf manch eine Wand wird deshalb verzichtet“, sagt die Architektin. Große Räume mit viel Bewegungsfreiheit sind auch unter praktischen Gesichtspunkten eine gute Wahl: Irgendwann kommt das Alter. Das heißt nicht, dass jetzt schon überall Haltegriffe eingebaut und Reha-Atmosphäre verbreitet werden soll. Aber das Gebäude sollte so vorbereitet sein, dass es auch im Alter nutzbar ist. Wohnen auf einer Ebene ist deshalb beim zweiten Bau besonders gefragt. Schwellen und Stufen sind verzichtbar, breite Türöffnungen und ergonomische Küchenlösungen dagegen ein Muss. „Wenn eine Treppe notwendig ist, sollte sie so ausgelegt sein, dass notfalls auch ein Treppenlift nachgerüstet werden kann“, rät Architektin Lenze. Außerdem macht es sich gut, wenn die Treppe nicht vom Wohnraum, sondern vom Flur aus nach oben führt. Dann gibt es die Option, das Obergeschoss bei Bedarf zu vermieten. Aber: Auch wenn es ein Obergeschoss gibt - im Erdgeschoss sollte ein komplett ausgestattetes Bad vorhanden sein. Dieses wird mit bodengleicher Dusche oder Wanne mehr Platz in Anspruch nehmen, als beispielsweise in Familienhäusern. Dabei darf der Komfort in Gestaltung und Technik nicht zu kurz kommen, sagt Christoph Windscheif: „Häufig hört man: ,Jetzt gönnen wir uns etwas’.“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.08.2008)
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