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Wie Studenten die richtige Firma für ihre Abschlussarbeit finden und warum sich gerade kleinere Unternehmen für einen Ausflug in die Praxis eignen.
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Kontakte knüpfen. Studenten können über eine Abschlussarbeit im Unternehmen Netzwerke aufbauen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Nach der Masterarbeit ist Norman Heinze einfach dort geblieben. Als Business Analyst hat ihn die Unternehmensberatung Business Intelligence Group (Big) in Kreuzberg weiter beschäftigt.

Heinze hat Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin studiert. Er war einer der ersten Absolventen des Masterstudienganges. Dass er seine Abschlussarbeit in einer Firma schreiben würde, lag für ihn nahe. Er wollte anwendungsorientiert arbeiten. Bei Big wurde der 30-Jährige in der Prozessoptimierung eingesetzt – und konnte so praktisch fortführen, worauf er sich im Studium spezialisiert hatte. „Eine Masterarbeit im Unternehmen bereitet sehr gut auf das Berufsleben vor“, sagt Heinze.

Vor allem in den Informationstechnologien sowie den technischen und den naturwissenschaftlichen Fächern ist es inzwischen üblich, die abschließende Studienarbeit in einer Firma zu schreiben. „Für diese Fächer kann der wissenschaftliche Anspruch solcher Arbeiten häufig besser realisiert werden, als in anderen Studiengängen“, sagt Michaela Frana vom Career Service der HTW.

In der Industrie, im Bauwesen, im Handwerk und bei Energieerzeugern werden die angehenden Techniker oft in der Forschung und Entwicklung eingesetzt. Konzerne wie Daimler, Bosch oder die Telekom verfügen über Programme für Bachelor, Master und Diplomarbeiten. In Berlin sind es vor allem kleinere Firmen, die Studenten Abschlussarbeiten anbieten.

Studenten sammeln auf diese Weise nicht nur praktische Erfahrungen, sie bekommen oft ein kleines Gehalt und knüpfen zudem wichtige Kontakte, die – wie bei Norman Heinze – zu einem Job führen können. „Die Betriebe rekrutieren auf diese Weise neue Mitarbeiter“, weiß auch Michaela Frana. Doch, wer sich für diesen Weg entscheidet, ist gut beraten, einige Dinge zu berücksichtigen.

Studenten sollten mindestens drei bis sechs Monate für den Ausflug in die Praxis einplanen. Sie sollten darauf achten, dass genug Zeit für die Forschung bleibt und die täglichen Aufgaben in der Firma nicht plötzlich wichtiger sind. Wie viel Zeit man zum Recherchieren und Schreiben der Arbeit braucht, hängt auch vom Fachbereich ab, sagt Frana. In den Ingenieurwissenschaften oder in der Informatik, wo sich die Studenten weniger durch die Literatur arbeiten müssen und vor allem auf Unternehmensdaten zurückgreifen und Untersuchungen durchführen, ist es üblich, die Hälfte der Arbeitszeit in den praktischen Job zu investieren. In Wirtschafts- und Betriebswissenschaften hingegen kann die Literaturarbeit viel mehr Zeit beanspruchen. Dann bleibt gewöhnlich entsprechend weniger Raum für die Arbeit im Unternehmen.

Häufig ergeben sich Abschlussarbeiten über ein Praktikum, sagt die Leiterin des Career Service der Technischen Universität Berlin, Bettina Satory. Doch das ist nicht der einzige Weg. Unternehmen schreiben Themen für Abschlussarbeiten in ihrem Haus auch aus.

Nicht jedes Thema aber ist auch geeignet für eine Abschlussarbeit. „Die wissenschaftliche Tiefe muss stimmen“, nennt Satory ein wichtiges Kriterium. Besteht das Ziel der Arbeit vor allem darin, Umsätze zu steigern und Prozesse zu optimieren, ist die Gefahr groß, dass der wissenschaftliche Anspruch zu kurz kommt. „Die Themen müssen eng mit dem Fachbereich und dem betreuenden Professor abgesprochen werden“, rät Satory. Studenten sollten deshalb vor der Unterzeichnung eines Vertrages die Bereitschaft des Unternehmens erfragen, die Aufgabenstellung den akademischen Anforderungen anzupassen.

„Eine gute Stelle für eine Masterarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass Student, Professor und Unternehmen, eng zusammenarbeiten“, erklärt Michaela Frana. Es sei ratsam, ein Jahr bevor es losgehen soll mit den Vorbereitungen zu beginnen. „Studenten sollten sich ein Thema überlegen und Kontakt zu Firmen aufnehmen.“

Dabei sollte man sich nicht von bekannten Firmennamen blenden lassen. „In großen Unternehmen ist es möglich, mit seinem Thema unterzugehen“, sagt Bettina Satory, vom Career Service der TU. Bei kleineren und mittleren Unternehmen sei die Zusammenarbeit oft enger und der Student besser in die Arbeitsabläufe integriert.

Wer für eine Firma forscht, bekommt oft ein Gehalt gezahlt, das zwischen 400 und 650 Euro im Monat liegt und damit in etwa der Bezahlung eines Praktikanten entspricht. In manchen Firmen werden die angehenden Absolventen auch als Werksstudenten beschäftigt. Das war auch bei Norman Heinze so. Dann sind monatlich etwa 1000 Euro drin.

„Studenten bringen Forschungsansätze mit und somit auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten für unsere Produkte und Methoden“, beschreibt die Big-Personalerin Saskia Schade den Gewinn solcher Kooperationen für das Unternehmen.

Diese Erfahrung hat auch Kathrin Walter, die das Personalmanagement des Autozulieferers Scansonic leitet, gemacht. Der Betrieb sucht vor allem Studenten aus den Fachgebieten Mechatronik, Feinwerktechnik und Optik. Praktikanten werden mit 400 Euro vergütet. Diplomanden erhalten eine Vergütung erst, wenn bestimmte Zielvorgaben erfüllt sind, wenn die Abschlussarbeit zum Beispiel besonders gut benotet wurde. „Ein Gehalt im eigentlichen Sinne gibt es allerdings nicht, schließlich ist für die Firma die Betreuung der Studenten während der Abschlussarbeit sehr intensiv und aufwändig“, sagt Walter.

Für Wirtschaftsinformatiker Norman Heinze stand das Gehalt nicht im Vordergrund. Ihm war wichtig, dass er nicht für den Papierkorb arbeitet: Was er für seine Masterarbeit herausfand, floss direkt in den Auftrag eines Kunden ein.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.04.2009)
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