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Weiterbildung mit 3-D-Simulation

Vom Polizeieinsatz bis zum Führungs-Know-how.
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No-Fiction. Maus und Tastatur steuern die Figuren – anders als in „ Avatar“. Foto: dpa dpa-Zentralbild
„Frau Koma kommt“, schallte es aus den Lautsprechern der Albertville-Realschule in Winnenden – doch die codierte Warnung für Schüler und Lehrer vor einem Amokläufer kam zu spät: 15 Menschenleben löschte der Täter aus, bevor er sich selbst erschoss. Die Polizei konnte ihn nicht stoppen. Damit Sicherheitskräfte für lebensgefährliche Einsätze mehr Routine bekommen, schulen einige Bundesländer, allen voran Baden-Württemberg, ihre Ordnungshüter mit einer Simulationssoftware am PC: Die vernetzten Polizisten lenken ihr Alter Ego durch die dreidimensionale Computerwelt, in der sich Gebäude, Wetter, Tageszeit oder beteiligte Personen vom Übungsleiter variieren lassen.

Die ferngesteuerten Figuren können mit anderen Übungsteilnehmern wie vorab instruierten Tätern oder Einsatzleitern direkt oder per Funk kommunizieren und interagieren. Allerdings funktioniert die Steuerung der Computerfiguren nicht Science-Fiction-mäßig wie im aktuellen Kultstreifen „Avatar“ von Regisseur James Cameron per Exo-Skelett und Gedankenscanner, sondern simpel per Maus und Tastatur. Dennoch lässt sich das Erstürmen eines Gebäudes oder die Kooperation mit einer Hubschrauberbesatzung bei einer Verfolgungsjagd realitätsnah – bis hin zur Geräuschkulisse – üben.

Den besonderen Vorteil virtueller Trainings erklärt Markus Herkersdorf vom Hersteller Tricat, der die Anwendungsvielfalt auf der Leitmesse für Lerntechnologien, der Learntec in Karlsruhe, zeigte: „Übungsleiter oder auch Coaches können nicht nur ihre Perspektive wechseln, sondern anhand des gespeicherten Geschehens auch das taktische Vorgehen, die Kommunikation und die Fortschritte der Lernenden detaillierter auswerten und für die Teilnehmer anschaulicher kommentieren.“ Damit steht das Pilotprojekt für einen wichtigen Trend im rund 237 Millionen Euro schweren deutschen E-Learning-Markt. „In den nächsten zwei Jahren entwickelt sich die Didaktik hin zum problemorientierten, aber spielerisch-experimentellen und verstärkt kooperativen Lernen mit Computerhilfe“, prognostiziert Andreas König, Professor von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Von diesem Bildungstrend profitiert aber nicht nur die Polizei, die hohe Kosten für reale Übungen mit Statisten, technischem Equipment und aufwendigen Szenarien spart. Vorteile haben auch die Führungskräfte von Unternehmen. Denn die „Serious Games“, die speziell Managementwissen, von Controlling-Know-how bis Gesprächsführung, spielerisch vermitteln, sind ebenfalls im Kommen. Unternehmen wie Union Investment, DHL, Lufthansa oder BASF nutzen solche Fortbildungsinstrumente. Die Idee hinter 3-D-Simulationen und komplexen Rollenspielen zur Weiterbildung basiert auf Erkenntnissen der Gehirnforschung. Gisela Volk vom Lernsoftware-Anbieter M.I.T E-Solutions sagt: „Die mit Informationen einhergehende Emotion verankert neues Wissen im Gedächtnis. Ohne die mit Heiterkeit und Begeisterung, Wut, Trauer oder Aggression verbundene Ausschüttung von Neurotransmittern wird nichts haften bleiben.“ Demnach besteht die Herausforderung darin, ein Lernspiel zum emotionalen Erlebnis zu machen.

So verpackt das Softwarehaus von Thorsten Bosch aus Schondorf seinen interaktiven Lernstoff für Manager in „Tatort“-Krimis oder James-Bond-Szenen. Doch auch wenn sich die Lernenden nach packendem Agentenspiel oder Polizeisimulation routinierter als zuvor fühlen, an Übungen am lebenden Objekt führt kein Weg vorbei. Markus Herkersdorf von Tricat weiß: „Spätestens wenn ein Täter in der Realität gestellt wird, muss jeder Handgriff sitzen.“ (HB)

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.02.2010)
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