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Coole Kiste

Fiat Doblo: Ab in die Kiste

So lang wie ein Opel Astra und so viel Platz wie ein E-Klasse-Kombi: Der neue Fiat Doblo hat mächtig zugelegt.
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Im Leben trifft man sich immer zwei Mal. So geht es auch einer wilden Bob-Mannschaft in noch wilderen Rastalocken aus Jamaika. Passend zur kommenden Winterolympiade in Kanada dürfen die Jungs noch mal ran – sie sind wieder Hauptdarsteller in einem italienischen Werbespot. Mittlerweise sind die Sportler gealtert, denn zwischen beiden Trailern liegen acht Jahre. Doch der Mannschaftswagen ist der gleiche: ein Fiat Doblo.

Halt! Der gleiche? Wohl kaum, denn eigentlich sind nur der Name sowie drei Prozent der Teile unverändert geblieben. Die zweite Doblo-Generation ist vollkommen neu – und grundlegend anders. Aus dem ehemals spartanischen Stadtlieferwagen mit Fenstern ist ein erwachsener Mannschaftstransporter geworden, der auffällig um Lifestyle bemüht ist. Fiat geht mit der neuen Mode in diesem Segment – und wird ebenso fett wie die aktuellen Kangoos und Berlingos! Doblo Nummer zwei, 2,7 Zentimeter höher und 13,7 Zentimeter länger als der Vorgänger, hat Hüftspeck angelegt: fast 11 Zentimeter. Und damit macht sich die coole Kiste von Fiat auf der Straße fast so breit wie eine Mercedes E-Klasse. Das macht sich bei der Parkplatzsuche in der City natürlich bemerkbar, auch wenn das fast so breite wie hohe Auto erfreulich übersichtlich geblieben ist.

Drinnen gibt es lichten Raum zuhauf. Nach dem bequemen Einstieg folgt der Aha-Effekt: In diesem Hochdach-Kombi kommt man sich vor wie im vatikanischen Petersdom. Das merkt der arme Beifahrer: Wenn der sich bei forscher Fahrt am Griff festhalten will, muss er Turnübungen machen und hängt dann wie ein Affe in den Wanten, so hoch ist die Haltehilfe angebracht. Auch wird einem sitzend erst so richtig klar, wie breit dieses Auto nun geworden ist. Will man, wie gewohnt, den Ellenbogen auf die Fensterbank legen, rutscht der ins Leere! Gut deshalb, dass sich die gepolsterte Armlehne in der richtigen Höhe befindet. Vorteil der XXL-Maße: Auf der zweiten Reihe lassen sich problemlos drei Kindersitze nebeneinander befestigen, die zuvor durch zwei serienmäßige Schiebetüren einfach an Bord gebracht worden sind. Da freut sich die Familie. Wie über den großen Kofferraum, in den alles Mögliche ganz einfach hineingepackt werden kann: Er ist eben, quadratisch, praktisch. Von 790 Liter bis 3200 Liter reicht die Spielwiese der Ladevariationen; das sind 200 mehr als bisher. Schade, dass der neue Doblo ohne die zweiflügelige (und deshalb praktische!) Hecktür auskommen muss. Stattdessen gibt es nun eine riesige, weit nach oben schwingende Klappe. Die kann er erst aufreißen, wenn hinter dem Auto mindestens zwei Meter „Luft“ ist. Besser, man besorgt sich einen Aufkleber, wie ihn Lkw tragen: „Bitte zwei Meter Rangierabstand halten“.

Manche werden vielleicht das letzte Quentchen Variabilität vermissen. Die zweite Reihe (Doppelbank und Einzelsitz) lässt sich nicht verschieben; lediglich zweimal umklappen. Immerhin:. Wer will, kann Doblo Nummer zwei zum echten Siebensitzer machen, muss dann allerdings mindestens 16 400 Euro anlegen. Denn Fiat koppelt die dritte Reihe an das höchste Ausstattungsniveau Family. In den Restkofferraum in Reihe vier passen dann nur noch zwei gefüllte Alditüten.

Erfreulich: Sicherheit ist für den Doblo kein Fremdwort mehr. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der elektronische Schleuderschutz ESP nun immer serienmäßig an Bord, ebenso wie sechs Airbags. Das bietet kein anderer in dieser Klasse. Reichhaltig ist auch das Motorenangebot. Kompliment: Alle vier Triebwerke (ein Benziner und drei Diesel mit Rußpartikelfilter) sind serienmäßig mit einem spritsparenden Start-Stopp-System ausgerüstet. Der 95 PS starke Basisbenziner (nur mit Fünfganggetriebe; ab 15 450 Euro) tut sich schwer mit der schweren Fuhre (rund 1,4 Tonnen leer). Der ist eher was für die Stadt. Besser in Szene setzt sich der durchzugskräftigere Diesel mit 1,3 Liter Hubraum und 90 PS (ab 17 250 Euro). Zum 135 PS starken Diesel für 21 700 Euro muss nur greifen, wem Antriebskraft über alles geht – das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet der 1,6-Liter-Diesel mit 105 PS. Mit dem bekommt man ab 19 500 Euro einen veritablen Reisewagen für die Großfamilie.

Auf langer Urlaubsfahrt offenbart der Doblo Talente, die man ihm nicht zugetraut hätte: erstens eine geschmeidige Federung und eine exakte Schaltung, die gut zu langen Touren passt. Zweitens dank präziser Lenkung und gut ausbalanciertem Fahrwerk ein handliches Fahrverhalten, das so gar nicht zu den XXL-Maßen passt. Drittens eine wirksame Geräuschdämmung, die das Auto angenehm leise macht. Überhaupt: Die Verarbeitungsqualität des in der Türkei produzierten Doblo wirkt trotz vieler Plastikteile beruhigend. Nichts klappert, nichts stört. Und so fährt man entspannt, vermisst eigentlich nichts – Händlerstart am 27. Februar.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.01.2010)
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von kuhlmanne kuhlmanne ist gerade offline | 10.1.2010 11:06 Uhr
Klappe hat große Vorteile
"Schade, dass der neue Doblo ohne die zweiflügelige (und deshalb praktische!) Hecktür auskommen muss. Stattdessen gibt es nun eine riesige, weit nach oben schwingende Klappe."
Das ist überhaupt nicht schade, ich fahre auch Van mit einer solchen Klappe und freue mich immer, bei Regen im Trocknen laden zu können. Wie oft bin ich schon beneidet worden, wenn ich bei Regen vorm Supermarkt in Ruhe auch bei Regen einlade.
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von Stag Stag ist gerade offline | 12.1.2010 15:40 Uhr
automatikfeindliches Europa
Immer wieder bin ich enttäuscht, dass bei den neuen Modellen in diesem Land und in Europa die Option für ein Automatikgetriebe fehlt. Dabei schreit so ein Familienauto, in dem es in der Regel ohnehin scnon hoch her geht, nach einer entspannten Fahrweise. Handelt es sich dabei noch um ein Doppelkupplungsgetriebe, verbraucht man nicht mal mehr Sprit. Wer unbedingt schalten will, sollte diese Möglichkeit natürlich auch haben, aber die Gelassenheit, die eine Automatik vermittelt, ist immer ein Beitrag zu mehr Sicherheit auf unseren Straßen. Wenn überhaupt ein automatisches Getriebe angeboten wird, ist es meist nur mit der Maximalmotorisierung kombinierbar, warum muss das so sein?

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