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Peugeot 5008

Die Nummer merk ich mir

Gar nicht so leicht, die vielen Peugeot auseinanderzuhalten – wir haben uns den neuen 5008 angeschaut.
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Limousinen in der unteren Mittelklasse sterben den langsamen Tod. Dagegen hat sich in den letzten zehn Jahren der Anteil der variablen Familienkutschen vom Schlage eines Renault Scenic, Opel Zafira oder VW Touran verdreifacht. Hexerei? Nein, vielmehr kühle Überlegung von Familienvätern und -Müttern: Ein praktisches Auto muss her, eines für alle (Transport-)Fälle des Alltags. Aber auch eines, mit dem man in der Freizeit bestens für die spaßigen Dinge des Lebens gerüstet ist. Und nicht zuletzt eines, das sich beim Fahren nicht als Langweiler outet.

Auch Peugeot hat erkannt, dass kompakte Vans immer beliebter werden – und hat gerade seine Interpretation des Themas zu den Händlern gestellt. Die Franzosen starten spät. Anders als in der Politik muss das kein Nachteil sein: Nur wer nachhängt, kann sich das Beste von den anderen abschauen.

Das hat Peugeot getan, und dabei ist man geschickt vorgegangen. Der neue 5008 kommt quasi als XL-Version des im Juni gestarteten 3008; beide nutzen Komponenten des 308. Versucht der 3008 als so genannter Crossover noch den Spagat zwischen Van, Kombi und SUV, so ist der 5008 ein reinrassiger Van. Er kann auf dem Erfolg des 3008 aufbauen, von dem in den fünf Monaten seit Marktstart bereits 40 000 Stück verkauft worden sind. Anders sein als die anderen – das kommt längst auch in der Autobranche an.

Der 5008, mit 11,5 Zentimeter größerem Radstand als sein kleiner Bruder 3008, gehört zu den stattlichen Erscheinungen dieser Spezies. Er ist zwölf Zentimeter länger als der Platzhirsch dieser Klasse, der VW Touran; aber genau so lang wie der neue Renault Grand Scenic mit wahlweise sieben Sitzen. Doch man muss es den Peugeot-Leuten lassen: Sie haben die Größe geschickt übers Blech verteilt – sogar so, dass mit 0,29 ein sportwagenverdächtiger Luftwiderstandsbeiwert (cw) herausgekommen ist.

Innen haben die Ingenieure bis zu sieben Sitze intelligent angeordnet. Wenn man sich nicht beim Verstellen der Rücksitzlehne die Hand quetschen würde, und wenn statt der ungenauen Ratsche eine stufenlose Verstellung per Handrad vorhanden wäre – dann könnte der Komfort perfekt sein. In der Mitte warten drei gleich große Sitze auf Gäste; alle mit Isofix-Kindersitzbefestigungen, um die Kleinen zu sichern. Die Sessel lassen sich einzeln um bis zu 13 Zentimeter verschieben und völlig plan in den Boden falten. Das geht mit einem Handgriff; auch für die Frau ist das Ganze leicht. Wer das Gestühl für die dritte Reihe ordert (Aufpreis: klassenübliche 700 Euro), bekommt zwei Notsitze für Heranwachsende oder Erwachsene für die kurze Fahrt zum Bahnhof um die Ecke. Cleverer gelöst als andere haben die Franzosen den Zustieg. Der äußere Sitz in Reihe zwei klappt mit einem Handgriff wie ein Theaterstuhl hoch, gleitet dann leicht nach vorn. Das ist Spitze.

Diese Wertung gilt auch für die gebotene Qualität: So hochwertig in den verwendeten Materialien sowie in der Verarbeitung präsentierte sich uns bislang noch kein Peugeot. Die große Karosserie (Laderaum von 679 bis 1774 Liter) ist steif wie eine Burg. Und klapperfrei. Auch hatte noch kein Peugeot in dieser Klasse soviel Sicherheit an Bord. Als erster verfügt der 5008 über durchgehende Kopfairbags für alle drei Reihen. In der Preisliste findet sich auch viel Spielerei: So gibt es für 600 Euro einen Abstandswarner samt Head-up-Display, das Infos auf die Frontscheibe projeziert. Nett, nur signalisiert der Abstandswarner lediglich optisch, wenn man zu dicht auf den Vordermann auffährt. Er bremst nicht wie ein echter Radartempomat (O-Ton Peugeot: „In dieser Klasse zu teuer.“). Das Display zeigt auch keine Signalpfeile des optionalen Navisystems an (950 Euro: ab mittlerer empfehlenswerter Ausstattung Premium) – also besser das Videopaket für die Kids wählen (für ebenfalls 600 Euro). Es umfasst zwei große Bildschirme samt zweier Bluetooth-Kopfhörer; jeder kann also sein eigenes Spiel spielen.

Apropos Spiel: Der 5008 ist ein guter Spielkamerad. Für seine Größe lässt er sich ausgesprochen handlich bewegen. Man hat das Gefühl, in einem Pkw mit höherer Sitzposition zu reisen, der einfach noch ein Stück Blech hinten dran hat. Die Franzosen sind nun auch auf den deutschen Geschmack gekommen. Zumindest was die Feder-Dämpfer-Abstimmung betrifft: knackig, aber nicht hart- optimal für hohen Reisekomfort. Zu dem tragen auch die Motoren bei: vier gibt es zum Marktstart (siehe Kasten). Die beiden Benziner (120 und 156 PS) stammen aus einer Gemeinschaftsentwicklung mit BMW. Wir sind den großen gefahren: einfach klasse. Leise, durchzugskräftig und – vernünftig gefahren – auch kein Säufer. Der große Diesel (150 PS) ist ein kultivierter Kraftmeier, aber 1900 Euro teurer als der Benziner. Ab April 2010 wird eine Sechsstufenautomatik für den großen Diesel angeboten.

Am Preisniveau gibt es im Vegleich zur konkurrenz wenig zu mäkeln: Bei 21 500 Euro geht’ s los– damit ist die XL-Familienkutsche aus Frankreich nur 500 Euro teurer als ein VW Golf mit 122 PS.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.11.2009)
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