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Bildungsstreik

HU überarbeitet Bachelor

Der Akademische Senat unterstützt die Protestierenden und beschließt unter dem Jubel der Studierenden, dass die HU bis zum Wintersemester 2010/11 alle Bachelor- und Masterstudiengänge überarbeiten soll.
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Fordernd. Streikaktivisten bauten an der HU eine "Klagemauer" auf. - Foto: Thilo Rückeis
Zum Schluss applaudierten die Studierenden immer wieder den Professoren im Akademischen Senat (AS) der Humboldt-Universität. Eigentlich waren mehrere Dutzend Bildungsstreik-Aktivisten am gestrigen Dienstag in das Gremium gekommen, um dort ihre Forderungen vorzustellen – auf lautstarke Protestaktionen der Studierenden hätte man also gefasst sein können. Doch schnell stellte sich heraus, dass auch die Professoren, die wissenschaftlichen und sonstigen Mitarbeiter in dem Gremium viele Forderungen der Studierenden unterstützen. So beschloss der AS unter dem Jubel der Studierenden, dass die HU bis zum Wintersemester 2010/11 alle Bachelor- und Masterstudiengänge überarbeiten soll. Geprüft werden soll auch, ob die Anwesenheitskontrollen im Studium abgeschafft werden. In einer einstimmig gefassten Resolution begrüßte der AS „die konstruktiven, auf konkrete Maßnahmen zielende Ausrichtung der Protestwoche“.

Zwei Stunden lang diskutierten die Studierenden mit den Mitgliedern des Gremiums. Zu Beginn trug eine Aktivistin bundesweite Forderungen des Bildungsstreiks sowie HU-interne Wünsche der Studierenden vor. Zwar stimmte der AS nicht allen Forderungen zu – so sei es völlig weltfremd, die weitere Teilnahme an der Exzellenzinitiative aus ideologischen Gründen infrage stellen zu wollen, sagten mehrere AS-Mitglieder. Auch die von den Studierenden gewünschte Viertelparität wurde abgelehnt. „Wer zu viel will, will nichts“, warnte der Philosoph Volker Gerhardt.

Doch schnell war klar, dass die Studierenden bei Professoren und Unileitung vor allem bei der Überarbeitung der Bachelor- und Masterstudiengänge „offene Türen einrennen“, wie der Historiker Johannes Helmrath sagte. „Wir unterstützen das, das entspricht dem, was wir vorhatten“, sagte Uwe Jens Nagel, Vizepräsident für Studium und Lehre. Der Geograf Elmar Kulke räumte ein: „Wir haben Anfängerfehler gemacht.“ Bei der Überarbeitung sollen die Studierbarkeit verbessert und die Arbeitsbelastungen reduziert werden. Geprüft werden soll, wie für Studierende mehr Freiräume geschaffen werden können.

Mit elf zu sieben Stimmen konnten die Studierenden ihre Forderung durchbringen, dass der AS sich dafür einsetzt, die Anwesenheitskontrollen in Seminaren und Vorlesungen abzuschaffen. Als das Ergebnis feststand, schüttelten viele Studierende ungläubig den Kopf. Allerdings muss das Vorhaben noch weitere Hürden nehmen. Der AS beschloss mit Unterstützung durch das Präsidium auch, dass die umstrittenen „Funktionsstörungsatteste“ abgeschafft werden sollen. Bei diesen Attesten muss die genaue Art der Krankheit aufgeführt werden. Einige Fächer verlangen sie bei Prüfungen statt der üblichen Krankschreibung. Tilmann Warnecke

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.06.2009)
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