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Infektionen

Wirksamer Grippeschutz

Häufiges Händewaschen bewahrt vor Krankheiten.
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Wir fühlen uns zu sicher: Ärzte und Laien überschätzen den Effekt von Impfungen und Medikamenten gegen Infektionskrankheiten. Deshalb vernachlässigten sie ganz einfache, aber wirksame Maßnahmen, kritisiert der Bonner Hochschul-Hygieniker Martin Exner. Angesichts der bedrohlich wachsenden Resistenz von Krankheitserregern gegen Antibiotika besinnt man sich jetzt zwar in den Kliniken wieder auf die bewährten Hygieneregeln; im Alltag aber werden sie vielfach nicht beachtet.

Auch die Forschung ignorierte lange das Problem, obgleich die meisten Erreger zum Beispiel von Magen-Darm- Krankheiten oder von bestimmten Lungenleiden im privaten Umfeld übertragen werden. Im Editorial eines Themenheftes „Hygiene im Alltag“ des Bundesgesundheitsblatts (Band 51 Nr. 11/08) schreibt Exner, die darin publizierten wissenschaftlichen Arbeiten könnten „nur der Anfang für die erforderliche umfangreiche Verankerung der Hygiene im Alltag sein“. Auch die internationale Forschung müsse sich Gedanken darüber machen, wie diese Verankerung im Bewusstsein der Bevölkerung erreicht werden könne.

Ein aktuelles Beispiel ist die Frage, wie jeder selbst dazu beitragen kann, sich und andere vor der Influenza zu schützen. „Mit Wasser und Seife gegen die Grippe“, lautet der Rat von Gerald Meilicke und anderen Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts. Unter diesem Titel erläutern sie in dem erwähnten Fachblatt die Ergebnisse einer Studie. Häufiges Händewaschen – jetzt in einer großen internationalen Kampagne fürs medizinische Personal propagiert – nützt auch Laien. Es schützt vor Ansteckung nicht nur mit Grippeviren, sondern auch mit anderen Krankheitserregern.

Die systematische Befragung eines Querschnitts der Bevölkerung zeigte den Forschern, wie groß die Informationslücken sind. Nicht geläufig ist vielen schon der Unterschied zwischen den relativ harmlosen, in diesem Winter allerdings oft hartnäckigen, akuten Atemwegsinfekten und der schlagartig beginnenden, komplikationsträchtigen echten Grippe, der Influenza. Das liegt aber auch am verwirrenden Sprachgebrauch: Der akute Atemwegsinfekt mit Husten und/oder Schnupfen („Erkältung“) heißt auch „grippaler Infekt“. Und die Influenza nennen selbst Wissenschaftler „Virusgrippe“, obgleich auch die akuten Atemwegsinfekte ganz überwiegend von Viren verursacht werden, wenn auch von anderen als die echte Grippe. Deshalb kann die Grippeimpfung „Erkältungen“ nicht verhindern.

Trotz der unbedingt berechtigten allgemeinen Empfehlung verhindert die Impfung aber auch die echte Grippe nicht mit Sicherheit, vor allem nicht bei Älteren, denen das Virus lebensgefährlich werden kann. (Immerhin verhütet sie bei ihnen etwa jeden dritten Grippetodesfall.) Auch die Wirkung der gegen die Influenzaviren entwickelten Arzneimittel (Amantadin, Oseltamivir, Zanamivir) wird überschätzt. Sie kürzen die Krankheitsdauer nur um etwa einen Tag ab – sofern die Viren noch nicht gegen die Substanzen resistent geworden sind – und können schwere Nebenwirkungen haben.

Vor diesem Hintergrund ist der Appell der Wissenschaftler verständlich, das dritte Mittel gegen die Grippe regelmäßig anzuwenden: Hygiene, also selbst etwas gegen die Ansteckungsgefahr zu tun. Dazu muss man aber die Übertragungswege der Erreger kennen. Die Studie zeigt, dass den meisten Befragten nur der „Luftweg“ der Viren bekannt ist. Man schützt sich also nach Möglichkeit davor, angehustet oder angeniest zu werden.

Die Wirksamkeit des Händewaschsens – oft, gründlich und mit Seife – zum Grippeschutz war den Befragten nicht bewusst. Wurden sie aber über diesen leicht zu verhindernden Übertragungsweg informiert, dann „wird das Händewaschen als überraschend einfaches Mittel zur persönlichen Gesundheitspflege wahrgenommen“. Wir haben’s begriffen. Es muss ja nicht gleich in Waschzwang ausarten. Rosemarie Stein

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.03.2009)
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