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Interview

„Platzeck liegt falsch“

"Einen Wiederholungszwang gibt es nicht": Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler über Unterschiede zwischen NS-Staat und DDR
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Heinrich August Winkler. Auf den Berliner Historiker beruft sich Matthias Platzeck in seinem umstrittenen Essay. - Foto: Mike Wolff
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck vergleicht die politische Integration früherer Funktionsträger des SED-Regimes mit der Rehabilitation von Angehörigen der Waffen-SS in der Nachkriegszeit – zu Recht?

Platzeck beruft sich auf Kurt Schumacher. Der damalige SPD-Vorsitzende, der in der NS-Zeit lange Jahre im KZ verbracht hatte, verwies auf die Tatsache, dass unter den jüngeren Angehörigen der Waffen-SS auch viele waren, die ihr gezwungenermaßen beitraten. Da plädierte er zu Recht für ein differenziertes Vorgehen. Eine direkte Parallele hierzu in der Zeit nach 1990 sehe ich nicht.

Platzeck beruft sich dabei auch auf ein Zitat von Ihnen: „Vergleichen heißt nicht gleichsetzen, sondern nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten fragen.“ Fühlen Sie sich instrumentalisiert?

Platzeck zitiert mich korrekt. Wenn man aber NS-Staat und DDR konsequent vergleicht, fällt als ein wesentlicher Unterschied auf, dass Hitlers Herrschaft bis zum Ende des sogenannten „Dritten Reiches“ einen massenhaften Rückhalt hatte. Dagegen konnte sich die SED immer nur auf eine Minderheit stützen. Nach 1945 gab es folglich keine realistische Alternative dazu, den weniger belasteten ehemaligen Nationalsozialisten eine zweite Chance zu geben. Andernfalls wäre ein riesiges Reservoire an unzufriedenen, sich diskriminiert fühlenden Menschen entstanden, die Adressaten rechtsradikaler Parteien geworden wären. In der ehemaligen DDR gab es nach 1990 aber sehr wohl personelle Alternativen zur Weiterbeschäftigung belasteter Kräfte.

Ist denn ein Vergleich der Systeme in diesem Fall überhaupt gerechtfertigt?

Wenn man konsequent vergleicht, kann das sinnvoll sein. Aber Platzeck sagt nicht, was beide Regime tatsächlich gemeinsam hatten: den Anspruch auf den ganzen Menschen und Schaffung eines neuen Menschen – beide waren dem Anspruch nach totalitär. Zudem liegt Platzeck einfach falsch: Wir sollten aus dem nach 1945 weithin unvermeidlichen schonenden Umgang mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern keinesfalls folgern, dass die damals getroffenen hochproblematischen Entscheidungen heute wiederholt werden müssen. Die Quittung für das Beschweigen und Vertuschen politischer Belastungen hat mit zu der Studentenrebellion von 1968 geführt. Einen Wiederholungszwang gibt es nicht.

Seit 1990 wurden viele Leistungsträger aus der DDR-Zeit „abgewickelt“. Ist ihnen Unrecht geschehen?

Insbesondere in Brandenburg gab es eine hohe personelle Kontinuität in Verwaltung, Gerichten und Schulen. Auch daher rühren die heute viel beklagte fehlende Auseinandersetzung mit dem Erbe der DDR an den Schulen und eine vielfach apologetische Geschichtsinterpretation. An den Unis dagegen wurde auf ostdeutsche Alternativen, aber verstärkt auch auf westdeutsches Personal zurückgegriffen. Die Hochschulen wären ohne eine weitgehende personelle Erneuerung in ideologienahen Fächern auch nicht konkurrenzfähig geworden.

Müssen die etablierten bürgerlichen Parteien der enttäuschten Minderheit stärker entgegenkommen, um sie zu integrieren?

Nicht nachgeben dürfen Demokraten in der Frage, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Ein Unrechtsstaat beginnt nicht mit Konzentrationslagern und Massenvernichtung, sondern mit der Vorenthaltung von Menschen- und Bürgerrechten, mit der Aufhebung der Gewaltenteilung, der Abschaffung einer unabhängigen Justiz und der Unmöglichkeit, Regierende in freien Wahlen abzulösen. All dies war in der DDR gegeben. Würde man dem Begriff Unrechtsstaat entgegenhalten, dass es Rechtsbereiche gab, in denen formal korrektes Recht gesprochen wurde, so gilt das mit Blick auf das bürgerliche Recht auch für NS-Deutschland.

Heinrich August Winkler (70) ist Historiker der Humboldt-Universität zu Berlin. Er wurde im Jahr 2007 emeritiert. Der erste Band seiner „Geschichte des Westens“ ist gerade erschienen.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
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Comment
von lautemann lautemann ist gerade offline | 3.11.2009 17:54 Uhr
Platzeck liegt falsch
Ist denn ein Vergleich der Systeme in diesem Fall überhaupt gerechtfertigt? Wenn man konsequent vergleiche, lesen wir, und zu seinen Schlussfolgerungen und nicht zu denen von Platzeck komme, könne das durchaus sinnvoll sein. Aber Platzeck sage nicht, was beide Regime tatsächlich gemeinsam hatten: "den Anspruch auf den ganzen Menschen und Schaffung eines neuen Menschen – beide waren dem Anspruch nach totalitär". Zudem liege Platzeck einfach falsch: Wir sollten aus dem nach 1945 weithin unvermeidlichen schonenden Umgang mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern keinesfalls folgern, dass die damals getroffenen hochproblematischen Entscheidungen heute wiederholt werden müssen. Die Quittung für das Beschweigen und Vertuschen politischer Belastungen habe mit zu der Studentenrebellion von 1968 geführt. Einen Wiederholungszwang gebe es nicht".
Was soll das?
Solche Debatten, beseelt vom Zwang und Drang zu widerlegen und Recht zu haben, sind gespenstisch: die Vergangenheit ist immer gespenstisch. Man soll sich anschauen, was heute ist. Würde der Berliner Historiker Heinrich August Winkler das tun, dann bräuchte er nicht in sehr akademischer und langweilender Weise über Unterschiede zwischen NS-Staat und DDR öffentlich nachdenken und zu Ergebissen kommen, die nicht verifizierbar sind und für die sich niemand wirklich interessiert, außer er selber.
Genau so sinnlos sind seine Ausführungen, ich zitiere: "Nicht nachgeben dürfen Demokraten in der Frage, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Ein Unrechtsstaat beginnt nicht mit Konzentrationslagern und Massenvernichtung, sondern mit der Vorenthaltung von Menschen- und Bürgerrechten, mit der Aufhebung der Gewaltenteilung, der Abschaffung einer unabhängigen Justiz und der Unmöglichkeit, Regierende in Wahlen abzulösen". Hmm.
Was viel interessanter wäre, ist die Frage, welches Unrecht heute "systemisch" ist, in unserer Demokratie. Damit sollte er sich gelegentlich mal beschäftigen, ich meine natürlich die Verfassungswirklichkeit.
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von beobachter73 beobachter73 ist gerade offline | 3.11.2009 21:12 Uhr
In einem haben Sie Recht
(... Solche Debatten, beseelt vom Zwang und Drang zu widerlegen und Recht zu haben, sind gespenstisch: die Vergangenheit ist immer gespenstisch. Man soll sich anschauen, was heute ist....)

Es kommt darauf an, was heute ist. Ja, genau. Was aber, wenn die Leute, die gestern Unrecht getan haben, es weiterhin für Recht halten und es gerne wieder tun würden, wenn man sie nur ließe? Wie wichtige Leute in der Linken noch "heute" ticken, kann man bei Hubertus Knabe eindrucksvoll nachlsen.

Nochmal: Es geht um heute, und es geht um Morgen. Und gerade deshalb muss man Platzecks Kurs so genau und kritisch verfolgen.
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 3.11.2009 21:34 Uhr
@ lautemann (3.11.2009, 17:54 Uhr)
Was viel interessanter wäre, ist die Frage, welches Unrecht heute "systemisch" ist, in unserer Demokratie. Damit sollte er sich gelegentlich mal beschäftigen, ich meine natürlich die Verfassungswirklichkeit.

Dem stimme ich zu. Aber gerade deswegen halte ich im Gegensatz zu Ihnen die Arbeit von Winkler für wichtig.
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 3.11.2009 18:28 Uhr
Winkler irrt
Mein Bild von der DDR hängt nicht davon ab, ob man sie nun Unrechtsstaat nennt oder nicht. Die Definition, die Winkler hier liefert, ist treffend. Jedoch irrt Winkler, wenn er betont, daß auch in NS-Deutschland im bürgerlichen Recht ("formal") richtiges Recht gesprochen wurde.

Adolf Hitler beschreibt die nationalsozialistische Weltanschauung selbst mit folgenden Eckpunkten:

- Rassenideologie der arisch-nordischen Vorherrschaft
- Judenhaß
- biologischer Auslesekampf
- Absage an alle humanen Gesichtspunkte

Damit ändern sich die Wertmaßstäbe auch in der Privatrechtsordnung und Fachpublikationen hießen dann etwa "Rasse und Erbe", "Rasse als Ursprung, Träger und Ziel des deutschen Volksrechts", "Liberalismus, Nationalsozialismus und bürgerliches Recht", "Der Heimweg des Rechts in die völkische Sittenordnung" usw. usf.
Entsprechende Formen nahmen dann auch die Deformationen an, denen das Zivilrecht ausgesetzt war, etwa bei Generalklauseln, Eigentumsfragen, Verträgen, Dienstverhältnissen, Erbsachen, Familienangelegenheiten.

Wenn hingegen ein "Unrechtsstaat" seine Wertmaßstäbe auch nach sozialen Gesichtspunkten ausrichtet, dann wird spätestens hier klar, daß "Unrechtsstaat" nicht gleich "Unrechtsstaat" ist. Vielleicht stößt diese pauschale Beurteilung manchen ehemaligen DDR-Büger so auf und es ist wirklich zu fragen, was diese Etikettierung soll? Was wird damit erreicht? Niemand bestreitet, daß es Unrecht und Verbrechen war, Menschen an der Mauer zu erschießen und Andersdenkende zu verfolgen und einzusperren.
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von Diabolo Diabolo ist gerade offline | 4.11.2009 0:20 Uhr
Unwertmaßstäbe


Zitat von s.theile

Wenn hingegen ein "Unrechtsstaat" seine Wertmaßstäbe auch nach sozialen Gesichtspunkten ausrichtet, (...) Niemand bestreitet, daß es Unrecht und Verbrechen war, Menschen an der Mauer zu erschießen und Andersdenkende zu verfolgen und einzusperren.


Aber man versucht, dieses Unrecht und diese Verbrechen zu verharmlosen und zu relativieren. Was sollen das für Wertmaßstäbe sein, wenn sie zu Mauerbau und Verfolgung, Inhaftierung, Mißhandlung und Liquidierung Andersdenkender führen ? Alles halb so wild, wenn man statt der Rassenfeinde nur die Klassenfeinde in den Gulag steckt, weil ja die Wertmaßstäbe dann nach sozialen Gesichtspunkten ausgerichtet sind ?
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 4.11.2009 10:59 Uhr
@ Diabolo (4.11.2009, 0:20 Uhr)
Die Folgen, die Sie hier aufzählen, waren Ergebnis des Totalitätsanspruches des Machthaberregimes, aber nicht Ausfluß eines bestimmten Menschenbildes oder Wertgefüges. Im Stalinismus wurde nicht zwischen dem "edlen" Sozialisten und dem "unwerten" Klassenfeind unterschieden.
Das bildet einen Unterschied zum Nationalsozialismus. Dort hielt gemäß der ideologischen Weltanschauung im Strafrecht die sogenannte Lehre vom Tätertyp Einzug, das Institut der Rechtsfähigkeit im bürgerlichen Recht war Einschränkungen unterworfen, je nach dem, ob man etwa Teil der sogenannten Volksgemeinschaft war oder nicht. Niemand, der aber in der DDR aus politischen Gründen ins Gefängnis mußte, verlor hierdurch im zivilrechtlichen Sinne seine Rechtsfähigkeit.

Auch Sie arbeiten hier letztlich mit Unterstellungen, anstatt wirklich zu begründen, wodurch die Verbrechen an den Opfern des Stalinismus relativiert werden. Und das fehlt mir hier, auf beiden Seiten.
Die Definition des Begriffs Unrechtsstaat, so wie sie Winkler hier liefert, ist zutreffend. Gysi beschreibt die Zustände in der DDR in keiner Weise anders, fügt aber noch das hinzu, was aus seiner Sicht zum Begriff Unrecht auch dazugehört. Das ist in meinen Augen ebenfalls eine berechtigte Position, weil sie nichts von der Schärfe nimmt, mit der die zuerst genannten Punkte kritisiert werden.

Im Gegensatz dazu verfolge ich interessiert die Diskussion hier und fühle mich dabei etwas in der Rolle des unbeteiligten Dritten. Denn wenn man sich einmal eng am Begriff Unrechtsstaat bewegen würde, dann würde sich hier vieles erledigen. Mein Eindruck ist, daß damit auf beiden Seiten noch ganz andere Dinge abgehandelt werden sollen.
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von Diabolo Diabolo ist gerade offline | 5.11.2009 21:01 Uhr
Schluß mit der DDR-Verharmlosung


Zitat von s.theile

Die Folgen, die Sie hier aufzählen, waren Ergebnis des Totalitätsanspruches des Machthaberregimes, aber nicht Ausfluß eines bestimmten Menschenbildes oder Wertgefüges.


Um das Machthaberregime geht es doch gerade, wenn die Frage zu beantworten ist, ob die DDR ein Unrechtsstaat war. Und was bringt Sie auf den verwegenen Gedanken, es wäre möglich, auf Basis des sozialistischen Menschenbilds und Wertgefüges ein funktionierendes Wirtschafts- und Staatswesen zu schaffen, ohne auf totlitäre Methoden zurückgreifen zu müssen


Zitat von s.theile

Im Stalinismus wurde nicht zwischen dem "edlen" Sozialisten und dem "unwerten" Klassenfeind unterschieden.

.
Die politischen Gefangenen in der ehemaligen DDR dürfte sich dieser kühnen These kaum anschließen können.


Zitat von s.theile

... Unterschied zum Nationalsozialismus. Dort hielt gemäß der ideologischen Weltanschauung im Strafrecht die sogenannte Lehre vom Tätertyp Einzug ...


Die gesamte DDR-Justiz war Werkzeug der SED um den totalitären Machtanspruch des Regimes durchzusetzen, wenn man sie überhaupt bemüht hat und mißliebige Personen nicht einfach in die Psychiatrie verfrachtet und sie dort mit Psychopharmaka gebrochen hat oder sie von der Stasi als feindlich negative Elemente "zersetzen" ließ. Die kriminelle Energie, die zur Installation und Aufrechterhaltung beider Justizsysteme erforderlich war, nimmt sich nichts.


Zitat von s.theile

Niemand, der aber in der DDR aus politischen Gründen ins Gefängnis mußte, verlor hierdurch im zivilrechtlichen Sinne seine Rechtsfähigkeit.


Was für eine üble Beschönigung ! Eltern wurden die Kinder weggenommen und diese zwangsweise in linientreue Familien gesteckt. Verwandschaftsverhältnisse sind Zivilrecht. Einen tiefgreifenderen Eingriff in zivile Rechte kann ich mir nicht vorstellen - die DDR-Verharmloser offenbar schon.


Zitat von s.theile

Sie arbeiten (...) mit Unterstellungen


Welchen ?
Comment
von Diabolo Diabolo ist gerade offline | 5.11.2009 22:07 Uhr
Unrecht bleibt Unrecht


Zitat von s.theile

anstatt wirklich zu begründen, wodurch die Verbrechen an den Opfern des Stalinismus relativiert werden.


Indem man den Abstand zwischen SED und NSDAP in der Hierarchie der Grausamkeit großredet, die Parallelen und Gleichheiten beider Systeme leugnet, verharmlost und wegdefiniert und keine intellektuelle Verrenkung unversucht läßt, um die DDR vom Makel reinzuwaschen, ein wirklich übler Unrechtsstaat gewesen zu sein.


Zitat von s.theile

Gysi beschreibt die Zustände in der DDR in keiner Weise anders, fügt aber noch das hinzu, was aus seiner Sicht zum Begriff Unrecht auch dazugehört.


Herr Gysi legt den Maßstab derart hoch, daß die DDR gerade noch so darunter hindurch passt. Der Mann ist ein Blender und m.E. sagt er auch über seine Stasi-Verstrickung nicht die Wahrheit.


Zitat von s.theile

Das ist in meinen Augen ebenfalls eine berechtigte Position, ...


In meinen nicht.


Zitat von s.theile

..., weil sie nichts von der Schärfe nimmt, mit der die zuerst genannten Punkte kritisiert werden.


Herr Gysi verwischt den Zusammenhang zwischen den von ihm nur halbherzig kritisierten Verbrechen einerseits und dem System, das diese Verbrechen zum Funktionieren brauchte sowie den Mittätern und Mitläufern andererseits. Er kritisiert stalinistische Verbrechen, leugnet aber den Zusammenhang der stalinistischen Verbrechen mit den Stalinisten und denen, ohne deren Kooperation der Stalinismus nicht möglich gewesen wäre.
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 6.11.2009 21:37 Uhr
Ist ja gut, Diabolo (5.11.2009, 22:07 Uhr)
Ich kann einerseits Ihren Ärger verstehen, andererseits kritisiere ich Ihre Haltung, da sie auf folgendes hinausläuft. Anhand von Fallkatalogen wird versucht darzulegen, daß alles an der DDR schlecht war, weil sie genauso totalitär war wie das NS-Regime. Um sich dabei aber nicht in Verdacht zu begeben, beides miteinander gleichzusetzen, wird darauf hingewiesen, daß es natürlich auch Bereiche gab, wo "richtiges" Recht gesprochen wurde. Aber gerade hierdurch erfolgt die Gleichsetzung, da Unterschiede durch dieses "Natürlich fiel auch dort der Groschen runter und nicht rauf" nivilliert werden, sie geraten zur Nebensächlichkeit, Belanglosigkeit.

Die Unterschiede zwischen der DDR und dem NS-Regime sind aber nicht unbeachtlich und die Differenzierung ist nicht deshalb eine "intellektuelle Verrenkung", weil Sie im allgemeinen zu faul sind genau hinzusehen und hier im besonderen zu bequem, sich mit rechtswissenschaftlichen Themen und ihren Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen.

Auf Reden und Schwarz-Weiß-Denken habe ich aber keine Lust. Ich sage Ihnen das hier so offen, da ich ja wie der Gysi schlecht weg komme und Sie mir persönlich "üble Beschönigungen" unterstellen. Sie zählen zusammenhanglose Beispiele auf und legen nur dar, daß die DDR ein totalitäres Regime war. Wenn Sie meine Worte genau verfolgt hätten, dann hätten Sie erkannt, daß ich nichts anderes gesagt habe. In diesem Sinne war die DDR ein Unrechtsstaat. Winklers Definition ist richtig, Sie hören hier keinen Widerspruch. Und ich verteidige auch nichts, da es für mich nichts verteidigenswertes gibt.
Comment
von Diabolo Diabolo ist gerade offline | 8.11.2009 18:50 Uhr
Berichtigungen


Zitat von s.theile

... Ihre Haltung, da sie auf folgendes hinausläuft. Anhand von Fallkatalogen wird versucht darzulegen, daß alles an der DDR schlecht war ...


Das ist falsch. Meine Haltung läuft darauf hinaus, daß am Staatssystem DDR eben nicht alles, aber sehr, sehr viel mehr schlecht war, als die heutigen Apologeten wahrhaben wollen. Und da die Verklärung der Vergangenheit in Wählerstimmen umgemünzt wird, kann man allen Versuchen, das DDR-Unrecht aus Rücksicht auf die damaligen Mittäter und Mitläufer zu verharmlosen, nicht energisch genug widersprechen.


Zitat von s.theile

Aber gerade hierdurch erfolgt die Gleichsetzung, da Unterschiede (...) nivilliert werden, sie geraten zur Nebensächlichkeit, Belanglosigkeit.


Ebenfalls unrichtig. Die Unterschiede sind eben nur sehr viel kleiner als die SED-Fortsetzer dies zugeben können und/oder wollen. Der Unrechtscharakter beider Systeme unterscheidet sich in meinen Augen nur quantitativ, nicht jedoch qualitativ.


Zitat von s.theile

weil Sie im allgemeinen zu faul sind genau hinzusehen und hier im besonderen zu bequem, sich mit rechtswissenschaftlichen Themen und ihren Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen.


Die rechtswissenschaftlichen Begrifflichkeiten sind mir durchaus geläufig. Daher weiß ich auch, daß in der Rechtswissenschaft etliche Regalmeter mit fachlichen Meinungen hochqualifizierter Professoren vorhanden sind, die von der Mehrheit der Kollegen und höchstrichterlicher Rechtsprechung für abwegig und irrelevant erklärt werden.

Stellen Sie vier Juristen zusammen und sie erhalten fünf Meinungen. Mitnichten bin ich zu faul, mich mit rechtswissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Die juristischen Spitzfindigkeiten beeindrucken mich bloß nicht. Und ohne Schwarz-Weiß Entscheidungen kommen sogar Juristen mitunter nicht aus. Freispruch ist Freispruch, alles andere Verurteilung.

Leider nicht ganz unrecht haben Sie allerdings, daß es mir gelegentlich an
Präzision gebricht. Ich bemühe mich um Besserung.
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von commentator commentator ist gerade offline | 19.11.2009 15:31 Uhr
Der Diabolo steckt im demokratischen Detail


Zitat von Diabolo

Was sollen das für Wertmaßstäbe sein, wenn sie zu Mauerbau und Verfolgung, Inhaftierung, Mißhandlung und Liquidierung Andersdenkender führen ?




Nehmen wir Ihre Aufzählung einmal der Einfachheit halber einfach unkommentiert hin.

Dann könnte man sagen, es sind die Maßstäbe des Mauerbaus zu Israel als der einzigen Demokratie des Orients oder des antimexikanischen Schutzwalls der größten Demokratie überhaupt, militärischer Überfälle und Verfolgung, Inhaftierung, Mißhandlung Andersdenkender. - Liquidierung eingeschlossen. Raketengestützt und helokopterdemokratisch.
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von commentator commentator ist gerade offline | 19.11.2009 15:34 Uhr
sorry
helikopterdemokratisch natürlich
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von iustus iustus ist gerade offline | 3.11.2009 18:38 Uhr
Eine wichtige Expertenmeinung
Das vorliegende Interview mit Professor Winkler ist ein sehr wichtiger Beitrag in der immer noch und wohl auch weiterhin andauernden Diskussion um die Bewertung der DDR. Sehr schön und in aller wünschenswerter Deutlichkeit vor allem der letzte Satz.

Natürlich ist das nur eine Meinung, aber immerhin die eines anerkannten Experten. Niemand ist gezwungen, Kenntnisse zu erwerben, demokratische Werte zur Richtschnur seines Urteilens und die Vernunft zum Maßstab seines Denkens zu machen.
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 3.11.2009 18:59 Uhr
@ iustus (3.11.2009, 18:38 Uhr)
Niemand ist gezwungen, Kenntnisse zu erwerben, demokratische Werte zur Richtschnur seines Urteilens und die Vernunft zum Maßstab seines Denkens zu machen.

Was sind das für Kenntnisse, was sind demokratische Werte, wie bilden sie sich heraus? Welche Bedeutung kommen etwa Freiheitsrechte zu, wenn ihnen ggü. soziale Rechte zurückstehen? Wie kommt eine Persönlichkeit wie Günter Gaus dazu, sich nicht mehr Demokrat zu nennen (drück mich)?

Handelt es sich hier genauso um Begriffshüllen wie das Schlagwort Unrechtsstaat, die eher vom Diskurs abhalten anstatt zum Denken anzuregen?
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von k.r.popper k.r.popper ist gerade offline | 3.11.2009 19:51 Uhr
Wichtiger Artikel
Auch ich sehe hier eine sehr wichtige Expertenmeinung, die hoffentlich der "Empörungsindustrie" einigen Wind aus den Segeln nimmt!

Ich stimme in allen Punkten mit Herrn Winkler überein und hoffe, dass dieser Artikel von vielen Leuten gelesen wird, die sich eine wissenschaftlich fundierte Sichtweise der Dinge zu Eigen machen.

Ein liberal Mind
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von stephanstephan stephanstephan ist gerade offline | 3.11.2009 19:46 Uhr
@s.theile Wer irrt?
"Niemand bestreitet, daß es Unrecht und Verbrechen war, Menschen an der Mauer zu erschießen und Andersdenkende zu verfolgen und einzusperren."


Das ist objektiv falsch ! Es gibt unzählige Ex-DDR Bürger und ehemals Regimetreue, die es zu DDR-Zeiten als notwendig ansahen, um die Existenz der DDR zu gewährleisten, was idR als Schutz gegen den Westen verkauft wurde.


Erst neulich wurde von einem Ostberliner erklärt, dass die, die die Mauer überwinden wollten, selber schuld waren, wenn sie das bekannte Rusiko eingingen. Zynisch aber ausgesprochen !
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 3.11.2009 20:27 Uhr
@ stephanstephan (3.11.2009, 19:46 Uhr)
Für den von Ihnen genannten Personenkreis kann und will ich nicht sprechen. Wenn aber bsw. Gregor Gysi den Begriff Unrechtsstaat in einer verabsolutierenden Weise nicht gebrauchen will, dann hat das nichts mit der Sichtweise zu tun, die Sie hier beschreiben.
Ich selbst messe ihm wie oben bereits angedeutet keinen deskriptiven (und normativen) Gehalt zu.

Was Ihren zweiten Gesichtspunkt angeht, zögere ich etwas. Ich möchte Sie vielleicht mit der gebotenen Zurückhaltung darauf hinweisen, daß Sie an den Bezügen, die ich nenne, vollkommen achtlos vorübergehen.
Im übrigen war die Eheschließung ganz bestimmt unter der Maßgabe der oben von mir genannten weltanschaulichen Parameter dem nationalsozialistischen Zeitgeist unterworfen und der Diebstahl gehört bsw. nicht zum bürgerlichen Recht.

Ich verdrehe hier nicht Winklers Aussagen, sondern zeige nur auf, das sie an einer Stelle nicht richtig sind und leite in der Folge hieraus einige Überlegungen ab.
Comment
von stephanstephan stephanstephan ist gerade offline | 3.11.2009 19:50 Uhr
@s.theile - formales Recht im 3. Reich
Ihre Interpretation von Herr Winklers Aussage st definitiv und juristisch falsch.

Auch Ehescheidungen und Verurteilungen von Diebstahl waren "Rechtsbereiche, in denen formal korrektes Recht gesprochen wurde".

Bitte verdrehen Sie nicht Winklers Aussagen.
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von aquarius_jedermann aquarius_jedermann ist gerade offline | 3.11.2009 19:50 Uhr
Vorwärts und schnell vergessen!
Da leistet das SPD-Mitglied Heinrich-August Winkler (seit 1962 in der SPD) der SPD einen Bärendienst, indem er Geschichte recht eigenwillig interpretiert. Die reaktionären Kräften allerortens dürften sich über so viel entgegenkommen sehr freuen. Heinrich-August Winkler macht es somit genau diesen Leuten noch leichter, die SPD in die Enge zu treiben und ihr eine Regierungsperspektive für die nächsten 20 Jahre zu verbauen. Möglicherweise hat sich bis dahin auch dieses Thema für die SPD erledigt, wenn sie denn mal bei 8% angekommen sein wird.

Dazu kommt noch, dass er nachgerade den Naziverbrechern, ihren Helfern und Helfershelfern sowie den Nutznießer der Naziverbrechen im nachhinein einen Persilschein ausstellt, wie bei dem Kongress der Weißwäscher.
Comment
von zacha zacha ist gerade online | 3.11.2009 21:55 Uhr
@aquarius
"Reaktionäre Kräfte"? In welcher Zeit und welchem Land leben Sie das Sie diese Vokabel benutzen? Zu ihrer Information, wir leben hier nicht in einem kommunistischen Staat der sich gegen reaktionäre liberale Kräfte wehrt.
Comment
von fua10318 fua10318 ist gerade offline | 3.11.2009 20:58 Uhr
Es nervt irgendwann...
Da kommt mit Herrn Winkler wieder so ein Oberaufseher aus dem Westen und muss den Ossis erklären, was richtig und was falsch ist. Was auch Herr Winkler nicht leugnen kann, das ist der Aufbau der westdeutschen Verwaltungen mit Ex-Nazis und es waren beileibe nicht nur Leute, die nicht anders konnten, als in die Waffen-SS oder in die NSDAP zu gehen.
Worum es hier geht, das ist doch der zwanghafte Trieb einiger Leute, unterlassene Vergangenheitsaufarbeitung im Westen nach 1945 nachzuholen und am Osten ein Exempel zu statuieren.
Im Übrigen gibt es in Brandenburg wie auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern mitnichten die von Herrn Winkler beschriebene personelle Kontinuität in den Verwaltungen, Schulen und anderen Institutionen. Es strömte viel auswärtiges Personal hinzu, was sich zwar über alles Mögliche im Osten eine Meinung erlaubt, aber oft Null Interesse an der Entwicklung und Geschichte in der DDR hat. Auch hierin sollte Herr Winkler die Ursachen für fehlende Auseinandersetzung suchen. Hinzu kommt, dass es vielen Ostdeutschen langsam aus dem Hals heraushängt, sich bis an ihr Lebensende für ihr Tun und Handeln zu rechtfertigen.
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 3.11.2009 21:41 Uhr
@ fua10318 (3.11.2009, 20:58 Uhr)
Das ist die entgegengesetzte Sichtweise. Aber genauso wie bei Winkler, der von Demokraten fordert, in der Beurteilung der DDR als Unrechtsstaat eisern zu sein, frage ich mich auch hier, woher diese Einstellung kommt? Wozu nützt sie, welchen Erkenntnisgewinn schöpfen wir daraus?

Wenn wir mal die Frage beiseite lassen, wer nun wo in welcher Anzahl übernommen wurde, dann frage ich Sie, was denn an dem, das Winkler sagt, falsch ist? Was ist denn zum Beispiel an seiner Definition eines Unrechtsstaats nicht korrekt?
Comment
von zacha zacha ist gerade online | 3.11.2009 21:58 Uhr
@fua
"Hinzu kommt, dass es vielen Ostdeutschen langsam aus dem Hals heraushängt, sich bis an ihr Lebensende für ihr Tun und Handeln zu rechtfertigen." Von welchen Ostdeutschen sprechen Sie da gerade ganz genau? Mich beschleicht das Gefühl das Sie dmait SED-Mitgleider und Stasi-Spitzel meinen, ich wüsste nicht von wem sonst eine Stellungsnahme erwartet wird. Das es diesen aber "zum Hals raushängt" kann ich mir gut vorstellen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Comment
von Diabolo Diabolo ist gerade offline | 4.11.2009 0:33 Uhr
Rechtfertigungsdruck


Zitat von fua10318

Hinzu kommt, dass es vielen Ostdeutschen langsam aus dem Hals heraushängt, sich bis an ihr Lebensende für ihr Tun und Handeln zu rechtfertigen.


Ebenso wie es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vielen Mittätern und Mitläufern der Dritten Reichs irgendwann langsam zum Hals heraus hing, sich bis an ihr Lebensende für ihr Tun, Handeln und auch ihr Unterlassen zu rechtfertigen. Das macht die Fragen an diejenigen, die sich an der Aufrechterhaltung totalitärer Regime beteiligt haben, nicht weniger gerechtfertigt.
Comment
von plus8 plus8 ist gerade offline | 3.11.2009 21:13 Uhr
Habt ihr keine anderen Sorgen?
Natürlich haben Stasi Leute gemeinhin "Dreck am Stecken". Aber warum sollen Sie denn später keine verantwortungsvollen Posten in der Politik übernehmen?

Ging doch früher genauso? Oder?

Ob dabei die Gründerväter der freiheitlich/demokratischen Grundordnung alles waschechte Demokraten waren, darf recht herzlich hinterfragt werden.
Comment
von eilbekermicha eilbekermicha ist gerade offline | 3.11.2009 21:14 Uhr
Personelle Kontinuität

"... hohe personelle Kontinuität in Verwaltung, Gerichten und Schulen... fehlende Auseinandersetzung mit dem Erbe der DDR an den Schulen... vielfach apologetische Geschichtsinterpretation".

Kürzlich habe ich von jungen Leuten, die den Schulabschluss gerade vor oder hinter sich hatten, aus erster Hand gehört, dass das Thema DDR in den neuen Ländern m. o. w. nicht behandelt wird. Sie sagten selbst, wenig über die DDR zu wissen - und, dass viele Lehrer das Thema einfach ignorieren.

Es ist ein erschreckendes Zeugnis für die Bildungspolitik, dass sich nach 20 Jahren daran noch nichts geändert hat. Und das, obwohl es bekannt ist - und es, wie Herr Winkler sagt, eine personelle Alternative gab.
Ich möchte mal wissen, was die brandenburgischen/ostdeutschen Bildungsminister der vergangenen 20 Jahre, mit dieser Realität und entsprechenden Fragen konfrontiert, antworten. Wahrscheinlich irgendetwas Schönes.

Die Gesellschaft in den neuen Ländern tickt auch heute noch ganz anders als die in den alten. Viele der Kinder, die heute dort großwerden, bekommen in der Schule also keine Handreichung, das - und somit auch einen Teil ihrer eigenen Wurzeln - zu verstehen.
Sie sind dadurch in der Einordnung der eigenen Herkunft gewissermassen amputiert; ihnen wird etwas sehr wichtiges vorenthalten.
Comment
von guderian guderian ist gerade online | 3.11.2009 21:40 Uhr
Und der Blödsinn geht weiter.
>>> Ein Unrechtsstaat beginnt nicht mit Konzentrationslagern und Massenvernichtung, sondern mit der Vorenthaltung von Menschen- und Bürgerrechten, mit der Aufhebung der Gewaltenteilung, der Abschaffung einer unabhängigen Justiz und der Unmöglichkeit, Regierende in freien Wahlen abzulösen. All dies war in der DDR gegeben.

Maya, Inka, Sioux, Inuit, Ägypter, Sumerer, Babylonier, Griechen, Römer, Preußen, Japaner, Maori, Tibetaner. Alles Unrechtsstaaten nach Definition von Herrn Winkler. Und so jemand will ein Historiker sein! Es ist eine Schande.
Comment
von m0e m0e ist gerade offline | 5.11.2009 21:34 Uhr
is doch alles schmarrn
Die Diskussion wird hier mit Grundsätzen und weit hergeholten Vergleichen geführt. Lassen wir doch mal die Kirche im Dorf und betrachten das ganz objektiv:

1. In welcher Partei gabs noch keine sog. "Stasi-Spitzel", bzw. gibts mit absoluter Sicherheit aktuell keine?
2. Wer steht gerade in Sachen Stasi idelogisch der SED näher?
3. Warum ist eine Frau böse und nicht tragbar, wenn sie als junge Studentin auf die geschulten Demagogen der Stasi reingefallen ist, diese Zusammenarbeit aber noch lange vor irgendwelchen B90-Zeiten von sich aus beendet hat?
4. Wo sind die ca. 200.000 ehemaligen Mitarbeiter des MfS heute? Wieviele sind Lehrer, Justizvollzugsangestellte oder besetzen andere Stellen die ein ex-Stasispitzel nicht besetzen sollte, und ihre Arbeit ist im Gegensatz zu einem Politiker nichtmal öffentlich ersichtlich und kontrollierbar? Wieviele arbeiten beim BND/BKA/Verfassungsschutz?
5. Wann gehts in der Politik wieder um Politik?
Comment
von commentator commentator ist gerade offline | 19.11.2009 15:08 Uhr
Maya, Inka und dergleichen ...



Zitat von guderian

Maya, Inka, Sioux, Inuit, Ägypter, Sumerer, Babylonier, Griechen, Römer, Preußen, Japaner, Maori, Tibetaner. Alles Unrechtsstaaten nach Definition von Herrn Winkler. Und so jemand will ein Historiker sein! Es ist eine Schande.



Ach was.

Ist nun mal so. - Unrecht wohin man schaut. Aber trösten wir uns:

Seit die Mütter und Väter des … Sie wissen schon … dem deutschen Volke gegeben, was dem deutschen Volke zu geben gewesen, wird jenes globale Unrechtsgewürm überwölbt vom allüberstrahlenden Geist eines Juristitanicus Germaniae neuen Typus.

Da kann man selbst als unrechtsstaatentötender, bürgerbeweglicher Recke zu Hofe schon mal ins Schleudern kommen mit der ersten Strophe der Rechtsstaatenhymne beim zu Bundesverdienstkreuzkriechen im Charlottenschlosse.

Das nächste Kreuz dem Minnesange des Heinrich August!

Comment
von guderian guderian ist gerade online | 3.11.2009 22:14 Uhr
Nazi-Relativierer
>>> Wenn man aber NS-Staat und DDR konsequent vergleicht, fällt als ein wesentlicher Unterschied auf, dass Hitlers Herrschaft bis zum Ende des sogenannten „Dritten Reiches“ einen massenhaften Rückhalt hatte. Dagegen konnte sich die SED immer nur auf eine Minderheit stützen.

Ja genau der Rückhalt Hitlers war beachtlich, besonders bei den Juden, Schwulen, Behinderten, Kommunisten, Sozialisten, Ausländern und Brünetten mit grünen Augen. Das auf den beliebten Herrn Hitler mehr Mordanschläge verübt wurden, als auf jeden anderen Politiker in der Geschichte Europas, muss reiner Zufall sein.
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von apo apo ist gerade offline | 5.11.2009 2:22 Uhr
ähem..
Ich glaube Sie sollten den guten Winkler erst mal versuchen zu verstehen..? Ist ja eine abenteuerliche Replik..?
Comment
von commentator commentator ist gerade offline | 19.11.2009 17:43 Uhr
@ apo

Ich hingegen glaube, Sie sollten den guderian erst mal versuchen zu verstehen.

Davon abgesehen:
Sofern es zuträfe, dass Hitlers Herrschaft bis zum Ende einen massenhaften Rückhalt hatte, die SED dagegen sich immer nur auf eine Minderheit stützte, - wenn es so gewesen wäre - spräche das gegen die SED?
Comment
von struebchen struebchen ist gerade offline | 3.11.2009 22:43 Uhr
Nicht nur in Brandenburg...
...auch in Berliner Schulen fehlt eine Aufklärung über das totalitäre Regime DDR. Immerhin wurden mehrere Millionen Menschen in ihr eingesperrt und litten unter Denkverbot. Für mich ist das nicht weniger schlimm, Diktatur bleibt Diktatur. Was wäre gewesen, wenn die Mittel gereicht hätten und nicht die anderen drei Westmächte vor Ort gewesen wären? Vielleicht wäre dann ja auch eine Tötungsindustrie á la SS möglich gewesen, Stalin hat es ja vorgemacht.

Aufklärung tut Not und mir fehlt eine Beate Klarsfeld des Ostens, ich hoffe immer noch, dass ein couragierter Mensch sich dazu ernennt.

Tut doch bloß nicht immer so, als wäre die DDR ein Paradies gewesen, das war sie nämlich für Menschen, die denken wollten nicht. 220 Menschen starben offiziell an der Grenze, wer weiß schon, wie viele es wirklich waren?
Comment
von cz284 cz284 ist gerade offline | 3.11.2009 22:44 Uhr
Hervoragender Artikel!
Prof. Winkler hat Recht!
Es geht nicht um jetzige Verhältnisse, die ewig gestrigen nicht passen. Hier werden zwei Deutsche Unrechtssysteme verglichen, die durchaus Parralelen aufweisen.
Genauso, wie heute die Nazidiktatur aufgearbeitet wird, ist es erforderlich diesen Ostdeutschen Vasallenstaat von Moskaus Gnaden aufzuarbeiten.
Eine besondere Pflicht gegenüber auch und besonders der jungen Generation.
Offensichtlich sind an vielen Schulen linke Geschichtslehrer, die alles dafür tun, dass so wenig wie möglich an geschichtlichen Tatsachen weitergegeben wird.
Comment
von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 3.11.2009 23:01 Uhr
comment
> Wenn man aber NS-Staat und DDR konsequent vergleicht, fällt
> als ein wesentlicher Unterschied auf, dass Hitlers Herrschaft
> bis zum Ende des sogenannten „Dritten Reiches“ einen
> massenhaften Rückhalt hatte.
Das heisst, nach Herr Winkler, Hitler und die NSDAP waren bis bis zum Schluss demokratisch legitimiert.

Der Herr "Historiker" sollte sich noch mal mit den Wahlergebnissen und deren Zusammenkommen sowie der repressiven Innenpolitik im 3. Reich beschaeftigen. Sowas sollte eigentlich Geschichtswissen eines Realschuelers sein!
Comment
von cz284 cz284 ist gerade offline | 4.11.2009 8:26 Uhr
Beide Diktaturen
Die Wahlen im Nazireich haben sich von denen in der DDR nur maginal, d.h. im Vorzeichen unterschieden.
Die Leute wurden auf vielfältige Weise gezwungn, das jeweilige Regime zu wählen. Wer das nicht tat, hatte mit persönlichen Konsequenzen zu rechnen.
Das hatte nichts, aber überhaupt nichts mit Demokratie zu tun.
Comment
von arthur_dent arthur_dent ist gerade offline | 4.11.2009 22:52 Uhr
@cz284
> Die Wahlen im Nazireich haben sich von denen in der DDR nur
> maginal, d.h. im Vorzeichen unterschieden.
Oh je, Pisaabsolvent oder einfach keine Ahnung von Geschichte?
Beschaeftigen Sie sich mal mit dem Thema _bevor_ Sie solche platte Propaganda verbreiten daie schon Realschueler wiederlegen koennen.
Wieviel Prozent der Stimmen hat die NSDAP bei der Wahl 1932?
Und der "Historiker" behauptet das "Hitlers Herrschaft bis zum Ende des sogenannten „Dritten Reiches“ einen massenhaften Rückhalt hatte."
Die Rahmenbedingungen der "Wahl" 1933 duerften Sie jedem guten Geschichtsbuch entnehmen koennen.

> Die Leute wurden auf vielfältige Weise gezwungn, das
> jeweilige Regime zu wählen. Wer das nicht tat, hatte mit
> persönlichen Konsequenzen zu rechnen.
Na da bin ich mal gespannt welche persoenliche Konsequenzen in der DDR zu erwarten waren?
Selbst die DDR-Opposition hat Groesstenteils studiert, Frau Merkel hatte eine wissenschaftliche Laufbahn in der ostdeutschen Akademie der Wissenschaften...

> Das hatte nichts, aber überhaupt nichts mit Demokratie zu
> tun.
Nun, es gibt sogar demokratische Staaten in denen eine gesetzliche Wahlpflicht besteht, und diese wird z.B. mit Geldstafen durchgesetzt.

Offen FDGO-feindliche Parteien duerfen auch in Deutschland nicht offen agieren und zur Wahl antreten, koennen also nicht gewaehlt werden.

> Ein Unrechtsstaat beginnt nicht mit Konzentrationslagern und
> Massenvernichtung, sondern mit der Vorenthaltung von
> Menschen- und Bürgerrechten...

Zur Einhaltung der Menschenrechtskonvention verweise ich auf z.B. die Artikel zu den sozialen Menschenrechten (Recht auf Arbeit und auf gleichen Lohn bei gleicher Arbeit, Recht auf Teilnahme am kulturellen Leben...) oder Artikel 5 (Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden)...
Comment
von ach ach ist gerade offline | 4.11.2009 0:17 Uhr
"Geschichte des Westens"
Die FAZ hat das Buch schon rezensiert:
http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E85292271EDAA47E48E903F6721F66F4B~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Frappierend:
"Dieses Szenario wirft eine naheliegende Frage auf: Was ist mit den Griechen passiert? Die verblüffende Antwort lautet: Sie sind ausgeklammert worden. Winkler führt uns ohne Umschweife von Moses zu Jesus, wobei als einziges Bindeglied seine Beobachtung dienen muss, Jesus habe „in einer Tradition des hellenistischen Judentums“ gestanden. Aristoteles und Platon treten nur in Erscheinung, insofern sie Beiträge zur Entwicklung des Christentums und zur Renaissance in Italien geleistet haben."
Sollte dem Rezensenten hier kein Fehler unterlaufen dann, dann scheinen die Qualitäten von Herrn Winkler nicht wirklich in der geschichtlichen Analyse zu liegen.
Comment
von felix felix ist gerade offline | 4.11.2009 8:03 Uhr
Niemand hat erwartet....
...daß die, die Prof. Winkler überzeugend anspricht und meint nicht aufheulen. Das tun sie hier und jetzt, und das ist das eigentlich beschämende.
Daß sie immer noch und immer wieder versuchen den vorgeblichen Traum vom sogenannten 'besseren Deutschland' weiterzuträumen. In der Demokratie sind die jedenfalls noch nicht angekommen.
Da hilft auch kein 'Wessi-Bashing', Demokraten werden und dürfen sich davon weder beeindrucken noch einschüchtern lassen.

Herr Platzek hat seiner SPD einen Bärendienst erwiesen, die Linken, die dann noch übrigbleiben, wählen dann logischerweise künftig lieber 'das Original'.
Comment
von commentator commentator ist gerade offline | 19.11.2009 15:22 Uhr
Irrtum


Zitat von felix

In der Demokratie sind die jedenfalls noch nicht angekommen.



Doch.

Mit zwischen 10 und 45%.

Seite : 1 2 >> (2 Seiten)

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